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29.01.1993 - 

DCE koennte Teilbereiche der IBM-Architektur ersetzen

IBM: Rotstift bedroht auch das Denkmal SAA

Genaehrt werden die Spekulationen durch die juengsten Verlautbarungen aus Armonk, auch bei Forschung und Entwicklung rigoros den Rotstift anzusetzen. Nachdem IBM 1987 die Systems Application Architecture (SAA) ins Leben gerufen und als grosse Architektur angepriesen hatte, wurde unter den Anwendern in der Vergangenheit die Kritik an den fehlenden Produkten immer lauter.

Das Problem koennte jetzt durch DCE geloest werden. Die Zielsetzung, die sich hinter SAA verbirgt - fuer alle Anwender der blauen Welt einen einheitlichen Zugriff auf Applikationen zu schaffen, die auf den IBM-Betriebssystemen MVS, VM, AS/400

und OS/2 laufen - laesst sich nach Ansicht vieler Fachleute mit DCE realisieren. Durch die Nutzung der OSF-Spezifikationen zur Entwicklung von verteilten Anwendungen in Multivendor-Netzen koennte IBM, so der Tenor, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: zum einen die unterschiedlichen Hardwareplattformen innerhalb der SAA-Welt erschliessen, zum anderen ueber den offenen Standard Systeme anderer Hersteller integrieren.

"DCE ist bestens geeignet, Teilaspekte von SAA abzudecken", meint Rainer Janssen, unabhaengiger Unternehmensberater aus Frankfurt. Die Aktivitaeten der IBM in der OSF seien durchaus als Indiz der Absicht zu werten, DCE als Block in SAA zu implementieren. Nach Ansicht des Experten waere es jedoch sinnlos, wenn IBM, wie bei OSI geschehen, DCE nur ueber Gateway-Loesungen in SAA einbinden wuerde. "Das hat vielleicht bei OSI noch Sinn gemacht, bei DCE ist es viel zu aufwendig", erklaerte Janssen gegenueber der COMPUTERWOCHE.

Die Verantwortlichen bei IBM weisen indes eine Abkehr von SAA weit von sich. "Wir sehen SAA als Verbindungselement zwischen unseren homogenen Plattformen, waehrend DCE besser fuer heterogene Systeme geeignet ist", sagte Mike Machete, Product Manager der Distributed Systems Group in Austin. Machete raeumte allerdings ein, dass die beiden Architekturen zusammenwachsen koennten, um den Anwendern den Aufbau heterogener Systeme zu erleichtern.

Big Blue faehrt DCE ueber das SNA-Protokoll LU6.2

Aus der Konzernzentrale in Armonk verlautet darueber hinaus, an eine Schwaechung des SAA-Supports sei nicht gedacht. Vielmehr sei man fest entschlossen, DCE ueber TCP/IP und Unix-Umgebungen hinaus zu unterstuetzen. Im Klartext heisst das: Big Blue wird DCE bis auf weiteres ueber das SNA-Peer-to-peer-Session-Protokoll LU6.2

fahren, das SAA als Datenprotokoll zugrunde liegt. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die Anwender verteilte Applikationen bevorzugt auf Basis von DCE nutzen werden. DCE- basierte Anwendungen sind aufgrund der relativ simplen Struktur des Remote Procedure Call, des Kommunikations-Protokolls in DCE, wesentlich einfacher zu entwickeln.

Von IBM zu erwarten, jetzt schon oeffentlich an dem Denkmal SAA zu ruetteln, ist nach Ansicht Janssens zuviel verlangt. Eine voellige Lossagung waere auch nicht gerechtfertigt, weil DCE, so der Spezialist, SAA eben nur teilweise ersetzen kann. Dies gelte in erster Linie fuer den Remote Procedure Call (RPC), fuer Anwendungen auf entfernten Systemen, das Distributed Filesystem (DFS), fuer verteilte Dateisysteme in lokalen Umgebungen sowie Naming und Directory Services.

Diese Features eigens fuer SAA weiterzuentwickeln und extra zu betreiben, ist, so Janssen, voellig ueberfluessig. Marktbeobachter gehen ausserdem davon aus, dass nach der juengsten Einteilung in Business Units die Profit Center diejenige Technologie waehlen, die ihre Probleme am schnellsten loest. Das koennte durchaus DCE sein, weil bei dem offenen Standard die teuren Entwicklungskosten fuer eigene verteilte Netzwerkprodukte nicht mehr anfallen.