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09.03.1979

"IBM kann nicht einfach sagen, DOS ist tot"

Mit Dietmar Schrenk, Projektleiter für das von Common Europa, sprach Dieter Eckbauer

- Als eine Vereinigung der IBM-Computerbenutzer hat Common in den vergangenen Jahren versucht, die Software-Politik des Marktführers, speziell in bezug auf das Betriebsystem DOS, durch Resolutionen zu beeinflussen. Nun hat IBM bei der neuen E-Serie "DOS-Treue" bewiesen. Werten Sie das als einen Common-Erfolg?

Daran sind wir sicherlich nicht ganz unbeteiligt. Und zwar einfach aus dem Grund, weil wir ja der IBM nicht einfach die Resolutionen hinknallen, sondern die einzelnen Probleme bereits vor der offiziellen, Übergabe der Resolutionen mit den IBM-Laborleuten besprechen. Dies geschieht normalerweise schon ein halbes bis ein dreiviertel Jahr im voraus.

- Ist es nicht für IBM ein Leichtes, derart vorgewarnt, Änderungswünsche abzubiegen?

So sehe ich das nicht. Da besteht einfach das Problem: Wir stellen eine Resolution, und das IBM-Labor sagt, in dieser Form ist das nicht realisierbar, aber wir haben dafür einen anderen Vorschlag. Eine unserer wesentlichen Aufgaben sehe ich also darin, die richtige Form in die Resolution reinzubringen; daß wir vorab analysieren, was überhaupt in bestehenden Systemen zu verwirklichen ist.

- Wenn sie jetzt mal von den gewiß schutzwürdigen Programm-Investitionen der DOS-Anwender absehen: Halten Sie denn DOS auf der E-Serie für erhaltenswürdig?

Das ist natürlich erhaltenswürdig. Es wurde ja sehr viel gemunkelt, "DOS ist tot". Niemand hat das jemals bestätigt: Weder IBM noch irgendwelche anderen Stellen haben gesagt, "DOS ist tot". Das waren lediglich Spekulationen. Ich bin aber der Meinung, daß das DOS durchaus nicht tot ist. Über die Frage sollte man gar nicht mehr diskutieren. Denn gerade mit dem DOS/VSE hat sich jetzt gezeigt, daß DOS sehr wohl weiterlebt. Es heißt zwar nicht mehr DOS, sondern DOS/VSE - es ist eben überarbeitet worden.

- Können Sie präzisieren, was Sie mit "überarbeitet" meinen?

Aus den Verwirklichungen - zum Beispiel zwölf Partitions und die Möglichkeit, mehrere Maschinen zu koppeln - zeigt sich, daß IBM sehr wohl an dem Betriebssystem weiterarbeitet.

- Heißt das, DOS war immer ein gutes Betriebssystem, nur hatte IBM bisher mit der 370 nicht die entsprechende Hardware - die jetzt mit der 4300 zur Verfügung steht?

Verglichen mit dem OS hatte natürlich das DOS gewisse Nachteile, die von den Anwendern teilweise erkannt, teilweise auch bemängelt worden sind. Aber im großen und ganzen würde ich sagen: Das DOS hat schon immer seine Berechtigung gehabt, und es war auch gut.

-. .. so gut, daß IBM zunächst OS, dann MVS gepusht hat?

Für die Benutzer kleinerer Maschinen war es einfach sinnlos, OS einzusetzen. Und die Frage, die in den letzten Jahren entstanden ist, muß ich denn jetzt als Anwender auf OS gehen, weil ich mit meinen fünf Partitions so gehandikapt bin, daß ich nicht mehr weiterarbeiten kann, diese Frage ist meiner Ansicht nach gelöst. Aber DOS/VS - oder DOS überhaupt - war schon immer ein recht gutes Betriebssystem.

- In dem "recht gut" klang an, daß das DOS doch nicht der Betriebssystem-Weisheit letzter Schluß ist. Wenn nun IBM ein - zugegeben erweitertes - DOS/VS auf die E-Serie nimmt, mit der die Anwender ja über mehrere Jahre hinweg leben werden, dann sieht das sehr nach einem Parkschutz-Kompromiß aus.

