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Quellcode-Vorschriften behindern Änderungen:


28.06.1985 - 

IBM-Politik stößt bei Usern auf Widerstand

FRAMINGHAM (cw) - Die Auswirkungen einer Protektionsstrategie der IBM bekommen jetzt viele Anwender zu spüren: Vor etwa zwei Jahren hatte sich der Marktführer dazu entschlossen, den Quellcode bestimmter Software-Produkte nicht mehr herauszugeben. Unabhängig davon, ob ihr täglicher DV-Betrieb durch diese Politik beeinträchtigt wird oder nicht, sind viele Benutzer verärgert und besorgt über das Verhalten des Branchenriesen.

Seit die IBM im Februar 1983 ihre Quellschutz-Vorschriften bekanntgab, kommt diese Methode der Absicherung bei immer mehr Software-Produkten zur Anwendung. Der Computergigant verfolgt mit seiner Politik zwei Ziele: den Schutz der eigenen Programminvestitionen und -technologien gegen andere Hersteller sowie die Verminderung von Problemen bei der Installation neuerer Produktversionen auf Systemen, bei denen umfangreiche Änderungen Systemsoftware vorgenommen wurden.

Der Entschluß von Big Blue, künftig von der traditionellen Unternehmenspolitik abzuweichen und Quellcode nicht mehr allgemein verfügbar zu machen, hat in der Benutzergemeinde hohe Wellen schlagen. Vor allem User, die mit modifizierter Software arbeiten, wehren sich gegen diese reine Objektcode-Strategie, berichtet die COMPUTERWORLD.

So habe sich die amerikanische Versicherungsgesellschaft Safeco Insureance Co. über Monate hinweg bemüht, zum Einsatz in ihrem RZ für die bei IBM gekaufte ISPF-Version Quellmaterial zu erhalten.

Wie Unternehmenssprecherin Mary Johnston mitteilt, wird der Source-Code bei Safeco beispielsweise benötigt, um ISPF mit einem Prüfmechanismus auszustatten, den die Programmierer der Versicherungsgesellschaft in Eigenarbeit entwickelt hatten.

ISPF-Modifikationen sind ohne Quellcode schwierig

Safeco, so weiß die Leiterin des Bereichs Systemkoordination weiter zu berichten, habe versucht, ISPF ohne den Quellcode zu modifizieren. Die Erfolge seien allerdings bescheiden gewesen. Kommentiert Frau Johnston: "Wir sind eine große Organisation mit hohen Anforderungen an unsere Systeme, die auf IBM-Software basieren. Ohne Quellcode können wir nicht effizient arbeiten. Das geänderte Vorgehen des Herstellers hat sogar schon dazu geführt, daß unsere Fähigkeit angezweifelt wird, die geforderten Funktionen und Leistungen zu bieten."

Auch Betriebe, die derzeit noch nicht unter der Quellcode-Politik leiden, treffen Vorkehrungen, um die Auswirkungen dieser Strategie zu mildern. So überprüfen Spezialisten bei der Westinghouse Electric Corp. die Modifikation an dem IBM-Produkt JES3, das auch unter die Beschränkungen fallen soll.

Nach Ansicht von Jerome Pogorzelski, Leiter des technischen Bereichs im Westinghouse-RZ in Buffalo, steht dem Konzern ein riesiger Arbeitsberg bevor: Die DV-Mitarbeiter des Unternehmens haben umfangreiche Modifikationen an JES2 vorgenommen.

Hierzu gehören die Unterstützung von Systemen anderer Hersteller sowie ein selbstentwickeltes Magnetband-Managementsystem. "Das Fehlen des Quellcode wird es den RZ-Mitarbeitern schwer machen, diese Erweiterungen auch in Zukunft zu nutzen", meint Pogorzelski.

IBM hat zwar ausgeführt, daß "Exits" für Modifikationen bereitgestellt würden. Aber nach Aussage des DV-Chefs von Westinghouse reichen diese nicht aus, um die bestehenden vielfältigen Verflechtungen des Systems zu unterstützen. Pogorzelski lehnt nach eigener Aussage die Entscheidung von IBM in jeder Hinsicht ab. Zumindest was JES2 angehe, könne er mit dieser Politik einfach nicht leben und arbeiten.

Manche Kunden, so auch Pogorzelski, behaupten, der Branchenjumbo habe die Nur-Objektcode-Politik eingeleitet, ohne sich über die Auswirkungen auf die Benutzer Gedanken zu machen. Andere User hingegen gehen davon aus, IBM bemühe sich um die Vermeidung möglicher Härten.

Duncan Macpherson beispielsweise, der Leiter der New Yorker Kraftfahrzeug-Zulassungsbehörde, ist der Ansicht, daß IBM sich ausreichend um die Probleme der Benutzer kümmere. Zunächst habe auch er die Politik des Marführers scharf (...)siert. IBM baue jedoch die Supportzentren immer mehr aus und stelle damit für den Kunden eine Alternative zum Quellcode zur Verfügung.

Dieser Optimismus wird jedoch nicht von allen Betroffenen geteilt. Laut Glen Deichelbor, Direktor des MIS-Bereichs bei der AVX Corp., haben seine Programmierer mit Hilfe des von der IBM gelieferten Quellcodes bisher eine Reihe von Modifikationen eingebaut und viele Systemprobleme diagnostizieren können.

Betrachte man indes das Verhalten des Marktführers in der Vergangenheit, so sei der Anwender mit der Nur-Objektcode-Politik in keiner Weise gut bedient. Die Vorstellung, daß die Software jemals so stabil werde, daß der Kunde sich in puncto Pflege und Fortschreibung ausschließlich auf Supportzentren verlassen könne, hält der MIS-Experte für Illusorisch.