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12.07.1991 - 

Kosten-Nutzen-Betrachtung bei Systemview negativ ausgefallen

IBM-Partnerschaft für wichtige Softwarehäuser nicht attraktiv

MÜNCHEN (qua) - Die IBM kooperiert auf Teufel komm raus - auch für ihr Systemview" -Konzept sicherte sie sich das Know-how externer Partner. Mit Bachman, Candle, Goal und Platinum benannte sie jetzt den inneren Kreis der Eingeweihten. Andere wichtige Anbieter fehlen auf dieser Liste - nicht zuletzt deshalb, weil Big Blue dafür einen Teil ihrer Einnahmen beansprucht hätte.

Nur einer mochte öffentlich darüber reden, aber hinter vorgehaltener Hand wurde mehrfach bestätigt: Wer IBM-Partner werden will, muß dafür zahlen. Auf fünf Prozent des im Systemview-Bereich erzielten Umsatzes beziffert Owen Gardner, Technical Manager bei der Legent GmbH in Düsseldorf, die Gebühr für das Privileg, den "IBM-Partner" im Schilde zu führen. Denselben Betrag nannte der Geschäftsführer eines anderen auf Systemsoftware spezialisierten Unternehmens, der in diesem Zusammenhang jedoch nicht zitiert werden will.

Zum einen ist - bei allgemein schwindenden Margen - nicht jedes Softwarehaus bereit, seinem Marketing-Budget eine Mitgift für die IBM-Partnerschaft zuzumuten. Zum anderen fragt sich der vor eine solche Entscheidung gestellte Unternehmer selbstverständlich, was eine Investition von bis zu fünf Prozent der Gesamteinnahmen einbringen muß, damit sie sich rechnet; nicht nur Legent-Chef Joe Henson entschied sich unter diesem Gesichtspunkt "vorerst" gegen die Entwicklungspartnerschaft mit IBM.

Da diese Partnerschaft nicht automatisch zu höheren Einnahmen führe, so der langjährige IBM-Manager Henson, würden Gewinnspannen und Profite zwangsläufig niedriger ausfallen. "Um die Zahlungen an IBM auszugleichen", habe Legent folglich nur zwei Möglichkeiten zur Auswahl: "Entweder wir bestrafen unsere Kunden, indem wir unsere Kosten an sie weitergeben, oder aber unsere Investoren, indem unsere Profitabilität sinkt."

Hier könnte eine Erklärung dafür liegen, warum wichtige Anbieter wie BMC, BGS, Boole & Babbage sowie Legent im Kreis der Systemview-Partner fehlen. Während bei der Präsentation des System-Management-Konzepts am 5, September vergangenen Jahres ein Dutzend Software-Anbieter reges Interesse an der IBM-Architektur bekundet hatten, sind es jetzt offiziell nur noch vier Unternehmen, die das Konzept in Produkte umwandeln sollen.

Von Computer Associates (CA) war ein solches Commitment ohnehin nicht zu erwarten. Wie ein leitender Mitarbeiter der deutschen CA-Niederlassung erläutert, kann der mit systemnaher Software groß gewordene Softwarekonzern kein Interesse daran haben, IBM entwicklungstechnisch zu unterstützen. Die CA-Produkte basieren auf einer eigenen Architektur, die, so erläutert der CA-Sprecher, zwar SAA-kompatibel sein müsse, um eine Alternative zu IBM bieten zu können, aber eben doch einen "Vorteil im Markt" gewährleisten solle, indem sie sich nicht auf die von IBM definierten SAA-Plattformen beschränke.

Systemview soll auch den OSI-Standard unterstützen

Mit dem Namen Systemview bezeichnet der blaue Riese sein auf SAA basierendes Konzept für die Integration des System-Managements über verschiedene (IBM-) Plattformen hinweg; eigenen Angaben zufolge will der Anbieter auf diese Weise seinen Kunden dabei helfen, "Konsistenz und Automation in die Verwaltung ihrer unternehmensweiten Informationssysteme zu bringen". Neben der IBM- eigenen SNA-Architektur soll Systemview auch den OSI-Standard unterstützen.

