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17.12.1999 - 

Portierung von Linux auf S/390?

IBM macht sich Gedanken über die künftige Unix-Strategie

MÜNCHEN (CW) - IBM denkt über die künftige Betriebssystem-Strategie für seine Mainframes der S/390-Familie nach. Dabei gilt neben der Weiterentwicklung von OS/390 offenbar Linux als ein aussichtsreicher Kandidat, sofern es seine Tauglichkeit für geschäftskritische Anwendungen beweist. Eine Entscheidung könnte in den kommenden 18 Monaten fallen.

Unix auf dem Mainframe ist bei der IBM eigentlich nicht neu - zumindest als Subsystem von MVS. Das aktuelle Betriebssystem OS/390 ist in vieler Hinsicht bereits ein Unix-Derivat. Es hat das offizielle "PPG-95"-Siegel (Posix- Kompatibilität) und kann damit neben nativen Anwendungen auch bestimmte Unix-Applikationen verarbeiten. Doch laut Doug Nielson, Berater für High-end-Systeme bei Big Blue in Großbritannien, muß das Unternehmen jetzt klarere Entscheidungen über die Zukunft von Unix auf dem Mainframe treffen. Hierbei sei eine native Implementierung von Linux eine von drei Optionen, die man derzeit in Erwägung ziehe, erklärte Nielson gegenüber dem Brancheninformationsdienst "Computergram".

Die naheliegendste Möglichkeit ist die Weiterentwicklung der Unix System Services ("Unix Personality") von OS/390 in Richtung des bereits von der XPG (Expertengruppe der Open Group) verabschiedeten "Unix-98"-Standards. Aktuell ist das Betriebssystem auf dem Stand von "Unix 95".

OS/390 könnte Unix-98-Standard werden

Neu in Unix 98 sind eine Reihe wichtiger Techniken wie Java Virtual Machine, HTML, Domain Name Service und andere, Echtzeitfunktionen, die grafische Benutzer-Schnittstelle CDE (Common Desktop Environment), vierstellige Jahreszahlen sowie die Unterstützung von Very Large Databases. In einem weiteren Schritt könnte IBM OS/390 mit den gleichen Programmier-Schnittstellen versehen wie "Monterey", das derzeit gemeinsam mit der Santa Cruz Operation (SCO) und Sequent auf Basis von AIX und SCO Unixware entwickelte "Universal-Unix" für Power-PC- und Intel-Prozessoren. Der mögliche dritte Weg wäre schließlich Linux - auch wenn Nielson gleich einschränkt, daß das quelloffene Betriebssystem zum jetzigen Zeitpunkt "noch nicht für geschäftskritische Anwendungen taugt" und daher nicht so schnell auf S/390-Servern debütieren werde.

Wenn Linux allerdings die entsprechenden "höheren Weihen" erlangen sollte, dann sei es im Unix-Bereich wahrscheinlich die erste Wahl, so Nielson. Dabei favorisiere IBM einen nativen Port auf die Hardware, wie ihn Amdahl bereits für seine PCM-Server (Plug-compatible Manufacturer = S/390-Clones) realisiert habe. Denkbar sei aber auch der Betrieb von Linux als "Gast-Betriebssystem" unter der Obhut eines "VM-Beobachters" (VM = Virtual Machine).