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28.08.1987

IBM: Keine Lebensversicherung für DV-Leiter mehr

Die IBM kämpft um ihre Herrschaft. Mother Blue drückt eine Vielzahl neuer Produkte in die Computermärkte. Die Preise, beispielsweise für Personal Computer und Abteilungsrechner, sacken immer tiefer. Gesteigerte Kritikfähigkeit der Anwender, die sich in dem Wunsch nach mehr Markt manifestiert, könnte für den DV-Multi indes schon bald zum Problem werden. Ein klassischer Fall von IBM-Abhängigkeit ist der Versuch der Computerspezialisten, ihren Vorständen und Geschäftsleitungen das "blaue Wunder" nahezubringen: "Es ist bekannt", konstatiert Max-Eberle von der Neumüller GmbH, "daß viele DV-Leiter sehr stark zu IBM tendieren, weil sie dann persönlich kein Risiko eingehen." Für Eberle scheint indes fraglich, ob das Votum für IBM eine "Lebensversicherung" bleiben wird. Ob der Grad der Abhängigkeit reduziert werden kann hängt künftig sehr stark davon ab, ob Unternehmen lnformationstechnik als Buchungsmaschinen-Ersatz oder als Wettbewerbswaffe einsetzen: Bezugspartner einer "aktiven" Technologiepolitik der Anwender ist die Beratungsbranche, nicht die DV-Industrie. Seinen Niederschlag findet dieser Wandel zunehmend in der erweiterten "Mitbestimmung" der Unternehmensleitung in bezug auf Computer-Investitionen: Den DV/Org.-Chefs wird nicht mehr blind vertraut.

Horst Linke, Leiter kaufm. Verwaltung Ytong München

Die DV-Hersteller versuchen mit allen Mitteln, ihre Kunden zu halten. In unserem Unternehmen wird aber vom DV-Leiter verlangt, daß er nicht nur die Produkte des einen Herstellers kennt, sondern sich auch mit den Produkten anderer Hersteller beschäftigt. Wir sind offen nach allen Seiten und gehen letztlich dorthin, wo uns das Beste geboten wird. Das bedeutet: Wir verwenden Mixed-Hardware.

Die Leistungen, die für die Datenverarbeitung eingekauft werden, sei es Hardware oder Software, sind für unser Unternehmen ein ganz normaler Vorgang. Wie in anderen Unternehmensbereichen auch wird für die DV nichts eingekauft, ohne daß mehrere Angebote vorliegen.

Das Fachwissen des DV-Leiters über die Systeme, die er im Moment gerade einsetzte überwiegt natürlich. Dabei ist es für ihn naheliegend, sich nach Problemlösungen des Hauptherstellers umzusehen, bevor er sich mit anderen Systemen beschäftigt. Die Probleme der Mixed-Hardware sind dabei sicher nicht so leicht zu lösen.

Generell und immer über alles informiert zu sein, also auch über exotische Lösungen, ist sicher zuviel verlangt von einem DV-Leiter. Dafür hat er wohl kaum die Zeit, weil seine Hauptaufgabe schließlich die Abwicklung des Tagesgeschäftes ist. Der DV-Leiter wird und muß zwar grundsätzlich wissen, was die IBM, Nixdorf oder Hewlett-Packard zu bieten haben, aber damit ist schon fast die Grenze erreicht. Ob er sich darüber hinaus auch noch bei anderen Herstellern auskennt - und das womöglich in speziellen Bereichen - ist häufig Zufall.

DV-Wissen von außen einzukaufen, ist ein Aspekt, den man nicht beiseite schieben sollte. Es kommt natürlich darauf an, wieviel eigene Leute es im Unternehmen gibt, die ebenfalls kompetent sind. Andererseits kann es Situationen geben, in denen sich diese Leute für eine einzige Problemlösung umfangreiches Wissen aneignen müßten. Dann kann es sicher sinnvoll sein, sich eines DV-Beraters zu bedienen.

