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14.05.1999 - 

Kauft Big Blue Siebel?

IBM schielt auf Geschäft mit Vertriebs-Software

MÜNCHEN (CW) - Die Gerüchteküche in der IT-Branche kocht permanent. Neuesten Mutmaßungen der Analysten von Forrester Research zufolge ist eine Ehe zwischen Big Blue und Siebel Systems, einem Anbieter von Vertriebs- und Marketing-Software, möglich und sinnvoll.

Ob an den Spekulationen, die der britische Branchendienst "Computergram in Umlauf gebracht hat, auch nur ein Funken Wahrheit ist, ließ sich bis zum Redaktionsschluß nicht klären. Jedenfalls erscheinen die Argumente von Tom Gormley, Analyst bei Forrester, die für einen Merger sprechen, nicht aus der Luft gegriffen. Zum einen wäre da die Plattformstrategie von Siebel: Obwohl die IBM-Datenbank DB/2 bisher in der Regel von Siebel-Kunden gar nicht nachgefragt wurde, hat der Sales-Force-Automation-(SFA-)Anbieter vor kurzen angekündigt, in diesem Jahr rund 50 Prozent seiner Pakete auf dieser Basis zu verkaufen.

Zudem habe Big Blue ein vitales Interesse, am boomenden SFA-Markt zu partizipieren. Nachdem die Armonker im Geschäft mit sogenannter Software für die Unternehmenssteuerung (ERP) keinen Treffer gelandet haben, wolle man nun auf keinen Fall das SFA-Geschäft verpassen. Anfang letzten Jahres hatte IBM deshalb für 202 Millionen Dollar Software Artistry, einen Anbieter von Helpdesk-Software, geschluckt. Dessen Lösungen werden seit November 1998 unter der Bezeichnung "Corepoint" von einer gleichnamigen Einheit bei IBM vertrieben und gewartet.

Doch glücklich sind Big Blue und seine Kunden damit noch lange nicht. Corepoint sei gerade mal als Grundstein für ein komplettes Customer-Relationship-Management-(CRM-)Angebot zu gebrauchen, erklärte Peggy Menconini, Analystin bei AMR Research. Das Paket müsse um die reichhaltigen Vertriebs- und Marketing-Funktionen, wie sie Kunden von Paketen wie Siebel gewohnt seien, stark erweitert werden.

Ein weiteres Argument, das den Merger aus Sicht der Analysten möglich macht, sei die gut gefüllte Kriegskasse von Big Blue: Den derzeitigen Marktwert von Siebel von rund 3,4 Milliarden Dollar könnte IBM aus den Cash-Reserven bezahlen, die sich auf über fünf Milliarden Dollar belaufen sollen. Zu guter Letzt verfüge IBM durch die Käufe von Tivoli und Lotus über Erfahrungen, wie man Übernahmen organisiert. Diese Companys arbeiteten zwar unter dem Dach von IBM, hätten aber sehr viele Freiheiten, was auch dem derzeitigen CEO von Siebel, Tom Siebel, sicher sehr zupaß käme.

Unglücklich über eine mögliche Übernahme können laut Forrester eigentlich nur Beratungsunternehmen wie Andersen Consulting, Price Waterhouse Coopers, Cap Gemini, Cambridge Technology Partners, Ernst & Young oder hierzulande auch Siemens Business Services sein. Die Berater sind bislang Siebels bevorzugter Implementierungspartner und könnten im Zuge der IBM-Übernahme viel Geschäft an Big Blues Consulting-Bereich "Global Services" verlieren.