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29.03.1991 - 

Nicht nur Big Blue leidet unter Dollarhausse und Kaufunlust

IBM schockt New Yorker Börse mit Halbierung bei Aktiengewinn

NEW YORK (CW) - Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres wird die IBM Corp. schlechter abschneiden als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Armonker ließen Börsenanalysten noch vor Abschluß der ersten drei Monate wissen, daß sie die Gewinnerwartungen pro Aktie von den prognostizierten 1,80 Dollar besser auf 90 Cent pro Titel reduzieren. Die plötzlich aufgetauchten Probleme sollen die gesamte Produktpalette des Mainframers betreffen.

Die Meldung schlug an der New Yorker Börse wie eine Bombe ein. Der Aktienkurs des Computergiganten sackte in der vergangenen Woche um 12,75 auf 115,12 Dollar ab. Der Einbruch hatte Auswirkungen auf das gesamte Geschäft: Der Dow Jones rutschte um 62,13 Punkte ab. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge, sollen auch andere Computer-Hersteller in den von IBM ausgelösten Strudel geraten sein. So verlor die Digital Equipment Corp. ebenfalls 5, 25 Dollar pro Titel.

IBM begründete die Gewinnkorrektur mit einem schwachen ersten Quartal. Den stagnierenden Umsatz führten die Armonker nicht auf den Verlust von Markanteilen zurück, sondern in erster Linie auf die weltwirtschaftlich schwierige Lage und auf die durch den Golfkrieg ausgelösten Unsicherheiten bei den Kunden. Die Konkurrenz verliere ebenfalls an Boden, weil der Markt schwacher tendiere. Es würde einfach nicht mehr gekauft. So erwartet man erst ab Mitte des Jahres einen leichten Aufwärtstrend. "Wenn sich die Vermutungen der IBM bewahrheiten, dann werden wir in nächster Zeit auch bei den anderen Playern eine Menge langer Gesichter sehen - vielleicht noch nicht in diesem Quartal, aber bestimmt im nächsten", erklärte Dan Mandresh, Analyst bei Merill Lynch & Co. gegenüber dem "Wall Street Journal".

Im Gegensatz zu Big Blue selbst, führen Beobachter das schlechte Abschneiden des Mainframers in erheblichem Maße auf die dramatischen Wechselkurs-Veränderungen zurück. Bedenkt man, daß IBM 60 Prozent der im letzten Jahr umgesetzten 69.02 Milliarden Dollar außerhalb der USA machte, und Europa allein für 49 Prozent des Gewinns von 6,02 Milliarden Dollar gesorgt hat, klingt diese Einschätzung plausibel. Der Konkurrenz geht es ähnlich. Sollte der Dollar gegenüber den europäischen Währungen weiter gewinnen, werden die Konzerneinnahmen aus Europa zurückgehen und nur durch ein Erstarken des US-Geschäfts aufzufangen sein.

David Hale von Kemper Financial Service wertet den IBM-Pessimismus bezüglich der internationalen Märkte sogar als ersten Hinweis auf eine Rezession in Europa. Zwar werde sich die mißliche ökonomische Lage in den USA zur Jahresmitte hin verbessern, aber dieser Aufschwung werde wegen der schwachen europäischen Wirtschaft nicht sehr nachhaltig sein. "Es wird in den nächsten sechs Monaten etliche Meldungen über schlechte Ergebnisse von europäischen Firmen geben", sagte der Ökonom gegenüber dem US-Börsenblatt.

IBMs Rivalen im Kampf um den europäischen Markt bestätigen, daß sich der vormals boomende europäische IT-Sektor abgekühlt habe. Eine Untersuchung der IDC Corp. geht jedenfalls von einem - nach unten korrigierten - inflationsbereinigten Umsatzplus von 4,6 Prozent für 1991 aus (1990: 98,37 Milliarden Dollar). Gestützt wird diese Prognose durch die nach Meinung vieler Analysten nur minimal aufgestockten IT-Budgets der Anwender. Sollten sie mit ihrer Annahme recht behalten, daß Unternehmen in diesem Jahr nur zwei Prozent mehr für DV-Equipment ausgeben, dann stehen der einschlägigen Industrie keine rosigen Zeiten bevor.

Digital Equipment ließ verlauten, daß man ähnliche Probleme wie IBM auf sich zukommen sehe. Die Einnahmen aus dem internationalen Geschäft, mit denen man das Konzernergebnis in den letzten drei Jahren aufpeppen konnte, gehen zurück. Dem PCMer Amdahl geht es ebenso. Die Corporation mußte ebenfalls die Erwartungen der Analysten für das erste Quartal nach unten korrigieren.

Andere Mainframe- und Mini-Hersteller geben sich trotz der Schwierigkeiten des Branchenprimus optimistisch. Hitachi Data Systems ist mit dem Nachfrage-Niveau zufrieden; von HP hieß es, daß nichts Außergewöhnliches zu erwarten sei; Stratus bezeichnete die Geschäftslage als stabil und Prime will sogar bessere Geschäfte gemacht haben.

Ganz anders die PC- und Workstation-Produzenten: Apple spricht von unverändert gutem Geschäftsverlauf weltweit; Intel kann nirgendwo Einbußen entdecken und Advanced Micro Devices freut sich über prall gefüllte Auftragsbücher. Einzig Compaq beklagt das schwierige ökonomische Klima und weist vorsichtig auf ein schwieriges erstes Quartal hin.