Zur Frage des Controlling sollte man sich des Instruments von Ordnungsmäßigkeitsprüfungen im Rahmen der Bilanzprüfung bedienen. Einige große Büros von Wirtschaftsprüfern haben bereits Spezialisten, die das Wissen der eigenen DV-Leute ergänzen können.

Was wir heute allgemein als DV-Wissen zur Verfügung haben und worauf wir enorm stolz sind, wird in wenigen Jahren eine Selbstverständlichkeit sein. Bereits in fünf Jahren wird man DV-Kenntnisse von jedem verlangen, der sich um eine verantwortliche Position, bewirbt. Und der muß dann mehr von der DV-Welt gesehen haben, als in Weiterbildungsveranstaltungen von Herstellern üblicherweise geboten wird.

Dr. Richard Maier, Geschäftsführer MD Papierfabriken, Dachau

In unserem Unternehmen hat der DV-Leiter eine eigene Kostenstelle. Das Budget dafür wird im Rahmen der Planungsgespräche im Detail besprochen. Für das Planungswesen wird dann der Umfang der Kostenbelastung vorgelegt und diskutiert. Jede einzelne Maßnahme wird dann noch einmal separat beantragt und begründet. Erst dann fällt eine Entscheidung.

An diesen Planungsgesprächen der Controller ist die Geschäftsführung beteiligt. Controller arbeiten im Unternehmen als eine Instanz, die für die Transparenz von Ergebnissen zuständig ist, jedoch nicht die Verantwortung für die Ergebnisse hat. Sie können also nur sagen, welche Auswirkungen die Kosten oder die entsprechenden Maßnahmen im Detail haben. Der DV-Leiter entscheidet somit nicht alleine, sondern in Absprache mit Controlling und Geschäftsleitung. Das DV-Budget in unserem Unternehmen beträgt 0,7 Prozent vom Umsatz, die Kosten für das BDE und die Wartung sind einbezogen.

Die Gefahr, daß ein DV-Leiter sich nur auf die Produkte eines Herstellers konzentriert, besteht bei uns im Unternehmen kaum. Unsere Leute - sei es in der DV, im Controlling oder in der Geschäftsführung - informieren sich über den Markt. Dazu werden Seminare besucht und Fachliteratur gelesen. Dann wissen alle Beteiligten ungefähr, was der Markt an Produkten zu bieten hat. Indem wir uns laufend informieren, verhindern wir auch die Bindung an nur einen Hersteller. Wir haben bei Unisys eingekauft, einem für deutsche Verhältnisse exotischen Hersteller. Wir sind aber immer bemüht, auch anderen DV-Anbietern eine Chance zu lassen, und wenn größere Anschaffungen getätigt werden sollen, veranstalten wir einen Wettbewerb, bei dem der Beste den Zuschlag erhält.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, daß zum Beispiel bei einer DV-Revision Know-how von außen eingekauft werden sollte. Das wird schon längst so gehandhabt im Bereich Systemprüfung und Steuer- und Wirtschaftsberatung. Eine Überprüfung der DV von außen haben wir in unserem Unternehmen letztmalig vor drei Jahren durchführen lassen. Impulse von außen sind nützlich und können das Wissen des DV-Leiters ergänzen. Ein unternehmerisch denkender DV-Leiter ist nicht nur technisch orientiert, sondern auch betriebswirtschaftlich.

Max Eberle, Geschäftsführer Neumüller GmbH, Taufkirchen

Die DV bei der Neumüller GmbH ist voll und ganz Sache der Geschäftsleitung. Sie allein hat die Kompetenz, zu entscheiden, welche Hardware und Software für das Unternehmen angeschafft werden. Die Geschäftsleitung informiert sich bei Wettbewerbern und verschafft sich einen Überblick über die gängige DV der Branche.

