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18.09.1992 - 

Kursänderung mitten in der Marketing-Offensive für Personal Systems

IBM plant Kernel-Verschmelzung bei ihren Systemen OS/2 und AIX

WHITE PLAINS (IDG) - Erste Gerüchte, Big Blue plane eine Zusammenführung der Entwicklungsarbeiten an OS/2 und AIX, hat der Chef der OS/2-Entwicklung in der US-Muttergesellschaft präzisiert. Beide Betriebssysteme sollen demnach auf einem einheitlichen Kernel aufsetzen und über ihn gemeinsame Systemkomponenten und Dienste nutzen können.

Die OS/2-Version 2.0 ist noch nicht am Markt durchgesetzt, da legt die IBM den Anwendern gleich wieder die Latte höher. Die Firma schickte ihren Assistant General Manager für Programmierung in der Personal Systems Division, Lee Reiswig, an die Front. Er hatte keine geringere Aufgabe, als zu erklären, daß der ganze derzeitige Rummel um OS/2 2.0 in nur zwei Jahren nichts weiter als eine nette Episode der DV-Geschichte gewesen sein soll.

Es gelte, die Entwicklungen an OS/2 und dem Unix-Derivat AIX auf eine Linie zu bringen, erklärte der IBM-Manager Reiswig laut CW-Schwesterpublikation "Computerworld", "um redundante und unvereinbare Eigenarten zu eliminieren und sie durch ein einheitliches Set von Komponenten zu ersetzen". Das heiße konkret, daß beide Betriebssysteme einen gemeinsamen Kernel erhalten sollen, der auf dem objektorientierten Mikrokernel Mach 3 der Carnegie Mellon Universität basieren soll.

Dies ist nach Ansicht eines Analysten vom technischen Standpunkt ein realistischer Ansatz. Denn die Trennung zwischen einem fortschrittlichen Betriebssystem für "persönliche" Computer und einem Multiuser-Betriebssystem ist in vielen technischen Aspekten ohnehin rein virtueller Art.

Gleichwohl will die IBM nach Aussagen von Reiswig, beide Betriebssystem-Linien weiterführen. Sie werden lediglich einen gemeinsamen Kernel haben, auf den OS/2 beziehungseise AIX aufsetzen. Den Unterschied sollen Anwender primär an der unterschiedlichen Benutzeroberfläche und unterschiedlichem Leistungsverhalten erfahren. Für das "unhandliche" AIX sieht IBM die Oberfläche "Workplace Shell" vor.

IBM plant darüber hinaus, den gemeinsamen Kernel zugleich für einheitliche grundlegende Systemkomponenten zu nutzen. "Sie können diese gemeinsamen Dienste nutzen", erwähnte der IBM-Manager, "um zum Beispiel in derselben Weise Speicher zu adressieren." Er wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, daß IBM an einem einheitlichen Datenbank. Management-System für OS/2 und AIX arbeite.

Die IBM-Pläne werfen unversehens neue Probleme bei einer anderen angeblich "strategischen" Entwicklung auf. Zum einen würde eine Verschmelzung von OS/2 und AIX zumindest in Teilen die Betriebssystem-Arbeiten von Taligent, der gemeinsamen Tochter von IBM und Apple, obsolet machen. Zum anderen ist die Kompatibilität zum Taligent-System nach Angaben von Reiswig bisher lediglich ein Ziel; denn die Taligent hat noch keine Entscheidung getroffen, ob sie ebenfalls den Mach-3-Kernel verwenden wird.

Die Verlautbarungen aus den USA trafen die deutsche IBM-Tochter unvorbereitet. Hierzulande konnten Mitarbeiter die Meldungen bis Redaktionsschluß weder bestätigen noch dementieren. Ein Sprecher verwies lediglich darauf, es habe "schon vor längerer Zeit" Aussagen gegeben, wonach "OS/2 und AIX zusammenwachsen" sollten.