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31.01.1992

IBM: Schnelles Abspecken läßt die Börsianer hoffen

Bei Bekanntgabe des IBM-Ergebnisses für das vierte Quartal 1991 kam es zu heftigen Kursausschlägen. Zunächst reagierte Wall Street auf den ersten Verlustabschluß seit 80 Jahren mit einem heftigen Kurseinbruch. Ein Fehlbetrag von 1,38 Milliarden Dollar war nicht erwartet worden; die Aktie brach um mehrere Prozentpunkte auf 93 Dollar ein.

Beim zweiten Hinsehen stellten die Analysten fest, daß das Quartalsergebnis nach Bereinigung um Reorganisationsaufwendungen in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar im Rahmen der Erwartungen lag. Der IBM-Kurs zog daraufhin wieder kräftig an und erhöhte sich um fünf auf gut 98 Dollar. Wer dem alten Börsianerspruch "buy on bad news" gefolgt war, konnte einen schönen Trading-Gewinn einfahren. Nach Abschluß der Rechenarbeiten blieb die Erkenntnis, daß IBM im vierten Quartal 1991 bei einem Verlust von 2,42 Dollar je Aktie ein um außerordentliche Einflüsse bereinigtes operatives Ergebnis von 2,25 bis 2,5 Dollar je Aktie erwirtschaftet hatte. Im Vergleichsquartal 1990 waren es noch 4,30 Dollar gewesen.

Aus Aktionärssicht positiv bewertet werden muß das Tempo der Kostensenkung und des Personalabbaus: Anstatt der geplanten 20 000 Entlassungen wurden 29 000 Jobs gestrichen. Dennoch wird in Armonk für das laufende Jahr an den geplanten weiteren 20 000 Stellenstreichungen festgehalten.

Die Kostenanpassungs-Maßnahmen führen mittelfristig zu einer Verbesserung der IBM-Ertragskraft Sollte sich die US-Konjunktur wie erhofft erholen, werden die IBM-Gewinne kräftig anziehen. Als zyklischer Titel sollte IBM nach Jahren der relativen Kursschwäche, gemessen an der Indexentwicklung, dann überdurchschnittlich profitieren können. Der Unsicherheitsfaktor ist jedoch in zweierlei Hinsicht in der Konjunkturentwicklung zu suchen. Ob beziehungsweise wann der US-Konjunktur wieder Fahrt aufnimmt, steht in keinem Fahrplan. Entsprechend hilflos sind die Branchenanalysten. Die Gewinnschätzungen 1992 für IBM reichen von sechs bis zehn Dollar je Aktie.

Hinzu kommt die monetäre Unsicherheit. Die derzeitigen Höchstkurse in Wall Street werden ausschließlich durch die Notenbank-Politik des leichten Geldes hervorgerufen. Liquidität ist in hohem Maß vorhanden, wegen der schlechten konjunkturellen Entwicklung wird diese Liquidität nicht in der Wirtschaft gebunden, die Anlage in niedrig rentierenden Dollaranleihen ist uninteressant: Also wird die überschüssige Liquidität überdurchschnittlich stark in Dividendenpapieren investiert. Die Aktienkurse steigen.

Kommt es zu der erhofften Konjunkturerholung, wird der Kapitalbedarf der Wirtschaft wachsen, die Zinsen werden wieder steigen, und bestehende Aktienengagements werden, trotz der sich verbessernden fundamentalen Situation (Unternehmensgewinne) aufgelöst. Die Kurs würden dann fallen, anstatt zu steigen. Fazit:

Die Situation in Wall Street bleibt unübersichtlich. Das Chance-Risiko-Verhältnis der deutschen Börsen ist, wie in der Vorwoche an dieser Stelle beschrieben, besser. Den deutschen Aktienmarkt bei Rückschlägen (zum Beispiel bei Beginn eines Metallerstreiks) bevorzugen. Auf Standardwerte (zum Beispiel Siemens) setzen.