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21.08.1992 - 

Technologische Reife allein reicht nicht

IBM läuft langsam Zeit für die OS/2-Vermarktung davon

MÜNCHEN (jm) - Unter technologischen Aspekten hat die IBM mit der Version 2.0 von OS/2 einen Hit gelandet. Trotzdem ist fraglich, ob Big Blue den Entwicklererfolg auch in bare Münze umsetzen kann, ob der Markt das 32-Bit-Betriebssystem mit offenen Armen aufnimmt. Aus jüngsten Untersuchungen zu dieser Frage dringt verhaltene Skepsis durch.

Glaubt man aktuellen Verlautbarungen der IBM, haben Anwender die Qualitäten von OS/2 durchaus erkannt und honoriert: Über eine Million Kopien von Version 2.0 hätten bislang den Weg zum Kunden gefunden, lediglich ein Drittel davon soll aus Upgrades von der 1.3-Basis resultieren.

Auf jeden Fall dürfte Big Blue jetzt interessiert nach Redmond blicken. Im Hauptquartier von Microsoft müßte nämlich mittlerweile fieberhafte Aktivität ausgebrochen sein, wird doch von William H. Gates III die Aussage kolportiert: "Fürjedes Betriebssystem, das mehr als eine Million Exemplare auf den Markt bringt, schreibt Microsoft Anwendungen."

In einer Erhebung des US-amerikanischen Marktforschungs-Institutes Computer Technology Research Corp. (CTR) aus Charleston, South Carolina, äußern die Autoren bezüglich der OS/2-Zukunft allerdings Bedenken. Zwar attestieren die Verfasser der Studie "OS/2 2.0: IBM's Challenge to Windows" (Preis: 160 Dollar), IBMs Multitasking-Betriebssystem sei aufgrund seiner Leistungsmerkmale das erste einer Reihe von Basisprodukten, das für die nächste Generation der DV von Relevanz sein werde.

Die große Frage nach Meinung der CTR-Analysten ist jedoch, ob sich OS/2 als Server-Betriebssystem auf dem Markt gegen andere Produkte durchsetzen kann. Im Desktop-Segment sei der Zug ohnehin bereits Richtung DOS und Windows abgefahren, außerdem werde sich IBMs jüngster Sproß in Zukunft mit der zu erwartenden starken Konkurrenz nicht nur von Windows NT herumzuschlagen haben.

Dessen Vorläufer, Windows in den Versionen 3.0 und 3.1, haben in bezug auf die Stückzahl verkaufter Kopien mittlerweile bereits längst die kritische Masse erreicht, die für den Erfolg im Client-Bereich vonnöten sei. Angesichts dieser DOS-Windows-Dominanz frage sich der Anwender nach Meinung der Marktforscher aus Charleston auch, ob ihm die Hinwendung zu OS/2 nicht lediglich unwillkommene Komplikationen für seine DV-Umgebung beschere.

Die International Data Corp., ebenfalls ein Marktforschungsunternehmen aus den USA, frankiert diese Meinung durch die Einschätzung, der Desktop-Markt ließe kaum noch Raum für Expansionen und Veränderungen. Hier habe Windows der Betriebssystem-Eigenentwicklung von Big Blue längst den Rang abgelaufen.

Allerdings glaubt IDC, daß im Server-Segment für OS/2 noch einiges zu holen ist. Voraussetzung sei allerdings, daß die IBM sich eine geeignete Vertriebsstrategie überlege - und auch in die Tat umsetze -, die sowohl die eigenen PC-Produkte als auch die von OEMs miteinbeziehe.

Meldungen aus den USA besagen, daß die IBM plant, alle PS/2-Systeme mit OS/2 auszuliefern. Bislang Überspielen die Armonker nur auf die Modelle 56 und 57 das Multitasking-System.

Cannavino schob im übrigen Spekulationen einer hausintern engeren Bindung von OS/2 und PC-Systemen vorerst einen Riegel vor: Es sei im Zuge der Umstrtikturierung bei der IBM nicht daran gedacht, Betriebssystem-Entwickler und PC-Leute unter das Dach eines gemeinsamen Spin-offs zu stecken.