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29.09.1989 - 

Anwendungsentwicklungskonzept stellt Mainframe in den Mittelpunkt

IBM-Repository vorerst nur für Mainframe-Kunden

STUTTGART (qua) - Ein neues Super-Konzept, "AD/Cycle", breitet die IBM vor der Mainframewelt aus. Der das "Repository" und andere Tools umfassende Entwurf dürfte fürs erste die IBM-nahen Softwarefirmen beschäftigen - die 370-Anwender dann (..) auf Jahres hinaus.

Ihrer Unternehmensstrategie treu geblieben ist die IBM mit ihrem jüngsten Versuch, den Markt für Anwendungsentwicklungswerkzeuge zu erobern: andere Software-Anbieter einen dezentralen Ansatz, so stellt der Hardwareriese mit seinem Konzept wieder einmal den Großrechner als integrierende Instanz heraus.

Herzstück der Ankündigung ist das seit geraumer Zeit als Erlkönig durch die Branche geisternde Repository; der "Repository Manager/MVS", wird laut IBM ab Mitte nächsten Jahres ausgeliefert. Als Preisbeispiel nannte Wolfgang Heisterberg, Leiter Systemsoftware bei der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart, eine Einmallizenz von 400 000 Mark; die monatliche Gebühr werde dementsprechend bei 18 000 Mark liegen.

Nutznießer des als zentrale Informationsablage für die gesamte Systems Application Architecture (SAA) relevanten "Software-Verzeichnisses" sind zunächst nur diejenigen Anwender, die sich bis zum Juni 1991 für den Einsatz von MVS/XA oder MVS/ESA entschieden haben werden. Zwar stellt die IBM auch Versionen für VMS und OS/400 in Aussicht; hier zeitliche Zusagen zu machen, scheut sie sich jedoch. "Kein Commitment" gibt es laut Heisterberg "für eine OS/2-LAN-Konfiguration."

Obwohl die IBM am Repository-Standard des American National Standards Institute (ANSI) mitgebastelt hat, erfüllt der Repository-Manager die ANSI-Spezifikationen für Information Resource Dictionary Systems (IRDS) keineswegs vollständig; andererseits geht er teilweise - beispielsweise bei der Objektorientierung - über den ANSI-Ansatz hinaus. Aufgrund der Marktmacht des Herstellers dürfte sich deshalb nach Ansicht von IBM-Kennern ein "Doppelstandard" etablieren, wie die Branche ihn bereits von der Structured Query Language (SQL) kennt.

Nach eigenen Aussagen verfolgt der Branchenprimus mit dem angekündigten Konzept das Ziel, "CASE und konventionelle Anwendungsentwicklung zu vereinen".

Das Ergebnis bezeichnet er mit dem Schlagwort "integriertes Computer-unterstütztes Software-Engineering" (I-CASE). De facto bedeutet dies die nachträgliche Integration einer Reihe eigener Software-Tools wie "Online Procekt Support System" (OPSS) und "Cross System Product" (CSP) mit Fremdwerkzeugen zu einer Entwicklungsumgebung, die von der Bedarfsanalyse bis zur Integration und Wartung alle Life-Cycle-Phasen umspannt.

Zu den Vorarbeiten für diesen Rundumschlag gehörten die kürzlich bekannt gewordenen Beteiligungen an den US-Softwareschmieden Index Technology Corp., Knowledgeware Inc. und Bachman Information Systems Inc. Index und Knowledgeware bieten mit Excelerator beziehungsweise Information Engineering Workbench (IEW) Unterstützung für die frühen Phasen der Software-Entwicklung an; Bachman Information Systems haben sich auf Re-Engineering-Tools spezialisiert.

Zwar laufen Excelerator und IEW gegenwärtig nur unter PC/ MS-DOS; IBM-Informationen zufolge sind jedoch Produktversionen für PS/2 Extended Edition (EE) in Arbeit. Die Standardversion des designierten SAA-Betriebssystems für Einplatzsysteme hat im Anwendungsentwicklungskonzept der IBM keinen Platz. Für die angestrebte Integration, erläutert Heisterberg, seien die EE-immanenten Database- und Communications-Manager nötig.

Außen vor bleiben auch DOS/ VSE sowie das "blaue" Unix-Derivat AIX. Wie ein Mitarbeiter aus dem IBM-Marketing gegenüber der IDG-Schwesterpublikation Infoworld äußerte, existieren jedoch Pläne, ein "AD/ Cycle-Äquivalent" auf AIX-Basis zu entwickeln.

