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24.08.1984

IBM: Lieber Microsoft als Unix-Hardware

Nichts ist erfolgreicher als der Erfolg. Schon deshalb ist unschwer vorauszusehen, daß die IBM ihren jetzt für den US-Vertrieb freigegebenen Arbeitsplatzcomputer "PC AT" (Seite 1) bald in ansehnlichen Stückzahlen bei Großunternehmen plazieren wird.

Mit feinem Sinn für Show hat der Mainframe-Marktführer sein neues PC-Flaggschiff an dem dreijährigen Geburtstag des PC-Erstlings angekündigt. Man lese und staune: IBMs "persönlicher" Computer hat auch schon 36 Monate auf dem Buckel. Klar, daß sich die IBM seit längerem Gedanken über die nächste PC-Generation machte. Im Juli dieses Jahres bekam die Branche Wind, daß eine großangelegte PC-Announcement-Aktion starten sollte.

Voilá, die AT-Premiere in Amerika brachte keine Überraschungen; es sei denn, man wertete die Tatsache, daß die Maschine mit PC-DOS und Xenix (!) läuft - und nicht mit Unix -, als Knüller. Warum aber sollte ausgerechnet IBM etwas übrighaben für Unix, dessen Version V bekanntlich von AT&T gepuscht wird. Der Einwand, auch Xenix von Microsoft sei ein Unix-Ableger, greift nicht. Dieses Betriebssystem geht, was die Berücksichtigung kommerzieller Anwendungsumgebungen betrifft, weit über das Ursprungssystem hinaus. Die Realität: "Rückwärtskompatibilität" zu Unix ist nicht mehr gegeben.

Es wäre indes eine Fehleinschätzung der Marktlage, die AT-Ankündigung an dem Punkt "Warum nicht Unix?" aufzuhängen. Das ist nicht das hauptsächliche Thema. Xenix gibt´s lediglich als Zuckerl. Worüber also könnten sich die IBM-Konkurrenten aufregen? Nun, da wäre zunächst der sehr leistungsstarke Prozessor 80286 von Intel, über den IBM-Kompatible wie Compaq, Olivetti oder AT&T noch nicht verfügen. Es wird wohl eine Weile dauern, bis insbesondere Mehrplatz-Wettbewerber, etwa Fortune, Altos oder Corvus, die neue IBM-Mikro-Architektur nachgebosselt haben.

Bliebe weiter festzuhalten, daß der AT mit einem Grundpreis von unter 4000 Dollar als Preisbrecher daherkommt. Anzunehmen ist, daß nunmehr das Preisgefüge im PC-Markt auf breiter Front ins Rutschen gerät. Davon wären allerdings auch die bisherigen IBM-PC-Modelle betroffen, allen voran der "normale" PC, aber auch die XT-Version. Man muß sich darüber im klaren sein, daß sie nunmehr - im wahrsten Sinne des Wortes - zum "alten Eisen" gehören.

Ist die "Operation 80286" geglückt, so scheint das Network-Arrangement beim AT ein Provisorium darzustellen. Was soll man beispielsweise davon halten, daß die Teilnehmerzahl im interaktiven Multiuser-Betrieb auf drei begrenzt wurde? Das reißt LAN-Piloten nicht von den Sitzen. Da bekannt ist, daß Big Blue an einer Token-ring-Lösung bastelt, fördert die AT-Ankündigung eher die LAN-Scheu der Anwender, bestärkt sie in ihrer Abwartehaltung.

Zu dem Eindruck, das Workstation-Konzept der IBM sei noch nicht ausgegoren, trägt auch bei, daß von Anwendungssoftware in der AT-Pressemitteilung nicht die Rede ist. Die IBM setzt offenkundig auf technische Kaufmotive. Es besteht in der Tat die Gefahr, daß DV-unerfahrene Fachbereichsbenutzer in eine Hardware-Euphorie verfallen. Die Verantwortlichen in der DV-Abteilung sollten deshalb intensiv über wirtschaftlich sinnvolle Einsatzmöglichkeiten der neuen Arbeitsplatzcomputer nachdenken. Eine Kommunikations-Infrastruktur, die allen Benutzerwünschen Rechnung trägt, muß erst noch geschaffen werden.