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13.09.2002 - 

Warnschuss oder Zwang zur Migration auf z/OS?

IBM lässt OS/390 demnächst auslaufen

MÜNCHEN (ls) - Am 17. Dezember diesen Jahres wird IBM den Verkauf von OS/390 einstellen. Dass es nur noch zwei Jahre lang Support für den Betriebssystem-Evergreen geben soll, beschwört einen Konflikt mit den Anwendern herauf.

Das Ende von OS/390 erfolgt nicht abrupt. Support für das 31-Bit-Betriebssystem wird es nach Angaben des IBM-Direktors Pete McCaffrey noch "mindestens bis September 2004" geben. Die Migration auf das vor rund 18 Monaten vorgestellte 64-Bit-Betriebssystem z/OS erfolgt in Schritten. IBM hat dazu ein "bimodales" Programm vorgestellt. Anwender eines Z-Series-Großrechner können während einer Übergangszeit von sechs Monaten die Fähigkeit von z/OS nutzen, im 31- und im 64-Bit-Modus zu laufen. Bisher hat Big Blue dafür die Einrichtung einer logischen Partition (lpar) oder einer virtuellen Maschine verlangt.

Gleichzeitig gab McCaffrey bekannt, künftig werde es neue Versionen von z/OS nur noch im Jahresturnus geben. Bisher hat IBM alle sechs Monate neue Releases herausgebracht. Der IBM-Manager begründet die Maßnahme damit, dass die Kunden ohnehin nur alle zwölf bis 18 Monate ein Update ihres Betriebssystems vorgenommen hätten. Ganz uneigennützig dürfte die Verlängerung des Release-Zyklus jedoch nicht sein. IBM ist sicherlich auch daran gelegen, die erheblichen Kosten für die Entwicklung und Qualitätssicherung neuer Versionen zu reduzieren.

Anwender völlig überrascht

Christoph Laube, Deutschland-Chef der IBM-Anwendervereinigung Guide Share Europe (GSE), war von der Meldung "völlig überrascht". Es sei zu akzeptieren, wenn IBM den Vertrieb des Betriebssystemklassikers beendet. Er könne auch gut verstehen, dass der Hersteller nicht alle Produkte ewig unterstützen wolle. Aber dass IBM den Support schon in zwei Jahren einstellen werde, "lässt sich bestimmt nicht aufrechterhalten", so Laube.

Die Konsequenzen der IBM-Maßnahme wären für die Anwender der Großrechner einschneidend. Denn ein Umstieg auf z/OS bei gleichzeitiger Migration auf 64-Bit würde die entsprechende, vielerorts nicht vorhandene 64-Bit-Hardware voraussetzen. Die knappe Zeitvorgabe von zwei Jahren würde die IT-Budgetpläne etlicher Kunden über den Haufen werfen. Laube: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass IBM die Kunden zwingen will, neue Hardware zu kaufen." Außerdem verweist Laube auf einen weiteren Kostenaspekt: OS/390 ist kostenfrei, die Lizenz für z/OS aber hat ihren Preis.

Anwendersprecher Laube meint deshalb: "Dies ist ein Versuch von IBM, den Kunden klarzumachen, wie die Zukunft aussieht." Aber er könne sich "überhaupt nicht" vorstellen, dass OS/390 nicht über 2004 hinaus unterstützt wird. Laube interpretiert die Äußerungen von IBM-Manager McCaffrey anders: "Ich denke, das ist ein Warnschuss, damit die Anwender Gedanken über die Zukunft anstellen. Aber diese Pläne wird IBM letztlich zurücknehmen müssen."

Tatsächlich deutet darauf auch eine Aussage von McCaffrey hin: "Wir haben den Kunden die ganze Zeit erklärt, dass wir in diese Richtung gehen werden. Was wir jetzt machen, erinnert sie im Wesentlichen daran, dass die Zeit ausläuft."