Ich würde das nicht als Kompromiß bezeichnen. Es war wohl bisher so, saß teilweise die Software zuviel Speicher in Anspruch genommen hat. Das waren meiner Ansicht nach die primären Probleme der DOS-Anwender. Das hat IBM jetzt mit entsprechender Hardware ausgeglichen.

- Nun hat IBM selbst immer wieder betont, daß in einem bestehenden Betriebssystem nicht ad infinitum herumgeflickt werden kann, weil's sonst zu komplex wird. Das war doch insbesondere auf DOS gemünzt?

Ich würde insofern zustimmen, als natürlich von der IBM nicht verlangt werden kann, daß in einem bestehenden Release alles geändert wird, was es zu bemängeln gibt. Wenn also der Benutzer sagt, fünf Partitions im Release 34 sind zuwenig, dann ist die Chance, daß IBM im Release 34 acht oder mehr Partitions ermöglicht, gleich Null - das ist völlig klar. Wenn der Anwender Release 34 benutzt, dann sind in den IBM-Labors bereits die nächsten Releases in Arbeit. Deshalb ist auch die Möglichkeit, eine Resolution innerhalb eines bestehenden Betriebssystems oder Releases zu verwirklichen, effektiv Null. Das sollte natürlich der Anwender wissen. Der kann dann nicht sagen, das Release 34 ist so schlecht, das muß unbedingt geändert werden. Das funktioniert nur, wenn es sich effektiv um Fehler handelt - und die werden ja durch die bekannte Technik der PTFs ausgeglichen.

- Wieweit hat sich denn nun DOS/VSE von DOS/VS wirklich entfernt?

Das hat sich in seinen Prinzipien von DOS nicht entfernt. Es sind nur die Schwächen ausgebügelt worden, die seit jeher bestanden, und es sind einige wesentliche Neuerungen dazugekommen: Wenn man zum Beispiel sieht, daß die Kommunikation von einer zur anderen Maschine - die ja mit der E-Serie möglich ist - in dem neuen DOS/VSE verwirklicht wurde. Daß vor allem auch der Datenschutz verwirklicht wurde - bezogen auf Vsam-Dateien, wenn von mehreren Maschinen zugegriffen wurde -, dann sind das an sich wesentliche Änderungen. Ansonsten ist DOS DOS geblieben.

- Welcher Änderungsaufwand wird erforderlich sein, DOS-Programme auf den Rechnern IBM 4300 lauffähig zu machen?

Da gibt es sicherlich keinen oder nur minimalen Änderungsaufwand. Die Zeiten, in denen IBM gesagt hat, ihr müßt alle Programme umwandeln, die dürften doch vorbei sein. Und zwar einfach deshalb, weil die Betriebssysteme verträglicher geworden sind. Das bedeutet, daß das neue Betriebssystem DOS/VSE auch die alte DOS-Technik unterstützt. Das ist ja eine der Funktionen des DOS/VSE, daß im DOS-Modus und im VSE-Modus gefahren werden kann. Das ist dann notwendig, wenn zum Beispiel eine 370 mit einer 4300 gekoppelt wird. Dann fahr ich die 370 im DOS-Modus und die 4300 im VSE-Modus. Aber für den Anwender ergeben sich da keine sehr großen Probleme - mit Ausnahme der Einführung des Betriebssystems selbst. Aber diese Probleme sind ja immer da.

- Unter dem neuen Software-Service wird die Maintenance aus dem Lizenzvertrag herausgenommen. Aber wer bestimmt, wann welche Lizenzprogramme gewartet werden?

Die Wartungsverträge lassen sicherlich noch einige Fragen offen, die man klären muß.

- Welche wären das?

Es ist vor allen Dingen die Frage, was ist zu bezahlen, wenn irgendwelche Probleme in der Software auftreten? Darüber hinaus haben wir uns innerhalb Common bereits sehr intensiv unterhalten. Aus den Verträgen ist es manchmal nicht ganz klar zu ersehen, was zu bezahlen ist. Die Abgrenzung, wann muß IBM kommen und einen Fehler lokalisieren, ist sehr schwierig. Aber an der Methode der Fehlersuche wird sich wahrscheinlich nichts ändern. Es ist nur so, daß IBM eben eine neue Stelle gegründet hat, die das unterstützen wird - die dann also auch den Wartungsvertrag praktisch wahrnimmt.