Unsere erste Anlage haben wir vor etwa zehn Jahren an geschafft. Wie auch andere in der Branche hatten wir Schwierigkeiten, eine geeignete Software zu finden. Auf eigene Programmierkenntnisse konnten wir nicht zurückgreifen. Die Folge war, daß wir von den Software-Häusern regelrecht ausgebeutet und unterdrückt wurden. Wenn wir zum Beispiel eine Änderung am Programm wollten, hat man uns vielversprechende Angebote gemacht. Nachdem dann die Pakete installiert waren, stellte sich heraus, daß die Programme nicht liefen und das Budget auch nicht reichte.

Um Herstellern nicht ausgeliefert zu sein und Fehlinvestitionen zu vermeiden, muß sich das Geschäftsleitungsgremium auch um die Datenverarbeitung im Unternehmen kümmern. Dafür braucht es jedoch DV-Grundwissen. Somit kann das Risiko verringert werden, daß sich ein Unternehmen einer Software-Firma ausliefert und für deren Dienstleistungen doppelt und dreifach zahlt.

Anwender sind immer vom Software-Entwickler abhängig, egal, ob die Software gekauft oder im eigenen Unternehmen entwickelt wurde. Wir haben uns deswegen zeitweise wie Leibeigene gefühlt. Deshalb setzen wir, wo immer es möglich ist, modulare Software ein, um den Grad der Abhängigkeit zu reduzieren.

Wenn erst einmal die Entscheidung für eine Software gefallen ist, betrifft sie das gesamte Unternehmen. Die Hardware ist dabei sekundär. Das sind schon Gründe genug, DV-Leitern nicht allein die Entscheidung über die DV im Unternehmen zu überlassen.

Es ist bekannt, daß viele DV-Leiter sehr stark zur IBM tendieren, weil sie dann persönlich kein Risiko eingehen. In der Vergangenheit war die Entscheidung für die IBM sicher richtig und so etwas wie eine Lebensversicherung für den DV-Leiter. Ob das für die Zukunft auch noch gilt, ist fraglich.

Günter März, Geschäftsführer Wolfgang März GmbH, München

Seit einem Jahr haben wir ein neues System, sind aber noch voll in der Software-Umstellung. Bei uns nimmt die Geschäftsleitung sehr starken Einfluß auf die Entscheidung für ein neues System. Bei der Fülle des Angebots ist es jedoch für einen Nichtfachmann schwierig, einen Marktüberblick zu haben. Letztlich gibt das Fachwissen einem DV-Leiter den entscheidenden Vorsprung vor der Geschäftsleitung.

Die Geschäftsleitung muß sich dennoch sehr wohl um die DV im Unternehmen kümmern, ist aber nicht in der Lage, ins Detail zu gehen. Obwohl sie ihren DV-Leitern ein gehöriges Maß an Verantwortung für deren eigenes Tun zubilligen muß, entbindet sie das nicht von der Pflicht, auch außenstehende Berater hinzuzuziehen, um letztendlich zu einem klaren Urteil zu kommen.

Deshalb haben wir bei der Entscheidungsfindung für unser DV-System einen außenstehenden Berater hinzugezogen. Zwischen unserem DV-Leiter und dem Berater gab es dann Diskussionen darüber, welche Familie von IBM in Frage kommt. Alle Beteiligten auch die Geschäftsleitung waren sich von vornherein jedoch einig, daß die Entscheidung für Produkte von der IBM fallen würde. Uns allen war klar, daß DV-Systeme anderer Hersteller vielleicht ein bißchen kostengünstiger gewesen wären, aber wir haben bereits seit 25 Jahren IBM-Anlagen: Zuerst hatten wir die 1440, dann die 360, anschließend die 370 und danach die 4300. Schließlich entschieden wir uns für die /38. Der Übergang von der 4300 als typische Mainframe-Maschine auf die / 38, also einen Datenbankcomputer, war allerdings stark umstritten. Standard-Software haben wir in den klassischen Bereichen Lohnbuchhaltung, Finanzwesen und Rechnungswesen. Alles übrige, vom Auftragseingang bis zur Fertigungssteuerung, entwickeln wir selber.