Wie Carl Conti, Senior Vice-President und General Manager des IBM-Bereichs Enterprise Systems, mitteilte, wird Big Blue IBM mit den jetzt benannten Software-Unternehmen "eng zusammenarbeiten, um den Kunden integrierte Lösungen zur Verfügung zu stellen". Im Klartext heißt das: Die Partner integrieren ihre Produkte in die Systemview-Struktur. Bei diesen Produkten handelt es sich unter anderem um die Omegamon- und AF-Familie von Candle und um die Explore- und FAQS-Palette sowie "lnsight for DB2", "OPS/MVS" und "Jobtrac" von Goal.

Marketing-Abkommen als IBMs Gegenleistung

Als Gegenleistung für diese Entwicklungshilfe stellt IBM den betroffenen Unternehmen unter anderem ein richtiggehendes Marketing-Abkommen in Aussicht; eine solche Vereinbarung würde sich vor allem für die kleineren Anbieter mit Sicherheit auszahlen. Aber auch ein Unternehmen wie Candle, das sich bereits einen ansehnlichen Marktanteil erobert hat, würde davon profitieren nach Ansicht des Münchener Candle-Geschäftsführers Gerhardt Merkel zumindest dort, wo es darum geht, das Kundenpotential in Osteuropa auszuschöpfen.

Nach Merkels Darstellung wurde die Entscheidung über die Mitgliedschaft im Systemview-Club primär von der IBM getroffen - "selbstverständlich in Absprache mit den jeweiligen Unternehmen". Allerdings stellt der deutsche Candle-Chef nicht in Abrede, daß einige Softwarehäuser von sich aus auf die offizielle Partnerschaft mit dem Branchenprimus verzichtet haben könnten, denn sie bedeute "schon ein Commitment".

Als kritisch bewertet Merkel vor allem die für die Systemview-Partner obligatorische Teilnahme an den sogenannten "Design Councils, die als Forum für den Austausch zwischen der IBM, den Software-Unternehmen und den Kunden gedacht sind. Dadurch, daß in diesen Councils die Weiterentwicklung der System-Management-Architektur festgelegt werde, könnten die Partnerunternehmen "in einen Entwicklungszwang geraten", auf den sie dann sehr schnell zu reagieren hätten.

Daß die IBM von ihren Partnern Provisionen kassiere, mag Merkel eigenen Aussagen zufolge allerdings nicht glauben: ",wenn dem so wäre, so wüßte ich nichts davon." Vielmehr äußert der Münchener die Vermutung, daß einige Softwarehäuser jetzt wohl Schwierigkeiten hätten zu begründen, warum sie nicht unter den IBM-Partnern sind.

Andere Branchenkenner mögen ebenfalls nicht an eine Provision auf die Umsätze der Softwarepartner glauben. Es sei schwer vorstellbar, so einer von ihnen, daß die Hersteller zusätzlich zu der Arbeit, die sie leisteten, auch noch Geld an die IBM zahlen sollten.

Viele stellen Wert des Announcements in Frage

Bezüglich der Frage, warum sie auf der Liste der Systemview-Partner fehlten, halten sich die in Frage kommenden Unternehmen auffallend bedeckt. So beruft sich Bernd Langenbach, Area Manager der Boole & Babbage Europe in Düsseldorf, auf ein bereits seit vergangenem Jahr bestehendes Abkommen mit dem CICS-Labor der IBM in Hursley/Großbritannien. Diese Vereinbarung beziehe sich auf die Entwicklung künftiger Systemview-konformer - Versionen des Transaktionsmonitors und mache folglich ein weiteres Commitment überflüssig.