Um den Third-Parties Gelegenheit zu geben, das IBM-Konzept mit ihren Produkten zu ergänzen, wird das Repository, so Heisterberg, eine "offene Werkzeugschnittstelle" haben. Neben den drei genannten Firmen haben denn auch 32 weitere Softwareanbieter die Absicht bekundet, AD/Cycle zu unterstützen - darunter die Münchener Softlab GmbH sowie die US-Unternehmen AMS, Andersen Consulting, Information Builders, MSA, McCormack & Dodge, Mc Donnell Douglas, Pansophic, SAS Institute und Texas Instruments.

Für die Datenspeicherung sieht die IBM erwartungsgemäß vor allem ihr DBMS-Flaggschiff DB2 vor. Heisterberg will jedoch nicht bestreiten, daß grundsätzlich jedes relationale Datenbank-Management-System integriert werden könne - vorausgesetzt, es verfüge über eine SQL-Schnittstelle und eine Sort-Funktion.

PLI/1 als offizielle SAA-Sproche bestätigt

Im Schatten des AD/Cycle-Announcement verstecken sich einige kleinere Produkt- und Strategie-Ankündigungen: So stellte IBM ein selbstentwickeltes Werkzeug für schnelles Prototyping vor, das unter der Bezeichnung "Developmate" voraussichtlich Anfang 1991 auf den Markt kommen wird. Außerdem wurde PL/I als offizielle SAA-Sprache bestätigt.

CSP wird laut Ankündigung demnächst auch unter OS/2 EE verfügbar sein, dort jedoch keine vollständige Programmgenerierung ermöglichen. Fertigstellung, Integration und Test der Anwendungen bleiben innerhalb der IBM-Welt also eine Mainframe-Domäne. Begründung des Herstellers: "CSP ist für große Realspeicher designed; auf einer Workstation ist die I/O zu teuer.

Während die meisten Anbieter sich mit dem vielstrapazierten Schlagwort "4GL" schmücken, deklariert die IBM ihr CSP neuerdings ausdrücklich als Generator. Das Release 3.3 wird denn auch tatsächlich Cobol-II-Code generieren. Eigenen Aussagen zufolge reagiert IBM damit auf eine entsprechende Nachfrage. Heisterberg: "Wir tun das nicht, weil wir Cobol so toll finden, sondern weil die Mehrzahl unserer Kunden nun einmal Cobol hat." Der von CSP erzeugte Cobol-Code sei allerdings nicht unabhängig von der Generatorsoftware ablauffähig; dazu fehlten ihm die in das Werkzeug integrierten Runtime-Facilities.

Als weitere Komponenten des AD/Cycle-Konzepts nennt der Anbieter Release 2.4 des Abfrage- und Berichtssystems Query Management Facility (QMF) sowie die ISPF/ Programm Development Facility 3.2, ausgestattet mit einem "Software Configuration and Library Management" (SCLM). Ein "Dictionary Model Transformer" (DMT) diene als interaktives Werkzeug zur Überführung von Data-Dictionary-Informationen aus IMS DB/DC in den Repository-Manager. Das Re-Engineering-Werkzeug "Cobol Structuring Facility" (CSF) soll sowohl zur Neuentwicklung als auch zur Strukturierung vorhandener Programme eingesetzt werden.

Auf die Frage, welche Anwender Big Blue vorrangig für das neue Anwendungsentwicklungskonzept gewinnen wolle, räumt Heisterberg ein, daß der Entwurf für den größten Teil der IBM-Klientel noch eine Nummer zu groß geraten sei. Die Nachfrage nach einer integrierten Anwendungsentwicklungsumgebung sei vor allem von den "großen bis sehr großen Anwendern" gekommen.

Tatsächlich werden nur einige wenige Anwenderunternehmen innerhalb absehbarer Zeit von einem solchen Angebot Gebrauch machen: "Das sind nicht unbedingt unsere hundert größten, aber unsere hundert fortschrittlichsten Kunden," bestätigt Heisterberg. Das Repository komme eigentlich "zu früh". Auf der Kundenseite fehlten nämlich bislang meist die Management-Voraussetzungen für eine integrierte Anwendungsentwicklung.