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15.02.1991 - 

Nach Comdisco zwei weitere Hardware-Konkurrenten vor Gericht

IBM klagt - Leasingbranche sieht harten Zeiten entgegen

BRÜSSEL (see) - Die unabhängigen Anbieter von Leasingkontrakten, Gebrauchtrechnern und Komponenten sind Diebe, glaubt man ihrer Reaktion auf IBMs Klage gegen drei Leaser und Komponenten-Dealer. Was Big Blue diesen vorwirft, nämlich Teile von IBM-Maschinen auszutauschen und weiter zu veräußern, sei seit langem gängige und legale Praxis in der Branche. Wahrer Zweck der juristischen Übung IBMs, so die Unabhängigen: Kontrolle und Austrocknung des Marktes.

Nachdem die IBM Credit Corp. (ICC) bereits im Januar den Independent-Marktführer Comdisco Inc. illegaler Praktiken beim Subleasing und bei der Modifizierung von Kundenmaschinen bezichtigt hatte (siehe CW Nr. 5 vom 1. Februar 1991, Seite 5: "IBMs Leasingtochter ..."), führt sie inzwischen die gleichen Klagen gegen zwei weitere Unternehmen: die amerikanischen Speicherkomponenten-Anbieter EMC Corp. und Cambex Corp. Die Unternehmen sollen Original-Hauptspeicher aus IBM-Leasingmaschinen der Serie 3090 gegen Erweiterungen aus eigener Produktion ausgetauscht und die IBM-Boards wieder verkauft haben, berichtet der englische Branchendienst "Computergram International".

Bei Cambex nimmt man die Vorwürfe gelassen. Meint Sheldon Schinkler, Chief Financial Officer der Company aus Waltham/Massachusetts: "Wir machen nicht sehr viele Geschäfte mit IBM-Leasingkunden, so daß sich die Sache finanziell nicht so sehr für uns auswirken dürfte."

Dennoch sieht Schinkler die Gefahr, daß sich Anwender gegen Deals mit Cambex, EMC, Comdisco oder einem anderen Unternehmen der Branche entscheiden könnten, die sie normalerweise ohne weiteres getätigt hätten.

Der Cambex-Manager glaubt nicht, daß sein Unternehmen wegen außergewöhnlichen Geschäftsgebarens vor den Kadi zitiert wurde. Vielmehr hält er es für wahrscheinlich, daß die bisherigen Klagen nur der Anfang einer längeren Reihe sein könnten. Im gleichen Sinne äußerte sich Richard Egan, Chairman von EMC, gegenüber der CW-Schwesterpublikation "Computerworld": "Manche Unternehmen machen das (Subleasing, Red.) immer, andere tun es manchmal. Ich denke, es könnte jeden erwischen." Andere Branchenkenner äußerten "Computerworld" zufolge die Vermutung, IBMs derzeitiger Hang zu gerichtlichen Maßnahmen sei Anzeichen einer neuen Taktik.

Nach Ansicht von Insidern geht es der IBM Corp. und ihrer Leasingtochter International Credit Corp. (ICC) um die Kontrolle beziehungsweise sogar um die Austrocknung des Marktes für gebrauchtes IBM-Equipment. Die Darstellung des Mainframers, er wolle lediglich sein Eigentum, also Maschinen mit IBM-Leasingverträgen, vor unberechtigtem Zugriff und Änderungen durch Dritte schützen, bezeichnen Broker und Leaser als falsch.

IBM steht auf dem Standpunkt, es gebe einen Unterschied zwischen vertraglich ermöglichtem Subleasing und einem "Kannibalisieren" der Maschinen, das von den beklagten Unternehmen betrieben werde. Das wird von vielen Marktteilnehmern nicht bestritten. Die Grenzlinien sind jedoch offenbar fließend und die Branche sieht einen harten Kampf um ihre Festlegung auf sich zukommen.

Obwohl IBM bisher nur in den USA gegen Konkurrenten im Markt für Computerleasing und Gebraucht-Equipment gerichtlich vorgeht, sind unabhängige Leasinganbieter und Broker auch in Europa beunruhigt.

