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01.11.1985 - 

Hardware-Round-up '85:

IBM-Mainframes und die Kompatiblen

Im Februar dieses Jahres war es endlich soweit: Big Blue kündigte die lang erwartete Sierra an. Doch: Je größer die Erwartung war, die an diese neue Rechnerfamilie gestellt wurde, um so größer war die Enttäuschung nach dem Announcement. Die neue 3090-200 brachte nicht mehr Leistung als das bis zu diesem Zeitpunkt an der Spitze der blauen Mainframe-Palette stehende Modell 3084-QX. Einige Insider vertraten die Meinung, daß die Sierra-Ankündigung nicht mehr als ein Marketing-Trick der IBM sei. Originalzitat: "IBM ist die beste Marketing-Firma, die es gibt. Die wollen doch nicht, daß durch eine Supermaschine das ganze 308X-Equipment in ihren Büchern storniert wird einer "Gegenankündigung" wegen des Sierra-Announcements durchringen. Die ersten PCMs, die sich auf das 3090-Feld vorwagten, hießen - ein Vierteljahr nach der Sierra - BASF und NAS. Beide Anbieter konterten mit identischen Hitachi-Maschinen, die bei der BASF 7/90-2 und 7/90-4, bei NAS AS/XL-60 und -80 heißen. Die Maschinen sollten nach den damaligen Plänen der Anbieter ein Jahr früher auf dem Markt erscheinen als das neue IBM-Topmodell 3090-400, das ja erst die von den Anwendern gewünschte Leistungsfähigkeit besitzen soll. Tatsächlich scheint die kleine 3090 nicht mehr als eine Art Vormodell der echten Sierra zu sein. Ähnliches ist dem Markt ja noch vom Start der 3081 -Familie her bekannt. Seinerzeit entpuppte sich die 3081D ebenfalls nur als Vorläufer. Erst die 3081K brachte den Performance-Gewinn, den man eigentlich bereits von der D erwartet hatte.

Einen Dämpfer erhielten die IBM-Konkurrenten in der fünften Benutzerumfrage von Datapro und der COMPUTERWOCHE, deren Ergebnisse im April veröffentlicht wurden. Die Kompatiblen schnitten bis auf die 7.800-Serie von Fujitsu/Siemens schlechter ab als die entsprechenden Originale von IBM.

Weitere Unruhe brachte Computer-Pionier Gene Amdahl in den Markt, als er in einem Interview mit einem amerikanischen Fachmagazin die provozierende Frage stellte: "Wer kann schon mit Sicherheit sagen, daß IBM an MVS festhält?" Weiter bezeichnete Amdahl den Armonker Computergiganten als die "größte Bedrohung" der amerikanischen DV-Industrie, größer noch als die Japaner.

Big Blue allerdings hatte größere Sorgen, als sich mit den Anwürfen eines Ex-Mitarbeiters und Ex-Konkurrenten zu befassen: Die Umsätze und Gewinne entsprachen nicht den Soll-Vorgaben. Mit der Sierra sollte das besser werden. Um das Bilanz-Bild

des laufenden Geschäftsjahres zu schönen, zog Big Blue eine Reihe von Aufträgen, die erst Anfang 1986 ausgeführt werden sollten, in 1985 vor.

Bis sich endlich ein weiterer PCM zu einem Anti-Sierra-Announcement durchringen konnte, mußte es erst Oktober werden. Amdahl kündigte drei 5890-Modelle an, die alle ein mindestens 15 Prozent besseres Preis/Leistungs-Verhältnis als IBMs Gegenstücke haben sollen. Mit dem Modell 600 dieser Serie setzte sich Amdahl an die Spitze der Leistungsfähigkeit von Rechnern für den kommerziellen Einsatz. Immerhin soll das jetzige Amdahl-Topmodell rund 70 Mips in die Waagschale werfen, wenn es einmal im zweiten Halbjahr 1987 ausgeliefert wird.

Am Rande des PCM-Geschehens machte Nixdorf einen bemerkenswerten Deal: Mit der BASF schlossen die Paderborner einen Vertrag über die Lieferung von Hitachi-Maschinen. Der Gesamtumfang beläuft sich dabei auf rund 600 Maschinen. Bemerkenswert ist die Übereinkunft allein deswegen, weil sich im Markt hartnäckig Gerüchte halten, die BASF wolle aus dem PCM-Markt aussteigen. Dies bestreitet die DV-Abteilung des Chemie-Riesen allerdings heftig.

Mit den bislang von dem israelischen Computerbauer Elbit gelieferten 8890-Modellen waren die Nixdorf-Anwender am Ende der Skala angekommen. Der Hitachi/BASF-Deal soll hier frischen Wind in die verstaubte Paderborner Produktpalette bringen.

Jetzt fehlt noch Siemens im Kreise der PCMs mit einem Anti-Sierra-Announcement. Zwar steht im Münchner Stadtteil Perlach bereits die entsprechende Maschine im Test, doch zu einer Ankündigung reicht es der Siemens-Crew noch nicht. Statement aus Perlach, selbst nach der Amdahl-Attacke: "Wir haben Zeit."

Nicht mehr viel.