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23.06.1978

IBM's E-Serie noch dieses Jahr?

Man mag über die zahlreichen amerikanischen "Armonk-Astrologen" und "Professional IBM-Watchers im Kreise der Wall-Street-Analysts und Industry-Consultants - insbesondere über ihre regelmäßigen Prophezeiungen neuer Produkt-Ankündigungen - abwertend schmunzeln; aber irgendwann verdichten sich die Indizien so sehr, daß aus abstrusen Gerüchten ernst zu nehmende Wahrscheinlichkeiten werden.

Seitdem die "Future Systems" totgesagt wurden, geistert die kommende IBM "E-Serie" in einschlägigen Kreisen umher. Eine Umfrage über die dort vorherrschenden Meinungen veranlaßte die COMPUTER-WORLD in einer Titel Story (23/78) die Ankündigung der ersten E-Serie-Modelle zum Jahresende als höchstwahrscheinlich herauszustellen.

Grundlage dieser Spekulation ist die Tatsache, daß der Marktführer seit geraumer Zeit keine Computer der Serie 370 mehr neu produziert - mit Ausnahme der 370/138, 370/148 und der 3031, 3032 und 3033. Der Status "not in new production" für die 370/115 und die 370/125 indiziert, daß von der erwarteten E-Serie zuerst die kleineren Modelle angekündigt werden. Vorherrschende Meinung amerikanischer Branchen-Beobachter ist, daß IBM noch vor Jahresende die unteren drei Modelle der neuen Systemfamilie (E 0, E 1, E 2 - alle auf der gleichen CPU basierend) als Nachfolger für die 115 und 125 vorstellen wird und daß die oberen drei Modelle (E 3, E 4, E 5 - ebenfalls mit einheitlicher Grund-Zentraleinheit) als Nachfolger für die 138 und 148 im dritten Quartal 1979 folgen werden. (Die 30XX-Systeme bleiben von der E-Serie vermutlich unberührt.)

Eine Instruktion pro Dollar

Die neuen Computer sollen im Vergleich zu ihren Vorgängern erneut ein mehr als doppelt so gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben; insbesondere am unteren Ende der Systemfamilie dürfte für das gleiche Geld mindestens die dreifache Computerleistung zu erhalten sein. (Bekanntlich war die 115 immer schon das schwächste Glied der 370-Familie und hier macht sich auch für den Marktführer die Konkurrenz leistungsstarker Megaminis deutlich bemerkbar.) Die typische Hauptspeicher-Ausstattung soll sich sogar vervierfachen.

Auch wird bereits über wahrscheinliche Preise spekuliert: Die COMPUTERWORLD vermutet, daß die kleinste E-Maschine 100 000 Instruktionen pro Sekunde leisten und etwa 100 000 Dollar kosten wird. Am oberen Ende der Systemfamilie sollen 1 MIPS für 1 Million Dollar geboten werden (die 370/125-2 leistet 0,1 MIPS und kostet mit 256 K etwa 200 000 Dollar).

Lizenzen für Betriebssysteme

Allein der Vergleich der Rechengeschwindigkeiten kann jedoch nicht alles über die Leistungsfähigkeit der "E-Serie" im Vergleich zur Vorgängerin "System 370" aussagen. Das 2:1-Verhältnis soll noch dadurch erhöht werden, daß verbesserte Betriebssysteme und die umfangreiche Übernahme von Software-Funktionen in Firmware zusätzlich 50 bis 100 Prozent Systemdurchsatz erzielen werden. Allerdings, dieser Vorteil dürfte dadurch kompensiert werden, daß vermutlich für die neuen Betriebssysteme (auch hier: Evolution statt Revolution) Lizenzgebühren erhoben werden. Als wahrscheinlich gilt, daß bereits 1980 für die meisten Komponenten der System-E-Basis-Software Einzel-Preise feststehen; denn dies sei IBMs einzig möglicher effektiver Konter gegen die Hersteller "steckerkompatibler Zentraleinheiten".

Man lasse sich nicht dadurch verwirren, daß IBM selbstverständlich alle derartigen Aussagen als unbegründete Spekulation abtun wird. Wieviele ernst zu nehmende Leute die oben skizzierte Entwicklung für mehr oder minder wahrscheinlich halten, zeigt der neueste hektische Boom auf dem Gebrauchtcomputer-Markt.