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18.05.2001 - 

OS/400, Version 5: das Chamäleon unter den Betriebssystemen

IBM rüstet die AS/400-Welt für B-to-B

Totgesagte leben länger - diese alte Weisheit gilt offenbar auch für die AS/400 der IBM. Die jetzt präsentierten, umfangreichen Neuerungen der Midrange-Plattform stellen mehr als nur ein Facelifting dar - IBM selbst spricht von einem revolutionärem Schritt. Von Berthold Wesseler*

Angekündigt im Jahr 1988 zu Hochzeiten der Unix-Euphorie, also lange bevor die heute so populären Server-Plattformen Windows NT oder Linux auf den Markt kamen, stand die im letzten Oktober in "I-Series" umgetaufte Maschine nach Meinung der Marktforscher aufgrund des proprietären Ansatzes schon vor ihrem Start auf dem Abstellgleis. Allen Unkenrufen zum Trotz: Vorteile wie niedrige Total Cost of Ownership, unkomplizierter Systembetrieb, robuste Verfügbarkeit und ein vergleichsweise hohes Sicherheitsniveau ließen den Midrange-Rechner zur Cash Cow der IBM heranwachsen. Heute nutzen rund 250000 überwiegend kleinere und mittelständische Betriebe ohne große eigene DV-Abteilung über 700000 Rechner dieser Linie. Das jedenfalls erklärte jüngst Buell Duncan, General Manager Mid-Market Servers der IBM, anlässlich der Ankündigung zahlreicher neuer Modelle und der grundlegend überarbeiteten Version 5 des Betriebssystems OS/400.

Kein Wunder also, dass IBM diesen Goldesel nicht verhungern lässt, sondern eigenen Angaben zufolge täglich eine Million Dollar in die Weiterentwicklung investiert. Die Ergebnisse dieser Arbeiten können sich sehen lassen, auch wenn IBM derzeit noch deutlich mehr Geld in Linux steckt. Sie manifestierten sich vor einem Jahr in einer runderneuerten Hardwarepalette auf Basis der neuen Prozessortechnologie Silicon-On-Insulator (SOI) und der 1 Gbit/s schnellen Bustechnologie High Speed Link (HSL), die später auch den Unix-Rechnern der RS/6000- beziehungsweise P-Series-Familie zugute kamen und Spitzenwerte bei den einschlägigen Performance-Benchmarks aufwiesen.

Es beginnt schon beim GUIEnde April wurden neben neuen Hardwaremodellen (zur Einführung des rund 30 Prozent schnelleren S-Star-Prozessors), zusätzliche Capacity-On-Demand-Optionen, ein Feature für den Fibre-Channel-Anschluss (zur Einbindung der I-Series in Storage Area Networks) sowie Verbesserungen auf der Softwareseite angekündigt. Letztere werden zum größten Teil mit dem neuen Betriebssystem OS/400 V5R1 am 25. Mai verfügbar sein. Die spektakulärste Neuerung laut Duncan: Eine "geradezu dramatische" Verbesserung und Erweiterung der Benutzerschnittstelle, die jetzt das aus der PC-Welt gewohnte Look and Feel einer grafischen Oberfläche bieten kann.

S-Star-Prozessor mit dynamischen PartitionenWeitere Highlights des Announcements sind laut Ian Jarman, I-Series Product Marketing Manager, die dynamische logische Partitionierung, die sogar für die Einstiegsmodelle der 270-Reihe verfügbar wird. Dabei lässt sich ein S-Star-Prozessor in bis zu vier logische Rechner aufteilen. Das Betriebssystem Linux kann in solchen Partitionen nativ betrieben werden; noch in diesem Jahr will IBM gemeinsam mit Anbietern wie Red Hat oder Suse auch Linux-Distributionen für die AS/400 auf den Markt bringen.

