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28.06.1991 - 

Microsoft könnte bald ins Abseits geraten

IBM-Pakt mit Lotus soll Wende für OS/2 bringen

NEW YORK (zek/jm) - Eine strategische Allianz in Sachen Workgroup Computing haben IBM und Lotus Development angekündigt.

IBM will ab sofort die Lotus-Produkte "Notes" und "CC Mail" in neue OS/2-Versionen integrieren und damit dem Bürokommunikationspaket "Officevision" eine vollkommen neue Dimension geben. Die Kooperation ist der erste offizielle Schritt, mit dem sich Big Blue bei PC-Betriebssystemumgebungen vom bisherigen Partner Microsoft lossagt.

In einer überraschend anberaumten Pressekonferenz zum Auftakt der US-Messe "PC-Expo" unterrichteten IBM Vice-President Jim Cannavino und Lotus-President Jim Manzi die Fachpresse von ihrem Coup. Cannavino sprach von einer der "aufregendsten und wichtigsten Partnerschaften, die IBM je eingegangen sei". Er lobte die Lotus-Software als die beste Technologie, die in diesem Markt verfügbar sei. Im einzelnen handelt es sich um die Lotus-Pakete "Notes" und "CC-Mail". Notes ermöglicht Anwendern in PC-Netzen relativ einfache Kommunikation und Datenaustausch. CC-Mail gilt mittlerweile als eines der Standard-E-Mail-Systeme für Büroumgebungen. Mit diesen beiden Bausteinen will die IBM in Zukunft ihr PC-Betriebssystem OS/2 ausrüsten - ein Schritt, der sich nach Ansicht von Marktbeobachtern ganz klar gegen die Microsoft Corp. richtet, die an einer eigenen neuen OS/2-Version arbeitet, die in Sachen Workgroup-Computing mehr an MS-Windows angelehnt sein soll.

Auf Nachfrage erklärte James Cannavino dann auch, daß man das bisherige Standard-E-Mail-Paket für Officevision, "Network Courier", von Microsoft ab sofort nicht mehr vertreiben werde.

Sowohl Cannavino als auch Manzi sehen im Workgroup-Sektor den Markt der 90er Jahre. Bereits im nächsten Jahr werden so viele PCs miteinander vernetzt sein, wie in den gesamten 80er Jahren verkauft worden sind, meinte Manzi. Deshalb sei es für die Anwender notwendig, eine Betriebssystemsoftware zu bekommen, die speziell auf diese Bedürfnisse ausgerichtet ist und die Möglichkeit bietet, in großen Netzen problemlos auf Mainframe-Daten zuzugreifen. Mit den beiden Lotus-Programmen, die bis zum Jahresende in OS/2 Release 2.0 integriert sein sollen, soll dieses Ziel erreicht werden.

Zusätzlich wird IBM eine eigene Benutzeroberfläche mit der Bezeichnung "Workgroup Shell" vorstellen, die den Zugriff auf Notes und CC-Mail vereinfachen soll. Damit wendet sich IBM ebenfalls gegen Microsofts Oberfläche Windows 3.0 es ist aber auch ein Schritt weg von der Benutzeroberfläche "Presentation Manager", die IBM lange Zeit gemeinsam mit Microsoft als User-Interface der Zukunft propagiert hat. Für Software-Entwickler wollen beide Unternehmen Development-Kits anbieten, die die Einbindung anderer Programme in die neue Umgebung ermöglichen sollen.

Gerüchte erscheinen in einem neuen Licht

In einem neuen Licht erscheinen nach dieser Ankündigung die Gerüchte, IBM wolle mit Apple eine Allianz eingehen. Bekanntlich ist Lotus neuerdings einer der überzeugtesten Anbieter von Macintosh-Software, der mit besonderer Vehemenz gegen Microsoft-Produkte in den Ring zieht. Außerdem will Lotus noch in diesem Jahr eine Macintosh-Version von Notes auf den Markt bringen. Damit ließen sich die Apple-Rechner ohne größere Probleme sofort in IBMs Officevision-Konzept einbinden.

Auf die Gerüchte angesprochen, erklärte Cannavino vorsichtig, daß man die ganze Zeit über Verhandlungen führe, er wolle an dieser Stelle dazu aber nichts näheres sagen.