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31.10.1980 - 

Über Gleitzeit und Zutrittssicherung zum Datenschutz:

IBM Serie/1 dreht das Kreuz am Eingang

Die Absicht, die gleitende Arbeitszeit maschinell zu erfassen, war bei Mack in Illertissen einige Jahre lang Gegenstand von Überlegungen und Thema für Diskussionen. Dann kamen nacheinander andere Vorhaben hinzu, die mit Gleitzeit nicht das Geringste und miteinander auch nur zum Teil etwas zu tun haben. Sie ergaben sich aus den verschiedensten Gesichtspunkten: aus der Verpflichtung des Unternehmens, sich selbst zu schützen; aus Bestimmungen des Gesetzgebers; aus der Konzeption besserer betrieblicher Abläufe; nicht zuletzt aber auch aus der Absicht, den Mitarbeitern das Dasein im Betrieb um ein Weiteres angenehmer zu machen.

Aber eins nach dem anderen: Da ist zum Beispiel das Arzneimittel gegen den Zugriff Unbefugter wirksam abzuschirmen, für eine chemisch-pharmazeutische Fabrik natürlich ganz besondere Bedeutung hat. Dann gibt es das Bundes-Datenschutzgesetz, das unter anderem den Benutzern von Datenverarbeitungsanlagen auferlegt, die persönlichen Daten in ihrer Hand nicht nur korrekt und den Bestimmungen des Gesetzes gemäß zu verwenden, sondern sie zugleich vor dem Zugriff Unbefugter in jeder Weise sicher aufzubewahren.

Nun gibt es bei Mack in Illertissen zwischen dem relativ leicht zugänglichen allgemeinen Betriebsgelände und dem naturgemäß sehr viel schwerer zugänglichen sogenannten Giftlager gleich eine ganze Anzahl von Bereichen oder Sektoren, die nur ganz bestimmten und jeweils verschieden zusammengesetzten Personenkreisen zugänglich sein dürfen, zum Beispiel erstens die sogenannte Chefetage, zweitens das Forschungsgebäude drittens das Rechenzentrum mit dem dort installierten IBM-System /370 Modell 125-2, viertens der Schutzraum für die Datenträger, in dem die Daten sicher sowohl vor unbefugter Verwendung wie auch vor Zerstörung durch Katastrophen für die von Zeit zu Zeit erforderliche Verarbeitung aufbewahrt werden.

Kantine bargeldlos

Zu den ins Auge gefaßten Verbesserungen betrieblicher Abläufe gehörten die Modernisierung der Datenerfassung durch Einführung eines Sammelsystems, die Modernisierung der Auftragsabwicklung sowie die Platzverwaltung für das bestehende Hochregallager.

Schließlich sollten die Mitarbeiter in der Kantine künftig das Essen nach ihrem persönlichen Geschmack sich zusammenstellen lassen und bargeldlos bezahlen können, ohne dazu in langen Schlangen stehen und warten zu müssen.

Selektive Analyse

Die Lösungen, die am Markt erhältliche sogenannte Einzweckprozessoren, mit spezifischer Software ausgestattet, für Probleme dieser Art ermöglichen, hat Mack analysiert - und für die eigenen Zwecke ungeeignet gefunden. Statt dessen sprachen beispielsweise folgende Gesichtspunkte für Rechner der IBM-Serie/1:

Erstens müßten bei Verwendung von Einzweckprozessoren mehrere Einzelsysteme, vielleicht sogar von verschiedenen Herstellern, an verschiedenen Stellen im Unternehmen installiert werden.

Zweitens besteht keine Gewähr dafür, daß diese Einzweckprozessoren ohne weiteres miteinander oder mit dem derzeit bei Mack installierten IBM-System /370 (oder, gegebenenfalls, mit dessen Nachfolgesystem) kommunizieren können.

Projektteam für Grobkonzeption

Als die Wahl der Hardware getroffen war, wurde ein Projektteam gebildet, das aus einem Systemanalytiker der Datenverarbeitung, einem Koordinator der Personalabteilung, einem Mitarbeiter des Bereiches "Technik" und einem Mitglied des Betriebsrates bestand. Die Aufgabe dieses Teams: eine Grobkonzeption für Zutrittskontrolle, Gleitzeiterfassung und bargeldlose Kantinenabrechnung zu erarbeiten.

Der Billigung dieser Grobkonzeption durch die Geschäftsleitung folgten zunächst eine Detailkonzeption sowie betriebliche Regelungen für jede der drei Anwendungen. Dann begann deren stufenweise Einführung, und zwar in der Reihenfolge: Zutrittskontrolle, Gleitzeiterfassung, Kantinenabrechnung.

