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28.05.1993

IBM-Manager Cannavino kontert mit OS/2-Praesentation Comdex: Bill Gates verspricht die baldige Freigabe von Windows NT

ATLANTA (gfh) - Microsoft-Chef Bill Gates ist es gelungen, die diesjaehrige Fruehjahrs-Comdex zu einer Windows-Show umzuformen. Im groessten Saal des World Congress Centers verkuendete er, Windows NT werde binnen der naechsten zwei Monate freigegeben. IBM versuchte zwar die Praesentation von OS/2 in der neuen Version 2.1 als Gegenveranstaltung hochzuspielen, sie stiess dabei allerdings

auf deutlich weniger Besucherinteresse.

Die Messeveranstalter von der Interface Group liessen an den neuen Machtverhaeltnissen im PC-Geschaeft keinen Zweifel aufkommen. Sie teilten Veranstaltungen, Staende und Katalog in zwei gleich grosse Teile auf. Mit lila Teppichboden war der Bereich gekennzeichnet, in dem sich Microsofts Reich der "Windows-World" befand. Auf rotem Teppich tummelte sich der Rest der Industrie - 600 von insgesamt 1000 Ausstellern.

Keynote-Speaker der Windows-Welt war - wie nicht anders zu erwarten - Bill Gates. In der als Personality-Show zelebrierten Veranstaltung bemuehte sich der Microsoft-Boss, die abermalige Verspaetung von Windows NT vergessen zu machen, indem er sich bei den Konkurrenten Sun und IBM bedankten: Sie haetten mit ihren Aktionen die Marketing-Bemuehungen seiner Firma unterstuetzt. Er erinnerte an Scott McNealys Aufloesung des NT-Kuerzels: "Windows Not There".

Froehliche Show fuer

neue OS/2-Version

Anhand von Videos, auf denen sich etwa CA-Chef Charles Wang positiv aeusserte, bemuehte sich Gates, die Marktbedeutung von NT herauszustellen. Auch Novell-CEO Ray Noorda, gegen dessen Unix- und Netware-Produkte Windows-NT positioniert ist, wuerdigte das Microsoft-Betriebssystem als einen ernsthaften Konkurrenten. Unerwaehnt liess Gates die in IBM-Kreisen uebliche NT-Deutung "Nice Try".

Den grossen Zulauf zu seiner Veranstaltung verdankte der Microsoft-Chef nicht nur den

Qualitaeten seines neuen Betriebssystems, sondern auch der Tatsache, dass sein Unternehmen die einzige Ankuendigung von Bedeutung machen konnte - auch wenn dabei keine neuen Informationen ans Licht kamen. Ansonsten ragten aus der Vielzahl der kleinen Multimedia-Novitaeten und PC-Tools lediglich die Ankuendigung der Alpha-Produkte von Digital Equipment und die Vorstellung von OS/2, Version 2.1, heraus.

IBM-Manager James Cannavino meisterte mit der Praesentation eine schwierige Aufgabe. Mit lockeren Spruechen und rotem Poloshirt versuchte er, sich von der Nadelstreifen-IBM zu distanzieren.

Cannavino brillierte in bester IBM-Tradition mit dem Entwurf einer unternehmensweiten DV mit verteilten objektorientierten Techniken und Multimedia-Anwendungen.

Die Vision scheint bestechend. Als einheitliche Plattform vom PC bis zum Superrechner soll der hauseigene Power-Chip dienen. Objektorientierte Techniken - ein entsprechendes Entwickler- Toolkit versprach Cannavino fuer Juli dieses Jahres - sollen fuer wiederverwendbare Programme und vor allem fuer die Entstehung verteilter Anwendungen sorgen.

Diese Verteilung sei wiederum die Voraussetzung fuer ebenfalls objektorientierte Kommunikationstechniken, wie sie derzeit in der Object Management Group entwickelt wuerden. Die Client-Server- Architekturen koennten hier als ein erster Schritt gelten. Als Front-end-Systeme einer solchen DV-Umgebung sieht Cannavino das bisher wenig erfolgreiche OS/2-Betriebssystem, das allerdings in Kuerze nur noch als eine Betriebssystem-Personality neben Macintosh, Windows, DOS und Unix auf einem Microkernel laufen soll.