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06.11.1987 - 

Unix-Hersteller geben sich optimistisch, denn:

IBM muß mit SAA erst noch Farbe bekennen

Portable Software ist für die Anwender der Schlüssel zum Erfolg, wenn sie sich aus einer engen Herstellerbindung lösen wollen. Tragende Kraft dieses Ansatzes Ist schon seit geraumer Zeit das Betriebssystem Unix. Mit ihrer Systems Application Architecture (SAA) startete die IBM jetzt eine Art Gegeninitiative.

Auch in der kommerziellen Datenverarbeitung setzen immer mehr Anwender auf Unix. Bei Behörden- und Regierungsaufträgen gehört dieses Betriebssystem heute zu den Grundbedingungen der meisten Ausschreibungen. Aber auch die Industriebetriebe und Banken schwenken zunehmend auf diese Schiene ein. Die Normungsgremien in den USA und Europa nehmen sich des Themas "Unix" an und feilen an dem bereits vorhandenen Standard weiter.

Neuer Treueeid auf die "blaue Linie" möglich

Eine Gefahr für die auf diesem Weg bereits erzielten Erfolge sehen manche Branchenkenner allerdings im SAA-Konzept der IBM: Die User, so heißt es, könnten sich durch die Versprechungen des DV-Riesen aus dem Unix-Lager weglocken lassen und erneut den Treueeid auf die "blaue Linie" ablegen. Warnt Helmut Ludwigs, Geschäftsführer der Quantum Gesellschaft für Software mbH, Dortmund: "IBM verspricht mit SAA Unabhängigkeit. Mit Unix hat man sie bereits heute. Und das auch auf IBM-Anlagen, wenn man die Leute von Big Blue richtig fragt."

Ob die User sich in der Tat gegen Unix und pro IBM entscheiden werden, ist nach Ansicht von Klaus Gewald, Direktor des Bereichs Datentechnik bei der Münchner Siemens AG, schwer zu sagen: "Wie stark die Argumentation von Big Blue zieht, hängt davon ab, was IBM in den nächsten drei Jahren wirklich bringt. Entscheidend ist auch, welche Erfahrungen die Kundschaft mit dem Gezeigten macht. Jede schöne Sache, also auch Portabilität, hat ihren Preis. Und das ist bisher immer Performance gewesen. Mit SAA hat sich IBM ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt. Vom technischen Standpunkt her halte ich es doch für fragwürdig, ob das gutgeht."

Keine Sorgen, daß die Anwender mit fliegenden Fahnen zu IBM überlaufen könnten, macht sich Wolfgang Raum, Leiter Geschäftsbereich Fehlertolerante Informationssysteme bei der Nixdorf AG, Paderborn: IBM betrachte im Rahmen von SAA nur ganz bestimmte Systemkomponenten, nämlich die Sprachen, die Kommunikation, die Schnittstellen zur Datenbank und das Benutzer-Interface.

Im Gegensatz zum Konzept der Unix-Herstellervereinigung X/Open, der AT&T, Bull, Digital Equipment, Ericsson, Hewlett-Packard, ICL, Nixdorf, Olivetti, Philips, Siemens und Unisys angehören, werde bei der Systems Application Architecture das Betriebssystem nicht berücksichtigt. "Das muß IBM auch ignorieren", konstatiert Raum, weil es sich um eine heterogene Maschinenlandschaft handelt, die vom PC über die mittleren Computersysteme bis hin zum Mainframe reicht. Ein PC verhält sich dem Benutzer gegenüber natürlich völlig anders als ein Großrechner; und dieses Verhalten der Anlage wird sehr stark durch das Betriebssystem geprägt."

IBMs Einfluß auf Posix nicht gravierend

An Unix hat IBM traditionell wenig Interesse gezeigt. so ist das Unternehmens-eigene Derivat AIX zumindest vorläufig kein Bestandteil von SAA. Letztes Jahr jedoch erschienen die Armonker in der Liste der Hersteller, die sich an der Posix-Initiative des US-Normnungsgremiums IEEE beteiligen. Auch die Mitglieder der X/Open Company gehören diesem Arbeitskreis an. Befürchtungen, daß die IBM nun auch in diesem Umfeld die Macht an sich reißen könnte, haben die Unix-Verfechter allerdings nicht. Dazu Klaus Gewald: "IBM wird schon versuchen Einfluß zu nehmen; aber ich glaube nicht, daß er gravierend sein wird."

Regierungsauftrag bringt Big Blue in die Klemme

Auch Helmut Ludwigs wirkt ab: "So, wie ich das Posix-Gremium erlebt habe, ist die Beteiligung von IBM dort nicht übermächtig." Noch drastischer formuliert es Wolfgang Raum: "IBM wird bei Unix im Grunde nur mitmachen können und nicht bestimmen; denn in diesem Bereich sind die Aktivitäten schon sehr weit fortgeschritten. So stehen beispielsweise die Statuten von X/Open fest. Und wenn Big Blue mitmachen will, dann geht das nur zu diesen Konditionen."

Für den Paderborner ist der eigentlich interessante Punkt, daß sich IBM überhaupt an Posix beteiligt. Die Marktanforderungen, so meint er, seien heute bereits großenteils auf Unix ausgerichtet. Da beispielsweise Regierungsaufträge meist Unix als Voraussetzung verlangten, gerate Big Blue sehr stark unter Druck, ein klares Bekenntnis zur Standardisierung abzulegen. "Machen sie das nicht", so Raum, "bedienen sie den Markt nicht mehr. Also muß sich IBM den Unix-Aktivitäten mehr und mehr öffnen."

Zahlreichen Benutzern, die prinzipiell den Weg in die Herstellerunabhängigkeit wählen möchten, sind heute durch hohe Hard- und Software-Investitionen die Hände gebunden. Auch ist eine Umstellung vom technischen Aspekt her nicht einfach zu realisieren, denn Migrations-Konvertierungs- und Umstiegshilfe sind dünn gesät. So konzdiert denn auch Klaus Gewald, daß sich X/Open bislang kaum um dieses Thema gekümmert habe - bis auf die Aussage, daß die Hersteller entsprechende Compiler zur Verfügung stellen.

Konkrete Möglichkeiten für die Anwender, aus dem IBM-Lager zu Unix überzuwechseln, sieht Helmut Ludwigs zunächst in der verteilten Datenverarbeitung. Denn in diesem Bereich seien die meisten User momentan noch nicht so stark an die IBM gebunden wie im Mainframe-Sektor. Um über Unix ein zweites Betriebssystem-Standbein aufzubauen, empfiehlt er einen Bottom-up-Ansatz - von den kleineren Maschinen ausgehend hin zu den größeren. Ludwigs: Hinzu kommt, daß auf den Großrechnern heute sehr viele Batch-orientierte Verfahren laufen, die noch auf die Dialogisierung warten. Wenn man sich entschließt, diese Umstellung anzupacken, kann das gleich unter Unix erfolgen."