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27.03.1975

IBM's neue Strategie

In den im Prozeß "Telex versus IBM" durch Richterbeschluß für die öffentliche Einsicht freigegebenen IBM-vertraulichen Protokollen des IBM Management Review Committee hieß es - als Planung aus dem Jahre 1971-, daß Ende 1976 eine neue Hardware-Generation die Serie 370 ablösen solle, die eine völlig andersartige Form der Datenverarbeitung schaffen werde.

Kommentatoren vermuteten gänzlich neue Hardware - etwa Magnetblasen-Massenspeicher und ähnliches, assoziative Adressierung, - was immer das sein mag, Programmierung in einer dem englischen sehr ähnlichen Query language, - natürlich für jedermann und den Chef auch. In den IBM-Papieren selber hatte es geheißen, die Umstellungen seien dem Wechsel von der zweiten zur dritten EDV-Generation vergleichbar. Das allein jagte manchem Anwender Schauer unangenehmer Erinnerung über den Rücken.

Die ominöse "Future-System" und das dazugehörige Betriebssystem "O" hing wie ein Damokles-Schwert über der Branche. Insider a la Herb Grosch ließen salopp "FS/Q" auf der Zunge zergehen und es klang furchterregend.

Angst vor dem Papiertiger

Konnte man sich überhaupt noch langfristig binden? Waren nicht schon Kollegen voll auf den Bauch gefallen, die eine 155 oder 165 kauften und über Nacht bei Ankündigung der 158 und 168 merkten, daß sie einen schlagartig technisch überholten Hobel erstanden hatten? Sollte Honeywell Serie 60, ICLs New Range, Unidatas 7000-Modelle mit sicherlich beachtenswerten Neuigkeiten wirklich das allerneueste sein, wenn doch FS/Q ins Haus stand? Die große Verunsicherung scheint ein Ende zu haben.

New Yorker Financial Analysts, Branchenprofis, die jedes Gerücht verfolgen, sofern es Auswirkungen auf die Aktienkurse der DV-Firmen haben könnte, gehen jetzt davon aus, daß die Ankündigung des Future System in die achtziger Jahre verschoben wird (siehe Seite 1).

Statt Revolution jetzt Evolution, - schrittweise Hinführung der Anwender zu dem, was zwar aufgeschoben aber nicht aufgehoben ist. In der Zwischenzeit wird IBM zwar auch die Branche mit Neuankündigungen in Bewegung halten, aber die werden sich nicht wesentlich von dem unterscheiden, was die Konkurrenz auch so bietet. Die vermutliche Systemarchitektur der neuen Anlagen kommt doch bekannt vor, der gleichen gibt es schon.

Neue Planungs-Sicherheit

Sollen die Mitbewerber weinen oder lachen? Einerseits wird die Serie 370 wieder wesentlich interessanter, sie wird noch länger leben, - was übrigens der IBM kräftige Mieteinnahmen für die gleiche Hardware bringt. Andererseits können die neu angekündigten Konkurrenz-Systeme sich auf Jahre mit der 370 und wohl auch mit der künftigen 380 messen. Der Papiertiger ist tot, aber der derzeitige Tiger eben nicht.

Die eigentlich profitierenden sind wohl die Anwender. Vom Alptraum einer Totalumstellung a la 1400/360 sind sie für Jahre befreit. Es zeigt sich, daß sogar die Systeme 360 noch für Jahre nicht etwa veraltete sondern durchaus brauchbare Computer sein werden, das gilt um so mehr für die Serie 370. Aus der neuen Planungssicherheit mag resultieren, daß man sich doch langfristig binden könnte. Grünes Licht also für die Teleprozessing- und Database/ Data-Communication Pläne. Rosa Zeiten auch für Mixed Hardware-Anbieter, Gebraucht-Computer-Händler und Leasing-Leute.