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16.03.1984 - 

Ankündigung neuer Bandlaufwerke des Marktführers steht kurz bevor:

IBM-Mainframe-User drängen auf 3420-Ersatz

16.03.1984

STUTTGART - Zunehmend härter kritisieren IBM-Großrechnerbenutzer die Leistungsfähigkeit der technologisch antiquierten 3420-Magnetbandeinheiten des Marktführers. Die vor mehr als zehn Jahren angekündigten Peripherie-Oldtimer paßten nicht mehr in die heutige Mainframe-Landschaft, so die vorherrschende Expertenmeinung, da ihre Performance vor allem nicht mit den neuen 3380-Dünnfilmplattensystemen Schritt halten könne. US-Marktbeobachter wollen wissen, daß IBM nach einer Vielzahl von Annoucementgerüchten die Ankündigung eines 3420-Nachfolgers nunmehr innerhalb der nächsten Wochen in Angriff nehme.

Spekulationen um die Ankündigung neuer Bandlaufwerke halten sich konstant seit annähernd drei Jahren. Die Notwendigkeit einer leistungsfähigen Magnetbandeinheit ist jedoch inzwischen durch den verstärkten Einsatz technologisch hochwertiger Dünnfilmplattensysteme mit Übertragungsgeschwindigkeiten von 3000 Bit pro Sekunde dringender denn je. Bei Transaktionsraten von nur 1250 Kilobit pro Sekunde hinken die derzeit angebotenen 3420-Stationen den 3380-Speichern hinterher und machen Datensicherungsmaßnahmen zu einem schwierigen Unterfangen. Verdeutlicht Hans-Jürgen Steier, DV-Manager bei der Nürnberger Lebensversicherung AG: "Das langsamste Gerät in der Kette bestimmt die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung - und das sind heute eindeutig die Bandlaufwerke."

Neben einer niedrigen Übertragungsrate kranke das System 3420 aber auch an einem Mangel an Speicherplatz, sagt Don Collier, Geschäftsführer der US-Beratungsgesellschaft Freeman Associates aus dem kalifornischen Santa Barbara, die jetzt eine Untersuchung über den Markt für Speicherperipherie vorlegte. Bei den Nachteilen, die das veraltete IBM-Gerät enthalte, entsteht nach Ansicht Colliers ein geradezu eklatant schlechtes Preis/Leistungs-Verhältnis. In der Tat beklagen sich 3420-Anwender zunehmend über hohe Betriebskosten ihrer häufig schon steuerlich abgeschriebenen Magnetbandeinheiten. Ist ein Benutzer gezwungen, sich ein neues System anzuschaffen, muß er immerhin noch mehr als 50 000 Mark (Modell 8) bezahlen.

"Die derzeit gängigen Magnetbandeinheiten sind technologisch gesehen olle Kamellen, die sich von modernen Tonbandgeräten kaum noch unterscheiden", urteilt Klaus Lechleitner, Hardwareplanner beim Süd-West Rechenzentrum in Stuttgart. Dabei macht der DV-Manager keinen Unterschied zwischen den Systemen des Marktführers oder deren PCM-Konkurrenten. Da die Schwaben in zeitkritischen Anwendungen neben den beiden Großen Stuttgarter Tageszeitungen noch etwa fünfzig weitere Publikationen betreuen, moniert Lechleitner insbesondere die niedrigen Übertragungsraten seiner Bandlaufwerke. Um Datensicherung zu betreiben, nutzen die "Süd-Westler" wie die meisten anderen Unternehmen die Nachtzeit Weil sie jedoch auch die Zeitungsproduktion DV-mäßig abwickeln müßten, blieben nur wenige Stunden für Back-up-Maßnahmen übrig. Lechleitner: "Da kommt man dann schon mal in Bedrängnis."

Ankündigung in Hannover

Eine präzise Schilderung der Handling-Probleme bei 3420-Laufwerken liefert die Analyse von Freeman Associates. Eine 3380-Platteneinheit, die ohne Unterbrechung Daten übertrage, könne ein 2400 Fuß (etwa 727 Meter) langes Magnetband in 144 Sekunden füllen. Normalerweise übliche Unterbrechungen erhöhter. die Zeitspanne erfahrungsgemäß auf fünf bis zehn Minuten. Sei ein Band beschrieben, benötige ein Operator minimal 30 Sekunden, um es gegen ein neues auszuwechseln. Diese Tätigkeit müsse innerhalb einer "guten" Stunde mindestens 14mal wiederholt werden, um eine 3,2-Gigabyte-Platte auf Magnetband zu kopieren.

Extrem könnte sich nach Ansicht von Peripherie-Experten der Leistungsunterschied zwischen Band- und Plattenlaufwerken erweisen, wenn IBM demnächst die erwartete Double-Density-Variante ihrer 3380-Systeme auf den Markt bringe, die über die nahezu zweifache Leistung des Vorgängermodells verfügen soll. Während die amerikanische Gartner-Gruppe ein Announcement der neuen Platteneinheiten bis spätestens Mitte des Jahres erwartet, rechnen IBM-Beobachter aus der bundesdeutschen PCM-Szene bereits mit einer Ankündigung zur bevorstehenden Hannover-Messe. Zum gleichen Zeitpunkt könnte auch die Vorstellung neuer Bandlaufwerke erfolgen, spekulieren US-Marktanalysten. Neugierige Großkunden hätten die 3420-Nachfolger bereits vorgeführt bekommen. Zudem seien die Leistungsdaten des neuen Speichersystems an einige ausgewählte Großrechnerbenutzer weitergereicht worden.

Im Besitz solcher Unterlagen befindet sich offensichtlich auch die Gartner Group: Wie die Marktforschungsgesellschaft mitteilt, arbeite das neue Magnetbandgerät (Codename "Del Oro" zu deutsch: Gold) im Streaming-Mode und sei mit Dünnfilmköpfen und 18 Spuren ausgerüstet. Die Aufzeichnungsdichte betrage 20 000 Bit per Inch, die Übertragungsgeschwindigkeit liege - vergleichbar mit den heutigen 3380-Platteneinheiten - bei 3000 Kilobit pro Sekunde. Wie Gartner weiterhin ausführt, sollen die 3420-Nachfolger nicht mit den herkömmlichen Spule-zu-Spule-Bändern, sondern mit Kassetten ("Cartridge") betrieben werden, die ein etwa 600 Fuß langes Chromdioxydband enthalten.

Ungelöst scheint indes ein zentrales Benutzerproblem. So wird beim Einsatz der heutigen Bandspeichertechnologie noch immer die Zentraleinheit beansprucht, was für den User durch den erhöhten Hauptspeicherbedarf mit Mehrkosten verbunden ist. Peripherie-Spezialisten sind überzeugt, daß mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten ein Handling der Bandeinheiten ohne weiteres auch über einen intelligenten Controller möglich sei.

Da sich die erwarteten "Del-Oro"-Systeme dem Vernehmen nach durch eine unterschiedliche Transferrate und den Cartridge-Einsatz als inkompatibel zu ihren Vorgängern erweisen sollen, rechnen vor allem Unternehmen mit großen Bandarchiven schon heute mit neuen Schwierigkeiten. DV-Verantwortliche die die neuen Laufwerke einsetzen wollen, sind nach Aussagen von Freeman Associates gezwungen, entweder ein zweiten Archiv zu betreiben oder die alten Bänder auf die Kassetten zu übertragen.