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08.08.2006

IBM schließt Service-Desk-Lücke

Die Übernahme von MRO Software liefert ein fehlendes Bauteil im Angebot für das IT-Service-Management.

Den Anteilseignern von MRO Software Inc. bietet IBM 25,80 Dollar pro Aktie, was auf einen Kaufpreis von rund 740 Millionen Dollar hinausläuft. Das ist etwa das 3,5-fache des Jahresumsatzes von zirka 200 Millionen Dollar, den das Übernahmeziel derzeit erwirtschaftet. Das Softwarehaus wurde 1968 gegründet. Es ist ein Ableger der Firmengruppe MRO, deren Kurzbezeichnung für Maintenance, Repair und Operations steht. Die Muttergesellschaft betreibt vor allem Asset-Management für Hardware wie Maschinen, Fahrzeuge und Pipelines von Industrieunternehmen. Ihr Softwareableger trägt zum Gesamtumsatz etwa zehn Prozent bei. IBM und MRO Software gehen davon aus, dass weder die Aktionäre noch die Börsenaufsicht den Kauf verhindern werden. Daher soll die Übernahme noch im letzten Quartal 2006 zum Abschluss kommen.

IBM kauft SOA-Spezialisten

Einen Tag vor der Übernahme von MRO hat IBM sich Webify Solutions einverleibt.

Finanzielle Details der Transaktion wurden nicht veröffentlicht. Webify sitzt in Austin, Texas, und hat gegenwärtig 122 Mitarbeiter. Webifys Chairman und CEO Manoj Saxena wird die Firma weiter führen und außerdem bei Big Blue dessen SOA-Strategie mit definieren.

Webify bietet Software und Services an, mit denen Kunden SOA-Applikationen schneller einführen können. Sein Angebot umfasst Hunderte vorgefertigte und auf Standards basierende Accelerators, Werkzeuge und Frameworks für branchenspezifische Probleme. IBM wird diese Software in seine Middleware-Sparte Websphere übernehmen. Ob die Marke Webify bestehen bleibt, wird in den nächsten ein bis zwei Monaten entschieden.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

579760: Tivoli auf Kurs zum Service-Management;

576135: Die Zukunft des System-Managements;

572890: Der Streit um das Service-Management.

Der Tivoli-Bereich wächst

MRO Software hat seine Produkte für das Asset-Management in der letzten Zeit um den Bereich Service Desk erweitert. Das Portfolio basiert auf J2EE-Plattformen und ist SOA-fähig. Außerdem bietet das Unternehmen Beratungsdienste an. Big Blue will die Produkte unter das Dach der Tivoli-Gruppe nehmen, während der Dienstleistungsbereich in IBM Global Services (GS) integriert werden soll. Es ist noch nicht bekannt, ob und unter welchem Namen die MRO-Produkte weitergeführt oder ob ihre Techniken in neue IBM-Lösungen integriert werden.

Laut Chip Drapeau, President und Chief Executive Officer von MRO, passt sein Unternehmen gut unter das große blaue Dach. Ihm zufolge hat IBM GS im Rahmen einer 1996 begonnenen Kooperation in 125 Projekten mit MRO zusammengearbeitet. Die Dienstleistungstochter von Big Blue ist MROs wichtigster Integrationspartner.

Dagmar Krause-Gross, Marketing-Managerin bei IBM Tivoli, erklärte: "Da die Angebote von MRO auf einer modernen Architektur aufbauen, können sie leicht in die SOA-basierenden Funktionen von IBM-Software wie Business-Process-Management und IT-Service-Management integriert werden." Indirekt spielt die Managerin damit auf eine Lücke im blauen Portfolio an. Denn erst im Juni 2006 hat IBM die Produktfamilie für IT-Service-Management (ITSM) vorgestellt. Sie besteht aus einem umfassenden - aber noch nicht komplett lieferbaren - Paket aus dem Modul "Change- and Configuration-Management" und mehreren "Process-Managern".

Bisher fehlte dem ITSM-Paket ein Modul für den Service Desk. IBM erklärte das mit der Absicht, sich aus diesem Markt herauszuhalten. Denn es gebe insbesondere für den Itil-Prozess Helpdesk schon zahlreiche Produktangebote, und die Anwender in Europa und den USA hätten entsprechende Lösungen installiert. Schon damals kursierten Spekulationen, IBM könne früher oder später gezwungen sein, durch eine Firmenübernahme die Lücke im Portfolio für Service-Management zu schließen. Denn Anwender in aufstrebenden Märkten wie China, Indien und Südkorea haben meist noch keine Service-Desk-Lösungen implementiert. Und auch hierzulande könnten Kunden ihre bestehenden Lösungen gegen ein IBM-Produkt austauschen, weil sie ein Angebot aus einer Hand vorziehen. (ls)