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30.01.1987 - 

Der Gewinn des Konzerns ist um mehr als ein Viertel zurückgegangen

IBM: Schlechtestes Jahresergebnis seit 1982

ARMONK/MÜNCHEN (ujf) - Stagnierende Verkaufserlöse und stetig rückläufige Mieteinnahmen, aber deutlich steigende Service-Umsätze kennzeichnen das IBM-Geschäftsjahr 1986. Bei einem mit 51,25 Milliarden Dollar fast gleichgebliebenen Jahresumsatz erlebte Big Blue jedoch auf der Gewinnseite ein Waterloo: Mit 4,79 Milliarden Dollar blieb unter dem Strich kaum mehr übrig als 1982.

Vor vier Jahren noch schienen die optimistischen Prognosen des Armonker Managements plausibel, in denen dem Konzern eine "Annual Average Growth Rate" (AAGR) - also eng jährliches Wachstum - von etwa 15 Prozent geweissagt wurde. Denn 1982 hatte die IBM ihren Umsatz um über 17 Prozent auf 34,4 Milliarden Dollar und ihren Gewinn um mehr als ein Fünftel auf 4,4 Milliarden Dollar verbessern können; 13 Prozent der Einnahmen verblieben also als Rendite. Heute, nach Abschluß des Geschäftsjahres 1986, macht sich in Big Blues Headquarters in New Yorks Peripherie Ernüchterung breit.

Das Umsatzwachstum ist auf magere 2,4 Prozent zusammengeschmolzen, der Gewinn sank gegenüber 1985 um 27 Prozent oder 1,77 Milliarden auf 4,79 Milliarden Dollar und damit unter den Wert von 1983. Im vierten Quartal, in dem traditionell mit Abstand die besten Zahlen verbucht wurden, halbierte sich der Gewinn sogar: 1985 hatte Big Blue noch möglichst viele 3090-Abschlüsse vor Jahresende abgewickelt, und diese vorgezogenen Verkäufe fehlten dann 1986.

Das Unangenehmste für den irritierten Riesen ist, daß die Gewinnmarge nur noch 9,3 Prozent beträgt. Denn damit ist IBMs Vorsprung vor der Konkurrenz dahin. Die Spitzenposition unter jenen Unternehmen, bei denen per saldo am profitabelsten gearbeitet wird, mußte Big

Blue abgeben. DEC zum Beispiel erwirtschaftete im selben Zeitraum - also dem Kalenderjahr 1986 - bei 8,41 Milliarden Dollar Umsatz einen Gewinn von 861,6 Millionen Dollar, mithin eine Umsatzrendite von fast 10,3 Prozent. Die Börse reagierte prompt: Während DEC-Aktien kräftig bis über 140 Dollar zulegten, pendelte IBM mit leuchteten Schwankungen um 120 Dollar, trotz einer fast euphorischen Hausse-Stimmung an der Wall Street mit Rekord-Indizes bei Dow-Jones oder S&P.

Betrachtet man die Umsatzentwicklung in den einzelnen Tätigkeitsbereichen der IBM, fällt vor allem die Zunahme des Servicegeschäfts bei gleichzeitiger Abnahme der Mieteinnahmen auf. Im letzten Quartal 1984 war die Wartung erstmals ein wichtigerer Posten für Big Blue als das Verleasen und Vermieten von Hardware. Seitdem geht die Schere zwischen beiden Bereichen immer weiter auseinander.

Der Verkaufsumsatz lag in den letzten vier Quartalen jeweils etwas unter, auf oder knapp über dem Vorjahreswert; übers Jahr hat er sich in etwa gehalten. Weltweit haben die VBs mit gut 34 Milliarden Dollar etwa zwei Drittel der Gesamtsumme hereingeholt. Zuwächse waren schon aufgrund der Zurückhaltung der Anwender gegenüber der 3090 und des Preisverfalls in allen Bereichen nicht realisierbar.

Mit der Bilanz dürfte die IBM trotz allem noch einmal glimpflich davongekommen sein. Denn 1985 hat der Dollarverfall kräftig geholfen, die Umsätze der Töchter in Europa in Japan aufzupolieren. Wäre die Währungsparität auf dem Stand von 1985 stehengeblieben, lägen die Umsätze aus Stuttgart, Tokio, Paris oder London um ein gutes Viertel niedriger - real ist demnach der IBM-Umsatz 1986 zurückgegangen.

Die Aussichten für 1987 sind düster: 500 amerikanische Anwenderunternehmen, die von den IDC-Marktforschern befragt wurden, planen insgesamt die Anschaffung von 202 Zentraleinheiten der 3090-Baureihe in der ersten Jahreshälfte. Von Januar bis Juni 1986 hatten sie über 1000 CPUs gekauft. Die meisten warten auf die als "Summit" bezeichnete nächste Rechnergeneration - und behelfen sich zur Freude der Broker bis dahin mit gebrauchten 3083- oder 3084-Systemen. 786 solcher Oldies stünden auf den Einkaufszetteln der Anwender - wesentlich mehr als letztes Jahr.

Über den Nachfrageengpaß soll jetzt die 9370 helfen. 45000 Einheiten seien, bereits geordert, meint Analyst Marc Schulman von Salomon Brothers in New York. Zwei Drittel der Midrange-Rechner seien für den US-Markt bestimmt. Außerdem versuche Big Blue, den Verbrauch von Rechnerzeit anzuheizen, indem das Marketing die Anwendung der Connectivity-Software und von DB2 fördert. Aber auch mittels solcher Tricks werde es nicht gelingen, an die Spitzenergebnisse von 1983 und 1984 anzuknüpfen, meint Schulman.

Für das erste Quartal 1987 erwartet Wall Street einen Konzerngewinn, der unter das Niveau von 1985 sinkt.