Vielleicht noch wichtiger für viele AS/400-Anwender ist die administrative Einbindung externer NT- beziehungsweise Windows-2000-Server, die allerdings - zumindest vorerst - wegen des erforderlichen X-Series-Adapters auf PC-Server der IBM-Baureihen beschränkt bleibt. Den Administrations-Overhead senkt das funktional erweiterte Tool "Operations Navigator", das die OS/400-Benutzer wie Windows-Benutzer erscheinen lässt und übergreifende Aufgaben wie die Synchronisierung der Passwörter übernimmt. Und mit I-Notes für Outlook schafft IBM eine neue Möglichkeit, in Groupware-Infrastrukturen von Microsofts Exchange-Server unter Beibehaltung der Client-Software auf Lotus Domino umzustellen.

Verbesserungen auch in Richtung PeripherieAußerdem verwies Jarman auf neue Funktionen für effizientes Workload-Management sowie Hochverfügbarkeits-Optionen wie das System-zu-System-Clustering, die leistungsfähiger und kostengünstiger seien als die bisherigen. Ferner gebe es jetzt die Möglichkeit, Applikationen, Daten und Ressourcen zwischen zwei I-Series-Servern hin- und herzuschalten. Erweiterungen der Print Services Facility PSF/400 erlauben nun den Einsatz als Server für das Internet Print Protocol (IPP), den Druck von Unicode-Daten und das Umschalten auf E-Mail-Output.

Wichtige Verbesserungen sind zudem beim Networking festzustellen, beispielsweise zur Konfiguration Virtueller Private Netze (VPNs) oder beim Netz-Management, wo nun auch die QoS-Funktionen (Quality of Service) moderner Switches für die Überwachung des IP-Datenverkehrs nutzbar sind und das Management von IP-Adressen dank Dynamic Domain Naming Service (DDNS) und Dynamic Host Configuration Protocol (DHCP) automatisch abläuft.

Vergleichbar dem Wechsel von /3x zur AS/400Mit Blick auf mobile Anwendungen wurden für den Anschluss von Handys oder PDAs an die AS/400 nicht nur die Funklösungen erweitert, sondern auch Softwarefunktionen wie der DB2 UDB XML Extender, Management Central Pervasive oder der Websphere Transcoding Publisher geschaffen. Damit lassen sich Mobiles als Endgeräte in I-Series-Applikationen einbinden.

Dank solcher Neuerungen ist die I-Series gegenüber der AS/400 für Duncan ebenso revolutionär, wie es 1988 die AS/400 gegenüber ihren Vorläufern aus der /3x-Reihe war. Allerdings bleibe trotz der "fundamental neuen Technologie" die grundlegende Architektur der AS/400 weiterhin unangetastet, da sie unterhalb der Anwendungs-Schnittstelle, dem "Technology Independant Machine Interface" (Timi), verborgen ist. Bestehende Applikationen können mithin - wie auch schon 1995 beim Umstieg auf die Risc-Prozessoren - unverändert weiter genutzt werden. Somit ist OS/400 V5R1 laut Duncan bei allem Stolz auf die Fortschritte auch "nichts Intergalaktisches, sondern weiterhin ein System für''s Geschäft".

Aufbau von SANs ist jetzt möglichDie I-Series, bislang wegen ihrer Konzeption des "Single Level Storage" bei Storage Area Networks (SANs) noch außen vor, lässt sich künftig auch als Kristallisationskeim beim Aufbau eines SAN nutzen, das den Plattenspeicherbedarf von Windows-Servern konsolidiert und den PC-Anwendern ohne Kapazitätseinbußen das Speicher-Management der I-Series nutzbar macht. Es gibt drei Möglichkeiten, den Speicherplatz für die PC-Server bereitzustellen: Entweder im Plattenpool der I-Series oder - etwa aus Sicherheitsüberlegungen - getrennt von Applikationen und Daten der I-Series auf speziellen Laufwerken eines "User Auxiliary Storage Pool". Drittens kann er in einem "Independent Auxiliary Storage Pool", auch Switchable I-ASP genannt, untergebracht sein.

