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24.07.1987 - 

Um sich nicht die Möglichkeit des Wechselns zu verbauen:

IBM-Kompatibilität ist für viele Anwender ein wichtiger Faktor

Volle Kompatibilität mit IBM und zusätzlich Connectivity mit DEC - das ist das Ordnungsprofil des PCM-Anwenders Berger Lahr in Lahr. Das Fertigungsunternehmen entschied sich 1982 für Nixdorf als Anbieter kompatibler Systeme. Die Paderborner lösten sich damals selbst ab: Das Nixdorf-System 8870 war endgültig an die Grenzen seiner Leistung gestoßen. Berger Lahr brauchte eine größere Anlage.

Eines steht fest: IBM ist für das mittelständische Unternehmen aus dem

Schwarzwald ein wichtiger Ordnungsfaktor. Und das, obwohl derzeit keine nennenswerte Zahl von Produkten dieses Herstellers im Rechenzentrum oder in den Entwicklungsabteilungen zu finden ist. Die Systemfrage wurde mit einer Nixdorf 8890-C52 beantwortet. Daß diese Entscheidung richtig war, zeigte sich Ende des vergangenen Jahres: Ein weiteres IBM-kompatibles System (Nixdorf 8890, Modell D 18) wurde zur Arbeitsteilung installiert. Dieses unterstützt vor allem die Produktionsplanung, während das erstere, Modell C52, ab Herbst als Fertigungsleitrechner eingesetzt wird.

Berger Lahr setzt als Lieferant von hochpräzisen Kleinmotoren, die beispielsweise in Platten-Laufwerken und Plottern eingesetzt werden, sowie Schrittmotoren, Leistungs- und Steuerungselektronik und seit einem Jahr Handhabungsautomaten in starkem Maß auf eine Vielzahl von Einzelkunden. Man möchte nicht in die Abhängigkeit eines Marktes geraten. Dies aber hat im Gegenzug zur Folge, daß immer wieder Individualanpassungen für kleinere Losgrößen erfolgen müssen. "Wir können es uns nicht leisten, daß eine Woche lang in der Konstruktionsabteilung Zeit vertan wird", konstatiert Josef Ritter, DV/Org.-Chef bei Berger Lahr. Prompte Bedienung bei der Auftragsabwicklung ist ohne effiziente Datenverarbeitung nicht mehr zu erreichen. Das verlangt Ordnung in der unternehmensweiten DV-Welt. Ein durchgängiges DV-Konzept ist zwingend. Inseln müssen entweder integriert werden oder verschwinden.

Ausfälle führen zum Verlust von Marktanteilen

Vor diesem Hintergrund ist ein Architekturwechsel, wie er 1982 bei Berger Lahr anstand, eine besondere Herausforderung. Umstellungsarbeiten verlangen nicht nur sorgfältige Arbeit, sondern auch umfangreiche Schulungen. Ausfälle will sich das Unternehmen nicht leisten, denn das hätte den Verlust von Marktanteilen zur Folge. Zwar verfügt der Hersteller von Kleinmotoren und Steuerungen auf seinem Spezial-Gebiet über erhebliches Know-how, doch sieht sich das 1941 gegründete Unternehmen dem starken Preisdruck aus Billig-Ländern ausgesetzt. Doch nach wie vor kann es sich aufgrund der hohen Qualität der Erzeugnisse gut behaupten. Aufträge aus dem Ausland haben steigende Tendenz. Mit rund einem Drittel schlugen sie im vergangenen Geschäftsbericht zu Buche. Auch der Einkauf erfolgt international.

Die Verwaltung sieht sich also nicht nur einer wachsenden Zahl von Aufträgen gegenüber, die es schnell zu verarbeiten und zu bestätigen gilt. Ebenso gehören Abrechnungen in fremden Währungen zum Tagesgeschäft des Unternehmens, in dem 760 Menschen beschäftigt sind. Daß heute Aufträge innerhalb von zwei Tagen bestätigt werden, sieht Berger Lahr als Wettbewerbsvorteil des Unternehmens, der durch den erheblichen DV-Einsatz gesichert ist.

Ethernet schafft Verbindung zwischen Nixdorf und DEC

Die Partnerschaft mit Nixdorf hat für Ritter zwei Gründe. Daß eine DV-Abteilung sich stets bemüht, Geld einzusparen, ist eine Sache. Und kompatible Anbieter bieten preisgünstiger an. Das ist bekannt. Die Erfahrungen als 8870-Anwender hatten in Lahr zum anderen aber auch deutlich gemacht, daß der Service der Paderborner zufriedenstellt.

"80 bis 90 Prozent meiner Kommunikationsprobleme kann ich mit Ethernet lösen", schätzt Ritter, dessen Hauptaugenmerk in der nächsten Zeit auf die nahtlose Verknüpfung der installierten DV-Anlagen gerichtet ist. Dazu zählen vor allem zwei MicroVAX, die in der Entwicklungsabteilung und der Betriebsmittelkonstruktion stehen . Die Kommunikation erfolgt bereits über Ethernet. Noch existieren keine Schnittstellen zwischen diesen Netzen und der Nixdorf-Welt. Die Neueingabe der Stücklisten stellt eine potentielle Fehlerquelle dar und verzögert obendrein den Wertefluß im Unternehmen. Noch in diesem Jahr soll über Ethernet die Verbindung zwischen DEC und der Nixdorf 8890 geschaffen sein. Wie überall im Unternehmen soll dabei das Session-Protokoll TCP/IP gelten.

