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01.02.1991 - 

Beobachter werten Klage als Streben nach Marktkontrolle

IBM-Leasingtochter geht wegen Subleasing gegen Comdisco vor

MÜNCHEN (CW/IDG) - Mit gerichtlichen Mitteln versucht jetzt die IBM Credit Corp. (ICC), auf die Konkurrenzsituation am Leasingmarkt Einfluß zu nehmen: Sie zitiert den größten herstellerunabhängigen Anbieter Comdisco Inc. wegen illegalen Veräußerns von IBM-eigenem Equipment vor den Kadi.

"Aneignung fremden Eigentums", so die ICC, sei Comdiscos Praxis, Rechner aus IBMs Portfolio systematisch auseinanderzubauen und die Teile weiterzuverkaufen oder zu verleasen. Laut Comdisco trifft diese Beschreibung ihrer Aktivitäten nicht zu. Eine Abschrift der Klage habe man allerdings noch nicht erhalten. Die Vorwürfe über illegale Praktiken im Gebrauchtcomputer-Markt seien aber auf jeden Fall unfair und irreführend; Comdisco werde in aller Schärfe dagegen vorgehen. Kenneth Pontikes, CEO und Präsident des ICC-Konkurrenten, bezeichnete den Schritt von Big Blue als "Versuch, Angst, Unsicherheit und Zweifel gegen IBMs härtesten Wettbewerber im Markt zu säen".

Im Kern geht es um die Frage, ob IBM-Leasingkunden am Ende ihrer Vertragslaufzeiten exakt denselben Rechner oder aber lediglich die gleiche Konfiguration zurückgeben müssen, die unter Umständen inzwischen getauschte Teile aufweist. Hardware-Veränderungen während eines Leasingvertrages - vorgenommen vom Leasingnehmer selbst oder von unabhängigen Leasern und Händlern wie Comdisco - können etwa Upgrades sein oder der Ersatz von Teilen aus dritten Quellen sowie die Weitergabe an Dritte auf Leasingbasis, das sogenannte "Subleasing", wie Frank Gens, Vice President von Technology Investment Strategies Corp., erläutert.

Sollten IBM-Kunden tatsächlich verpflichtet werden, jede Leasing-Maschine mit ein und denselben Teilen an Mother Blue zurückzugeben, wäre das eine nahezu unlösbare Aufgabe: Ist beispielsweise eine Speichererweiterung erst auf den Gebrauchtmarkt gekommen, führt ihr Weg während der Leasingzeit des ursprünglichen Rechners unter Umständen über mehrere Installationen und ist kaum noch nachzuvollziehen. Mit demselben Argument bekräftigte eine IBM-Sprecherin den Anspruch ihrer Gesellschaft: Die Rücknahme fremder, wenn auch funktionsgleicher Teile sei für IBM nicht akzeptabel; denn dann "... haben wir weder eine Ahnung, wo die Einzelteile in der Zwischenzeit gewesen sind, noch, ob wir überhaupt einen eindeutigen Besitzanspruch auf sie haben".

Schon vor zwei Jahren habe man Comdisco illegaler Praktiken verdächtigt, so die Sprecherin. Solche Fälle seien gehäuft aufgetreten, nachdem IBM die Subleasing-Konditionen für ihre Kunden liberalisiert habe. IBM-Leasingnehmer können seitdem nicht nur komplette Maschinen, sondern auch Einzelteile weitergeben - wofür sich IBM allerdings in jedem Fall die Zustimmung vorbehält und in jedem Fall am Vertragsende die Rückgabe der Originalteile verlangt.

"Dieses ist offenbar ein weiterer Versuch von IBM, Marktkontrolle zu gewinnen", stellt Analyst Shao Wang von Smith Barney, Harris Upham & Co. fest. "Selbst wenn IBMs Anschuldigungen korrekt sind", meint Patrick Burton von Piper Jaffray & Hopwood in Minneapolis, "wären durchaus Antitrust-Maßnahmen vorstellbar." Kenneth Bouldin, Präsident der Computer Dealers & Lessors Association (CDLA), sieht nicht nur die Interessen der Mitglieder seines Verbandes, sondern auch die Freiheit der Anwender gefährdet. Das Vorhaben der IBM sei eine unangemessene Einschränkung, welche die ICC-Leasingnehmer bestrafe.

Europäische herstellerfreie Leasinganbieter, in ihren Beziehungen zur IBM in letzter Zeit weniger leidgeprüft als die US-Kollegen, sind "enttäuscht", daß die IBM-Tochter Zuflucht zu juristischen Maßnahmen nehme, so Geoff Sewell, Generaldirektor der European Computer Leasing & Trading Association (ECLAT). Man pflege seit drei Jahren einen "offenen Dialog" mit dem IBM-Management und sei so lange ohne die Gerichte ausgekommen. Dieser letzte Schritt von ICC hingegen lasse wenig Zweifel an IBMs nach wie vor aggressiver Haltung gegenüber den Unabhängigen.

Die zugrundeliegende Absicht sei offenbar, "Endbenutzer davon abzuhalten, Upgrades von irgendjemand anderem als von IBM zu beziehen", so Sewell weiter. Er empfahl den IBM-Leasingnehmern, einschlägige Vertragsklauseln genau unter die Lupe zu nehmen und auf ihrer Wahlfreiheit bei jeder Art von Hardware-Aufrüstung zu bestehen. Die ECLAT will sich mit dem Thema auf ihrer Europakonferenz Anfang Februar in Brüssel befassen.