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15.08.2003 - 

Vorwürfe: Bruch der GPL und Verstoß gegen IBM-Patente

IBM-Klage bringt SCO in die Bredouille

MÜNCHEN (CW) - IBM hat am Mittwoch vergangener Woche Widerklage gegen SCO eingereicht. Darin argumentiert der Konzern, SCO habe selbst jahrelang Linux unter der General Public License (GPL) vertrieben und die Open-Source-Lizenz mannigfaltig verletzt. Außerdem verstießen aktuelle SCO-Produkte gegen vier Patente von Big Blue.

Mit seinem Vorgehen, Rechte an Linux geltend zu machen und kommerzielle Anwender des quelloffenen Betriebssystems dafür zur Kasse zu bitten, habe SCO die GPL gebrochen, trotzdem aber anschließend noch Linux unter GPL kopiert, sublizenziert oder vertrieben und versucht, Empfänger von Linux-Code mit zusätzlichen Restriktionen zu belegen.

Richard Stallman hatte die GNU General Public License in den 80er Jahren für sein freies Unix-Projekt "GNU" (GNU is Not Unix) entworfen. Die im Open-Source-Umfeld populäre Lizenz schreibt vor, dass wer freie Software verändert und anschließend verteilt oder verkauft, seine Modifikationen ebenfalls wieder der Allgemeinheit zugänglich machen muss.

"Unsere Gegenklage ergibt sich aus den Bestrebungen von SCO, fälschlich proprietäre Rechte an wichtiger, weithin verwendeter Technik geltend zu machen und die Nutzung dieser Technik durch die Open-Source-Gemeinschaft zu verhindern", heißt es in der 45-seitigen Beschwerde von IBM. "SCO hat seine angeblichen Rechte am anfänglich von den Bell Laboratories, damals einem Forschungs- und Entwicklungsarm von AT&T, entwickelten Betriebssystem Unix missbraucht, um mit der Zerstörung der konkurrierenden Betriebssysteme AIX und Linux zu drohen sowie da-raus zu seiner unrechtmäßigen Bereicherung Zufallsgewinne herauszuholen, und missbraucht sie noch immer."

Außerdem verstoße SCO gegen vier Patente von IBM und soll dafür nicht näher bezifferten Schadenersatz zahlen. Konkret geht es um "Unixware", "Open Server", "SCO Manager" und "Reliant HA". Diese verletzten IBM-Rechte unter anderem im Bereich Datenkompression, Menüstrukturen in Benutzeroberflächen, Überprüfung elektronisch gelieferter Datenobjekte sowie Monitoring von Subsystemen in verteilten/geclusterten Systemen. IBM fordert deswegen, dass SCO die genannten Produkte künftig nicht mehr weiterentwickeln und vertreiben darf.

SCO habe darüber hinaus kein Recht dazu, IBM die Unix-Lizenz für AIX zu entziehen. Diese sei von Novell, dem früheren Inhaber des Unix-Copyrights, erworben worden und vertraglich als "fortwährend und unwiderruflich" abgesichert, was IBM durch Briefe von Novell an SCO vom Juni dieses Jahres belegen will (aus denen übrigens auch hervorgeht, dass IBM für seine Lizenz damals 10,125 Millionen Dollar zahlte).

Last, but not least erklärten die Armonker beim Bezirksgericht in Salt Lake City, Utah, wo auch SCO klagt, SCO habe gegen Gesetze verstoßen, die die Einmischung in Kundenbeziehungen eines Konkurrenten untersagen. Die von SCO erhobenen Vorwürfe, IBM habe Copyright-geschützten Unix-Code aus AIX entnommen und an die Linux-Community weitergegeben, wies der Konzern zurück und forderte eine Abweisung der SCO-Klage.

SCO erklärte in einer ersten Stellungnahme, es werde mit seinem Prozess und auch dem Bestreben fortfahren, von kommerziellen Linux-Anwendern Lizenzgebühren einzutreiben. SCO-Sprecher Blake Stowell erklärte, die GPL hindere SCO nicht daran, gegen Urheberrechtsverletzungen vorzugehen, die durch von Dritten beigesteuerten Code entstanden seien. (tc)