- Es liegt doch auf der Hand, daß IBM bei der Wartung und Pflege diejenigen Produkte bevorzugen wird, die in Form von sogenannten IPO-Paketen für die 4300-Rechner angeboten werden. Anwender, die noch alte Software auf der 4300 einsetzen wollen, werden sich wohl darauf einzustellen haben, alles selbst warten zu müssen.

Da haben wir die gleichen Probleme, die wir bisher auch schon gehabt haben, wenn IBM gesagt hat, die Wartung wird eingestellt. Ganz krasses Beispiel ist ja der DBOMP. Die Wartung wurde eingestellt, es wird nichts mehr gemacht, und der Anwender hat jetzt selbst die Fäden in der Hand. Nun gibt es allerdings im Falle DBOMP an sich keine Probleme mehr.

- Und wie sieht das bei "älteren" Betriebssystem-Versionen aus?

Wenn man heute noch mit Release 31 oder sogar mit einer 360 fährt, dann gibt es für den Anwender durchaus Probleme - falls das Betriebssystem Probleme macht. Die Fehler zu klären, die in alten Releases auftreten, das ist sicherlich ein Problem. IBM ist allerdings bereit, Fehler auf On-Call-Basis zu lokalisieren und unter Umständen zu beheben. Dafür wird der Anwender sicherlich bezahlen müssen, und das wird wahrscheinlich mit den neuen Wartungsverträgen gleich bleiben. Allerdings, solange ein Wartungsvertrag läuft, ist die IBM verpflichtet, das Software-Paket zu warten - nur dann natürlich nicht mehr, wenn sie den Wartungsvertrag im Prinzip aufhebt, weil sie sagt, das Produkt ist aus der Wartung herausgenommen, es wird nicht mehr vertrieben, es wird nicht mehr unterstützt.

- Nun hat IBM mit der 4300-Ankündigung eine Zäsur gemacht und es ist zu erwarten, daß zahlreiche Programmpakete sukzessive aus der Wartung herausfallen.

Das ist natürlich noch zu klären, welche Softwareprodukte wie lange gewartet werden. Ich würde aber generell keinen Unterschied zu der bisherigen Problematik sehen - mit Ausnahme der Wartungsverträge, bei denen tatsächlich der Anwender heute etwas im Ungewissen über die Bezahlung ist. Der Wartungsvertrag soll ja garantieren, daß die IBM die Software kostenlos wartet. Nur, die Frage ist, wie weit geht Wartung? Wenn ich also ein Problem mit irgendeinem Compiler habe und feststelle, diese Funktion wird nicht durchgeführt, dann stellt sich für mich die Frage, kann ich jetzt verlangen, daß IBM zu mir ins Haus kommt und den Fehler sowohl lokalisiert als auch behebt - und was ist dann dafür zu bezahlen? Oder brauche ich da nichts zu bezahlen? Diese Frage ist meiner Ansicht nach nicht ganz geklärt.

- Wäre das nicht Grund genug, mit der Bestellung einer 4331 oder 4341 zu warten - zumal es auch im Bereich der DOS/VSE-Releases noch einige Unklarheiten gibt? Oder sollte die Begeisterung über die neue Technik und die niedrigen Hardwarepreise doch so groß sein, daß jegliche Kritik verstummen muß?

Die Euphorie im EDV-Bereich ist einer gewissen Nüchternheit gewichen. Deshalb würde ich sagen, daß die neue Software in den Reihen der Anwender kritisch betrachtet wird, daß man also nicht gleich zu den Ersten gehören will, die das VSE einfuhren. Das war allerdings auch schon bei den letzten Ausgaben der DOS-Releases so, daß man etwa ein halbes Jahr gewartet hat, bevor man effektiv einführt. Ich würde aber doch letzten Endes sagen, daß der Anwender mit dem neuen DOS/VSE sehr wohl einige Instrumente in die Hand bekommt, die ihn freiwillig darauf übergehen lassen.

- Das wurde erklären, warum sich IBM bereits kurz nach Ankündigung vor Aufträgen kaum retten kann.