Sie fürchten, daß Big Blue hier wie dort bei Bedarf mit juristischen Mitteln sein Ziel verfolgen könnte, die Marktkontrolle zurückzugewinnen. Die Anwender jedenfalls könnten auf Dauer erheblich in der Wahl ihrer Rechner- oder Komponentenlieferanten eingeschränkt werden.

Mit der Klage einen Rohrkrepierer gelandet

Eigentlich, so Marco Gelmi von der COS Schweiz AG, Baden, müßte die Branche IBM dankbar sein; jetzt zeige Big Blue sein wahres Gesicht. Die Hoffnung des Leasing-Veteranen: Die Anwender müßten nun endlich klar erkennen, daß sie in Verträgen mit der IBM ihre Flexibilität verlören, sobald es um Hardware-Veränderungen in laufenden Leases gehe. Das ist nach Gelmis Schilderung bereits der Fall: "Wir haben sehr viel Feedback von Kunden, die durch diesen Fall - mehr als durch unser ganzes Reden in der Vergangenheit - aufgeweckt worden sind. Ich bin überzeugt, daß IBM mit den Klagen einen Rohrkrepierer gelandet hat."

Die Leasingverträge macht IBM mit Anwendern, nicht mit Comdisco, Cambex oder EMC. Folglich müßte der Mainframer seine Kunden vor Gericht zwingen. In dieser Einschätzung ist sich Gelmi einig mit Geoff Sewell, Generaldirektor des europäischen Leasingverbandes Eclat. Weil die IBM "... natürlich den Teufel tun (wird), ihre besten Kunden zu verklagen", so sieht es der COS-Manager, "zieht sie jetzt mit mehr oder minder fadenscheinigen Argumenten gegen die Konkurrenz ins Feld: Ihr Eigentum werde beeinträchtigt, sie erleide Nachteile bei den Refinanzierungs-Möglichkeiten und die ausgebauten Teile fielen via Comdisco der IBM selbst am Markt in den Rücken."

In der Branche wird der Verdacht laut, hinter den gerichtlichen Anstrengungen IBMs stecke die Absicht, vom eigentlich wichtigeren Thema des Mikrocode-Copyrights abzulenken. Die in dieser Sache seit nunmehr fünf Jahren andauernde Auseinandersetzung zwischen dem Hersteller einerseits und unabhängigen Leasern und Wartungsanbietern andererseits hatte vor kurzem ein vorläufiges Ende gefunden mit einem Urteil in Sachen IBM gegen Allen Myland Inc. (AMI).

Die Maintenance-Company war von IBM bezichtigt worden, Mikrocode unter Verletzung des Copyrights der Armonker zum Zweck des Splittings großer Maschinen in kleinere Einheiten abgeändert zu haben. Der Mainframer gewann den Prozeß vorerst, muß allerdings seither mit dem Verdikt leben, für die Bereitstellung von Mikrocode unangemessen hohe Summen verlangt zu haben, wodurch Wettbewerb verhindert worden sei. Meint Geoff Sewell: "Im Zusammenhang betrachtet ergibt sich ein Muster aus diesen Politik-Ansätzen IBMs: Gemeinsam dienen sie dem Ziel, den Leasing- und Gebrauchtsektor zu dominieren und mehr Kontrolle über den Markt zu gewinnen."

Die Vorgänge in den USA haben einen negativen Einfluß auf IBMs Image auch hierzulande, glaubt der Verbandsfunktionär. Statt zu verhandeln, ziehe das Unternehmen vor Gericht. Das widerspreche den bisherigen Gepflogenheiten des Umgangs zwischen Eclat und den IBM-Ländergesellschaften beziehungsweise IBM Europe. Natürlich werde man auch weiterhin versuchen, im Gespräch zu bleiben, aber ob das Verhältnis wieder so werden könne wie in den letzten zwei Jahren, ist nach Ansicht des Verbandsdirektors sehr zweifelhaft.