Nach genauer Spezifikation der Aufgaben übernahm der Bereich "Technik" die für die Installation der Zutrittskontrolle erforderlichen Baumaßnahmen - die Installation zweier Drehtore an den Nebeneingängen zum Werk und zweier Drehkreuze an seinem Haupteingang - sowie für alle drei Anwendungen im Werk die Verkabelung der Terminals: 13 für die Zutrittskontrolle, elf für die Gleitzeiterfassung in der Nähe der Arbeitsplätze und zwei für die Kantinenabrechnung.

Pförtnerlos überwacht

Für die Zutrittskontrolle wurden am Haupteingang zwei Drehkreuze, an den beiden Nebentoren an der Nord- und der Ostgrenze des Betriebsgeländes je ein Drehtor installiert. Nachdem jeder Mitarbeiter seinen Werksausweis erhalten hatte, kam der große Tag, an dem die Zutrittskontrolle aktiviert wurde. Laut Planung und Berechnungen konnte nichts schiefgehen. Die Drehkreuze am Haupteingang können nominell je 20 Personen pro Minute durchlassen, beide zusammen also 40 und damit genug, um höchstens in den "Stoßzeiten" zu Arbeitsbeginn und Arbeitsende geringfügige Warteschlangen zu verursachen.

Trotzdem bildeten sich am Tag der Einführung schier endlose Schlangen am Haupteingang. Es war das ungewohnte Stechen mit der Ausweiskarte in den dafür vorgesehenen Schlitz im Terminal, das die Mitarbeiter daran hinderte, sich viel schneller als in einer Minute je Person und Drehkreuz Durchlaß zu verschaffen.

Sechs bis acht Wochen später war das überwunden, und drei bis vier Monate nach der Einführung konnte man bereits von reibungsloser Abwicklung sprechen.

Auch Direktoren "stechen"

Ein halbes Jahr nach der Zutrittskontrolle wurde die Gleitzeiterfassung eingeführt. Als wirksame Unterstützung erwies sich dabei die Bereitwilligkeit der Direktoren des Unternehmens, selber zu stechen. Die vorläufige, zunächst für ein Jahr gültige Gleitzeitregelung wurde im Lauf der Zeit aufgrund zahlreicher Verbesserungsvorschläge der Mitarbeiter modifiziert.

Anfängliche Schwierigkeiten wie zum Beispiel fehlerhaftes oder überhaupt vergessenes Stechen bereiten heute keine Probleme mehr.

Weitere drei Monate nach der Gleitzeiterfassung schließlich wurde die "neue" Kantine eröffnet und zugleich mit der bargeldlosen Kantinenabrechnung begonnen, wobei allerdings zunächst dem, der darauf bestand, noch die Barzahlung seines Essens eingeräumt blieb.

Warnung in der Monatsmitte

Ausgewertet wird die Vielfalt der in der IBM-Serie/1 erfaßten Daten zweimal monatlich auf dem Mackschen IBM-System /370, das mit der IBM-Serie/1 über BSC-Anschluß (mit Modems) verbunden ist. Zu den dabei ausgedruckten Listen gehören auch die Gleitzeit- und Kantinenkonten für die Mitarbeiter.

Unliebsame Überraschungen am Monatsende bleiben ihnen so erspart, weil die zweite Monatshälfte noch Gelegenheit zu Korrekturen an Linie oder Geldbeutel gibt; die Warnung kommt in der Monatsmitte.

Unerlaubte Handlung

Kurzfristig oder gar unvorhergesehen nötig werdende Änderungen in den Anwendungsprogrammen können jederzeit über Steuerungsterminal in die IBM-Serie/1 eingegeben werden. Träfe zum Beispiel einen Zutrittsberechtigten plötzlich der Verdacht, unerlaubte Handlungen zu begehen, könnte es ihm der Werkschutz über Terminal sofort unmöglich machen, mit seinem Ausweis die Zone zu betreten (oder zu verlassen), zu der er unmittelbar zuvor noch Zutritt hatte.

Bald weitere Anwendungen

Ermutigt von den Erfahrungen mit der IBM-Serie/1 arbeitet Mack jetzt an weiteren Anwendungen. Eine davon ist im Hochregallager ein Palettenplatz-Verwaltungssystem mit Datenerfassungsstationen IBM 5230 als Terminals, das sich mit nur geringem zusätzlichen Kostenaufwand realisieren lassen wird. Eine weitere ist ein mit transportablen Datenerfassungsstationen arbeitendes Datensammelsystem für die Auftragsübermittlung und -erfassung.

Uwe Haas ist Leiter der Hauptabteilung DV, Kurt H. Hahn Finanzdirektor der chemisch-pharmazeutischen Fabrik Heinrich Mack Nachf., Illertissen.

Der ungekürzte Beitrag erschien in den IBM-Nachrichten 30 (1980) Heft 249. Der Nachdruck erfolgte mit freundlicher Genehmigung der IBM Deutschland GmbH.