Ja. Das würde ich ganz klar sagen. Die Vorteile des neuen Betriebssystems und der neuen Hardware sind so enorm, daß kaum einer bei seiner alten Hardware oder bei seinem alten Betriebssystem bleiben wird - es sei denn, er hat die Hardware gekauft - aber selbst hier sind 4300-Verträge abgeschlossen worden, die die alte Hardware mit einbeziehen. Das bedeutet also, ich miete mir zusätzlich eine 4300 - das ist preislich so attraktiv, daß man das machen kann.

- Dann wären Zweifel an der Zukunftssicherheit von DOS in Verbindung mit der neuen Hardware nicht angebracht?

Ich würde da auch keine Zweifel aufkommen lassen. Ich muß nochmals ganz klar sagen, man sollte darüber nicht diskutieren, ob DOS stirbt oder nicht. Ich bin der Meinung, es stirbt nicht - ganz im Gegenteil.

- Nun bietet die IBM-Basis-Datenverarbeitung kleinen und mittleren Anwendern mit dem System /38 ein Betriebssystem, das nicht so viele Kenntnisse der Funktionen voraussetzt, wie es bei DOS der Fall ist. Sehen Sie die Notwendigkeit, daß eine Benutzervereinigung nie Common sich auf diese Zweigleisigkeit des IBM-Außendienstes einstellen muß?

Ganz sicherlich muß sie sich darauf einstellen. Ich muß sagen, daß die IBM-Basis-Datenverarbeitung in gewissen Bereichen, was die Betriebssysteme und die Technologie angeht, der Datenverarbeitung voraus ist. Hier kann man nur hoffen, daß die IBM im Geschäftszweig Datenverarbeitung entsprechende Schritte unternehmen wird - denn so, wie das System /38 bei den System /3-Anwendern eingeschlagen hat, würde eine ähnliche Konzeption bei den 370-Anwendern auch einschlagen. Insofern profitiert der Anwender sogar von der Teilung der IBM. Der Bereich Basis-Datenverarbeitung hat enorme Fortschritte gemacht die dem Benutzer zugute kommen. Mit Sicherheit ist es jedoch ein Problem für den Anwender, daß er sich an zwei verschiedene Stellen wenden muß. Ganz krass sieht das bei der 8100 aus, die als Satelliten-Rechner an die 370 gehängt werden kann - und bei der Serie /1. Wir hatten bereits ein Common-Meeting über dieses Problem, und hier ist ganz klar zum Ausdruck gekommen, daß der IBM-Vertreter der 8100 die Serie /1 nicht kennt, weil er vom anderen Bereich ist. Es ist also Sache des Anwenders herauszufinden, was für ihn am besten geeignet ist. Darin sehe ich eine der Common-Aufgaben, daß wir uns um beide Bereiche kümmern.

- Nun braucht sich die IBM-Basis-Datenverarbeitung, die ja vorwiegend mit Erstanwendern zu tun hat, um Parkschutz wenig kümmern. Offenbart das nicht doch den Kompromiß-Charakter der DOS/VSE-Betriebssystem-Lösung bei der 4300? Hypothetisch gefragt: Hätte es die IBM-DV - ohne Rücksicht auf 370-Kunden nehmen zu müssen -genauso gemacht?

Sicherlich muß IBM bei rund 12 000 DOS-Anwendern immer Rücksicht nehmen. IBM kann also nicht sagen, DOS ist tot. Und Umstellungsprobleme wie beim Wechsel von der 1400-Serie auf die 360 macht der Anwender nicht mehr mit - das kann er sich gar nicht leisten.

Dietmar Schrenk (34) ist Geschäftsführer der Agena GmbH, Gesellschaft für EDV-Beratung, Normierung und Anwender-Software (Echterdingen bei Stuttgart) und, Common-Gebietsleiter im deutschsprachigen Baum. Common ist eine der größten Vereinigungen von IBM-Computer-Benutzern mit weltweit über

1000 Mitgliedern. Der Sitz von Common Europa ist Genf. Hauptziele der Benutzer-Gruppe sind der Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und der direkte Kontakt zu den IBM-Software-Labors.

Die Aktivitäten sind auf das Betriebssystem das sowie auf die Produkte der IBM-Basis-Datenverarbeitung konzentriert (System /3, Serie /1 etc.). Hier die Anlaufadresse für deutsche Interessenten: Dietmar Schrenk, Agena GmbH, Heilbronner Straße 15A, 7022 Echterdingen