Die I-Series-Platten werden den Windows-Servern über die Features Storage Space Object beziehungsweise Virtual Disk Space zur Verfügung gestellt. Pro integriertem X-Series-Adapter lassen sich 32 Storage Spaces anschließen; jedem in die I-Series integrierten PC-Server können bis zu 16 dieser Spaces zugeordnet werden. Das anschließbare Speichervolumen beträgt somit zwei Terabyte; die Windows-Server-Dateien sind durch RAID-5 und das Plattenspiegelverfahren der I-Series geschützt.

Ressourcen-Zuordnung im laufenden BetriebDas Logical Partitioning (LPAR), für die AS/400 seit 1999 verfügbar, wurde um eine dynamische Ressourcen-Zuordnung erweitert, und zwar auf den I-Series-Modellen der 8xx-Reihe sowie auf dem neuen S-Star-Modell der 270-Reihe, ferner auf den älteren Mehrwegemodellen der AS/400-Reihen 6xx, Sx0 und 7xx. Die dynamische Partitionierung vereinfacht es, Prozessoren, Arbeitsspeicher oder Peripherie im laufenden Systembetrieb neu zu allokieren; das erfordert jeweils nur den Restart der betroffenen Partitions. Der bereits in das Betriebssystem integrierte HTTP-Server, der auf dem Code von Version 2 des in der Linux-Welt populären Apache beruht, wird unter V5R1 zum Beispiel Switched Disks und Webcrawler unterstützen.

"Mit unserem jetzigen Announcement tritt erstmalig ein Einstiegs-Server auf den Plan, der die bisher den Großsystemen vorbehaltene logische Partitionierung bietet," unterstrich Kimberly Stevenson, seit Januar Vice President of Marketing für die I-Series, ein Alleinstellungsmerkmal für die neuen 270-Modelle. Er führt den Vergleich mit einem Chamäleon an, da die I-Series sich je nach Bedarf wie ein Windows-, Unix- oder Linux-Server verhalten könne. Das bietet ganz neue Optionen, beispielsweise beim Betrieb Linux-basierter Web-Server oder Firewalls. So kommen letztlich auch alle Linux-Investitionen von IBM der I-Series zugute.

Framework für B-to-B-AnwendungenAußerdem soll Ende August die Version 1.1 des B-to-B-Frameworks "Connect for I-Series" marktreif sein. Die Middleware ist speziell auf I-Series zugeschnitten und veranlasst IBM, das als Plattform für ERP eingesetzte System nun als E-Server der Wahl bei B-to-B zu positionieren. Connect for I-Series integriert die Geschäftsanwendungen eines Anwenders etwa von SAP, Baan, Intentia, J.D. Edwards, SSA, Brain, Command oder Soft M mit den Infrastrukturen von Herstellern wie Ariba, Metiom oder QAD auf Basis von Domino, Websphere und MQ Series.

Newcomer entdecken die I-SeriesDas Tempo dieser Neuerungen scheint dem Interesse der Softwarehäuser an der einst totgesagten AS/400 Auftrieb zu geben. Darauf deutet eine Studie der Bostoner ARC Advisory Group hin, laut der ERP- und SCM-Softwareanbieter ihre Investitionen im Umfeld der I-Series seit 1997 um 97 Prozent erhöht haben. Die Studie kommt außerdem zu dem Resultat, dass sich die aktuellen Investitionen der unabhängigen Softwarehäuser in I-Series-Produkte auf fast 1,5 Milliarden Dollar belaufen. Stephenson untermauert diese Erkenntnis mit Newcomern, die ihre Produkte jetzt auch für die I-Series verfügbar machen wollen, darunter Namen wie Ariba, Siebel, I2 Technologies, Logility, QAD, EXE und Sapiens.

*Berthold Wesseler ist freier Journalist in Brühl.

Abb.1: Prozessor-Roadmap

Der S-Star-Prozessor bringt einen Sprung beim Commercial Processor Workload (CPW), dem IBM-internen, mit TPC-C korrelierbaren Benchmark. Quelle: IBM

Abb.2: Wie ein Chamäleon

Die Aufteilung des S-Star-Prozessors in bis zu vier logische Rechner erlaubt den nativen Betrieb von Linux in diesen Partitionen. Quelle: IBM