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07.06.1985 - 

Extremer Wettbewerb kennzeichnet den High-Tech-Markt:

IBM kann sich in Nippon als Nummer zwei behaupten

Japan hat den Ruf, ein Land zu sein dessen Regierung wirtschaftspolitisch alle Kräfte auf ferne Exportmärkte ausrichtet. Das legt den Verdacht nahe, daß es innerhalb Japans mit dem Wettbewerb nicht übermäßig gut bestellt sein dürfte. Die Wirklichkeit hebt sich von dieser Vorstellung allerdings stark ab. Der Computermarkt ist hier alles andere als eine Ausnahme.

In der japanischen Industrie gibt es zwei gänzlich unterschiedliche Wettbewerbsebenen. Einmal sind das die japanischen Computerproduzenten untereinander, und zum anderen handelt es sich um die in Japan produzierenden amerikanischen Hersteller, von denen immerhin drei zu den nennenswerten Produzenten in Japan zählen. Diese USA-Anbieter sind alles andere als ein Fremdkörper im Lande. Der größte unter ihnen - IBM - ist am japanischen Markt immerhin schon seit 1925 präsent und nimmt heute eindeutig den zweiten Rang - nach Fujitsu, aber noch vor NEC - ein. Trotzdem liegt die Zweiteilung des japanischen Marktes in japanische und nichtjapanische Produzenten nahe. Letztere waren immerhin lange Zeit die Außenseiter in einer Industrie, die von ihrer Regierung stark gefördert wurde - mit dem erklärten Ziel, den weltweit starken Amerikanern besser begegnen zu können.

Je stürker jedoch die japanischen Anbieter geworden sind, desto eher kann es sich das Land - seine Regierung wie seine Industrie - leisten, ausländische Konkurrenz auch in den ureigensten Gefilden zu akzeptieren. Deutlichstes Zeichen dieses Tendenzwandels ist, daß IBM heute immerhin zu jener Spitzengruppe der Computerproduzenten gehört, die die sagenumwobenen Computer der fünften Generation unter Aufsicht und Förderung des japanischen Wirtschaftsministeriums (MITI) gemeinschaftlich entwickelt. An der stabilen Position IBMs innerhalb der japanischen Branche wird sich daher kaum etwas ändern.

Andern wird sich allerdings mit Sicherheit einiges im Blick auf die Zahl der am japanischen Markt tätigen Anbieter. Die Tabelle weist derzeit noch neun nennenswerte Unternehmen auf. Für sie alle ist auf die Dauer aber selbst im weiten japanischen Markt kein Raum mehr. Vieles spricht dafür, daß sich diese Zahl der Anbieter binnen der nächsten drei bis fünf Jahre auf die Hälfte - wahrscheinlich auf fünf Unternehmen - reduziert. Genau das wird aber mit Sicherheit nicht ohne massive Kämpfe abgehen und bedeutet immer neue Preiszugeständnisse an die Kunden sowie immer höhere technische Leistungen. Den Großen der Branche kommt dabei nicht zuletzt zu Hilfe, daß sie Aber umfangreiche eigene Halbleiterentwicklungen verfügen, die ihnen besonders früh den Zugang zu immer leistungsstärkeren Chips eröffnen.

Die Tatsache, daß fünf japanische Computerproduzenten noch in diesem Jahr die Großserienfertigung von l-Megabit-Chips aufnehmen, dokumentiert diesen Wettbewerbsvorteil - nicht nur gegenüber den Kleineren im eigenen Lande, sondern auch gegenüber den ausländischen Wettbewerbern - besonders deutlich. Mittelfristig wird der Überlebenskampf der japanischen Computerhersteller allerdings nicht etwa primär gegenüber der großen amerikanischen Konkurrenz, sondern vielmehr mit dem Konkurrenten im eigenen Lande ausgetragen. Aus diesem Ausscheidungskampf werden aller Voraussicht nach - neben IBM - nur Fujitsu als unangefochtener Marktführer in Japan, NEC, Hitachi und Toshiba hervorgehen.

Marktbereinigung mit weltweiten Auswirkungen

Was es heute sonst noch an Herstellern und Marken in Japan gibt, dürfte in der einen oder anderen Form in die genannten Konzerne eingereiht werden. Als sichtbares Anzeichen einer solchen Entwicklung ist beispielsweise die jüngste Beteilung von Toshiba an dem wesentlich kleineren Konkurrenten Sord zu werten. daß es auch auf Dauer eine Vielzahl japanischer Peripheriegeräte-Produzenten geben wird, widerspricht dem bereits in Gang gekommenen Ausleseprozeß der fernöstlichen Branche keineswegs. Schließlich sehen die großen Produzenten auch in Japan leistungsfähige Peripherieanbieter gar nicht ungern denn alles allein können und wollen auch die japanischen Großunternehmen der DV-Industrie nicht machen.

Die Auswirkungen der bereits in Gang gekommenen Marktbereinigung unter den Herstellern in Japan werden auf die Dauer allerdings nicht nur die japanischen Abnehmer, sondern auch die Kunden und Wettbewerber weltweit zu spüren bekommen. Die Überlebenden dieses Ausscheidungskampfes werden schließlich sehr viel stärker sein, als es die japanischen Produzenten bisher - im Vergleich mit den Amerikanern - weltweit sind.

- Peter Odrich ist Wirtschaftskorrespondent der FAZ in Tokio.