Gerhard Lenk, Geschäftsführer der BMC Software GmbH in Frankfurt am Main, äußert die Ansicht, daß sich das IBM-Announcement vorwiegend auf den DB2-Bereich beziehe. BMC hingegen habe seinen Schwerpunkt derzeit noch auf dem IMS-Sektor.

Ähnlich argumentiert Karl-Heinz Purcz, Geschäftsführer der BGS Systems GmbH in Erkrath bei Düsseldorf: IBM berücksichtige in der ersten Phase des Systemview-Projektes vor allem die Anbieter von Monitoring-Systemen, und dazu zählten die BGS-Produkte nun einmal nicht. Nichtsdestoweniger sei selbstverständlich auch BGS am Thema Systemview interessiert.

Zu einem Punkt äußern sich jedoch die meisten der Befragten relativ konkret: Übereinstimmend stellen Langenbach, Lenk und auch Purcz die Wichtigkeit der jüngsten IBM-Ankündigung in Frage. Sinngemäß vertreten die drei Geschäftsführer die Ansicht, daß ein formales Systemview-Commitment sich für ein in diesem Bereich tätiges Unternehmen erübrige, da die quasi-normative Funktion der IBM unbestritten sei. "Die Entwicklung in Richtung Systemview ist sowieso ein, Standard, an den wir alle uns halten", konstatiert Langenbach.

Auch der Frankfurter BMC-Geschäftsführer mißt dem Announcement, eine geringere Bedeutung" bei. O-Ton Lenk: "Das machen wir eh' schon." Die BMC-Produkte würden bis zum Jahresende alle "in CUA-Form" vorliegen, obwohl er persönlich es für "nicht ganz glücklich" halte, ein OS/2-Interface auf den Mainframe zu übertragen. Das BMC-Management, das "zu 95 Prozent" aus ehemaligen IBM-Mitarbeitern bestehe, sei jedenfalls "nicht unbedingt sehr aufgeregt wegen der jüngsten IBM-Ankündigung. Lenks Einschätzung zufolge hat die IBM damit "wahrscheinlich" nur "den Begriff Systemview etwas mehr in den Markt bringen wollen".

Legent legt Wert auf die Kooperationen mit IBM

Nicht einmal Legent-Präsident Chef Joe Henson macht ein Hehl daraus, daß er für seine Produkte die formale Übereinstimmung mit dem Systemview-Konzept anstrebt und Wert auf die Kooperation mit der IBM legt. Gleichzeitig beschäftige sich das Unternehmen aber auch mit Plattformen, die derzeit aus dem Systemview-Konzept ausgeklammert sind, so DEC-VMS-Rechner, Tandem-Maschinen und Hitachi-Mainframes unter dem von den Japanern entwickelten Betriebssystem.

Das Unternehmen will sich, um es mit den Worten des Düsseldorfer Legent-Managers Owen Gardner zu sagen, nicht in ein "Korsett" zwingen lassen. Die von der IBM vorgesehene Art der Kooperation bedeute, daß ein großer Teil der Entwicklungskapazitäten in den Partnerunternehmen durch Workshops und Meetings gebunden würde. Und das könne weder im Interesse des Anbieters noch der Kunden sein.

Offenbar hegen die nicht zur Systemview-Viererbande gehörenden Unternehmen keinerlei Befürchtungen, künftig von den für sie lebenswichtigen IBM-Information abgeschnitten zu werden.

Wie einer der befragten Geschäftsführer berichtet, bestätigte IBM seinem Unternehmen kurz nach der Präsentation der Systemview-Partner per Telefax, daß die bisherige Zusammenarbeit von dem fraglichen Announcement nicht beeinträchtigt werde.

Außerdem hat der DV-Gigant bereits angekündigt, er werde eine Dokumentation veröffentlichen, die jeden Kunden oder Anbieter in die Lage versetze, Systemview-konforme Programme zu entwickeln.