Schnelle Auftragsbestätigung stärkt Wettbewerbsfähigkeit

Über IBM-kompatible Personal Computer soll der Fertigungsleitrechner mit den Daten aus dem Werkstattbereich versorgt werden. Ziel ist hier auch die Multifunktionalität. An Ausfallsicherheit haben die Lahrer ebenfalls gedacht: Sollte der Fertigungsleitrechner abgeschaltet werden müssen, ist über die lokale Intelligenz noch immer eine "Notverarbeitung" möglich.

Der Mainframe, im Januar 1987 installiert, übernimmt die Aufgaben des Planungsrechners. Über 3270-kompatible Terminals werden die eingehenden Aufträge erfaßt. Die Auftragsbestätigung. erfolgt heute im Durchschnitt innerhalb von zwei Tagen: Für Berger Lahr ein guter Wert, der die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens stärkt. Das dort eingesetzte Produktionsplanungs- und -steuerungssystem umfaßt die üblichen Komponenten wie Stücklisten-, Arbeitsplanverwaltung und Materialwirtschaft mit "Berger-spezifischen" Anpassungen.

Mikro-Wildwuchs von Anfang an verhindert

Eingesetzt wird das Modell D 18 ferner für die klassische Bearbeitung der Lohn- und Gehaltsabrechnung, Finanz- und Anlagenbuchhaltung sowie der Kostenstellen und Kostenträgerrechnung - ebenfalls zusätzlich erworbene Pakete. Die Software-Lösung für den Einkauf wurde dagegen von der DV-Abteilung bei Berger Lahr selbst entwickelt. Ein Textsystem ist auf dem Host nicht realisiert. "Dafür nutzen wir die PCs, meint Josef Ritter, der damit einerseits die Zugriffe auf den Host reduziert hat, andererseits die Flexibilität und Möglichkeiten solcher Systeme vor Ort nutzt.

85 Terminals und mehrere Arbeitsplatzdrucker setzt das Unternehmen Berger in Lahr ein. Hinzu kommen noch einmal rund 40 Personal Computer.

Kein Mikro darf im Hause angeschafft werden, ohne daß die DV-Abteilung ihre Zustimmung gegeben hat. Nur so ist die Systemintegration auf Dauer gesichert", meint Ritter selbstbewußt. Die Systemgewalt der DV-Abteilung erstreckt sich dabei auf alle Investitionen, die in einem unmittelbaren Zusammenhang zu einem integrierten Informationsfluß stehen, einschließlich der NC-Maschinen in der Fertigung. Geplant ist auch hier, daß Daten aus der Design-Abteilung von den Fertigungsrobotern direkt übernommen werden können.

Ein CIM-Projekt ist damit allerdings noch nicht formuliert. Zur Zeit laufen Untersuchungen über die Informationswege in Büro und Produktion. Daraus entstehen soll ein ausgefeiltes DV/Org.-Konzept. Ein Hauptpunkt dieser Generalplanung besteht indes schon: "Wir bleiben IBM-kompatibel." Im Zusammenhang mit diesem Konzept soll auch ein Vernetzungsplan entstehen. Das 1984 fertiggestellte Hauptgebäude - mit einer Goldmedaille für anspruchsvolle Fabrik-Architektur ausgestattet - bietet natürlich optimale Möglichkeiten zur Vernetzung. Alte Gebäude mit ausgelasteten Kabelschächten stellen dabei oft ein Hindernis dar.

Deutlich wird für Josef Ritter auch schon eine Vier-Ebenen-Struktur, die die unternehmensweite DV-Welt annehmen wird. Auf der obersten Ebene stehen der Planungsrechner und die angeschlossenen Terminals. Darunter ist der Fertigungsleitrechner mit den angeschlossenen PCs angesiedelt. Beide Rechner stehen über Ethernet in Verbindung. Die weiteren Ebenen untergliedern sich in CAD-Anwendungen und den Bürokommunikationsbereich. "Eventuell kommt mit dem Bereich Qualitätssicherung noch eine fünfte Ebene hinzu", blickt Ritter voraus.

Eher zurückhaltend ist der DV/ Org.-Chef in Sachen Unix: "Man muß die Reise des Zuges ganz genau beobachten." Die Entwicklungsabteilung Elektronik bei Berger Lahr nutzt allerdings schon Xenix auf ihrem PC-Netzwerk und Unix auf dem Entwicklungssystem. Die Mitarbeiter kommen ins Schwärmen, wenn sie die Mehrplatzfähigkeiten des Betriebssystems beschreiben. Neuere Entwicklungen beinhalten ein Programmiersystem für Steuerungen, das auf dem PC unter DOS laufen soll. Doch Josef Ritter ist sich im klaren: "Die Entwicklungsabteilungen stellen einen potentiellen Einsatzbereich für Unix-Systeme dar."