Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

09.03.1979 - 

Anwenderbericht Hemo Mohr KG, Hann.Münden:

IBM Serie/1-Mini optimiert Futtermittel-Rezepturen

HANN.MÜNDEN - Im zentral installierten IBM System /3 war kein "Zimmer" frei, ein Tischrechner IBM 5100 konnte die geforderte Leistung nicht bringen: Für die Optimierung von Futtermittel-Rezepturen wird bei der Hemo Mohr KG jetzt ein Minicomputer der IBM-Serie /l eingesetzt.

In sechs über die Bundesrepublik verteilten Herstellerwerken produziert Hemo jährlich rund 300 000 Tonnen Mischfutter, was einem Umsatz von etwa 200 Millionen Mark entspricht.

Die Produktpalette umfaßt neben Fertig- und Ergänzungsfuttern für Schweine und Geflügel und Rinder- und Milchleistungsfutter auch Spezialfutter, wie Milchaustauscher für Kälber und Mineralfutter.

Bereits seit Jahren befaßt sich das Haus Hemo mit der Optimierung von Futtermittelrezepten; optimale Zusammensetzung unter Berücksichtigung von Restriktionen bei gleichzeitiger Minimierung des Preises ist angestrebt. Anfangs wurden die entsprechenden Berechnungen in einem Rechenzentrum außer Haus durchgeführt. Bald war jedoch festzustellen, daß diese Bearbeitung außer Haus zu langsam war und man sich nicht mehr schnell genug neuen Gegebenheiten des weltweiten Rohstoffmarktes anpassen konnte. Eine zuerst geplante Übernahme der Programme auf die im eigenen Haus installierte IBM /3 wurde aus Kapazitätsgründen wieder fallengelassen. So entschloß Hemo sich, für diese Berechnungen eine IBM 5100 mit 48 K-Hauptspeicher einzusetzen. Mit dieser Anlage wurden zunächst gute Ergebnisse erzielt. Es stellte sich aus, daß die Maschine

die zugesagten Leistungen in zeitlicher Hinsicht nicht erfüllen konnte. Deshalb fiel die Entscheidung auf ein System der neuen Serie /1.

Die Anlage besteht aus einem Prozessormodul 4955 mit 64 KB-Hauptspeicher, einem Platten-/Diskettenmodul 4962 mit 9,3 MB Plattenkapazität, einem Matrixdrucker 4974 (120 Zeichen pro Sekunde) und einem über einen Fernschreibanschluß angeschlossenen Teleprint-Bildschirm VT 5700.

Bei der Programmierung dieses Systems konnte auf die vielfältigen Erfahrungen der wissenschaftlichen Abteilung von Hemo und auch der EDV-Abteilung zurückgegriffen werden, so daß in, Zusammenarbeit mit dem Dipl.-Math. Reinhard Pigors, Hameln, ein Programmpaket, entstand, das allen Anforderungen, die ein Futtermittelwerk an stellen muß, gerecht wird.

Das Programm arbeitet mit einem integrierten Real-Time-Betriebssystem, das von Pigors für diese Anwendung entwickelt wurde. Das Programmpaket befindet sich auf einer Diskette mit IPL-Vorspann zum automatischen Laden. Die Programm-Moduln sind in Assembler geschrieben. Alle notwendigen Daten befinden sich auf der Magnetplatte in festgelegten Dateien. Für die Datenspeicherung gibt es vier Suchbegriffe oder Identifikationsmerkmale: Die Artikelnummer, die Komponentennummer, die Inhaltsstoffnummer und die Preislistennummer. Insgesamt können 400 verschiedene Komponenten mit je 64 Inhaltsstoffen gespeichert werden, außerdem die Restriktionen für insgesamt 640 verschiedene Artikel mit je 64 verschiedenen Komponenten- und 64 Inhaltsstoffpaaren.

Absolut und relativ

Alle Steuerbefehle und Daten werden primär am Bildschirm oder alternativ über Disketten eingegeben. Das Eingabeformat ist in beiden Fällen gleich. Da die Anlage kompatibel mit den in der EDV-Abteilung eingesetzten Diskettenstationen ist, können größere Datenmengen dort erfaßt und schnell verarbeitet werden. Das Eingabeschema ist so gegliedert, daß nur wenige Eingabezeichen notwendig und möglichst kurze Antworten möglich sind. Jede Bearbeitung eines Eingabesatzes vom Bildschirm oder von der Diskette löst Protokollmeldungen aus, die mit der Uhrzeit und Eingabeeinheit gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden können. Daten können sowohl absolut wie auch relativ eingegeben werden. Vor der Speicherung wird grundsätzlich eine Plausibilitätsprüfung durchgeführt. So darf ein Maximalwert nicht kleiner als ein Minimalwert sein. Nicht mehr benötigte Daten können vollends gelöscht und in allen Verzweigungen in Grundstellung gebracht werden.

Die Dateien sind in verschiedenen Übersichtslisten sortiert abrufbar, entweder über den Bildschirm oder über en Drucker. Das Format ist in beiden Fällen gleich. Während des Ausdruckens arbeiten alle anderen Hauptprogramme weiter, sofern sie nicht den Drucker benötigen.

Zur Datensicherung können die Dateien schnell auf Disketten (einseitig und zweiseitig) kopiert und auch zurückübertragen werden. Das eigentliche Optimierungsprogramm wird mit drei Parametern aufgerufen, und zwar mit der Artikelnummer, der Preislistennummer und einer Chargenmenge (in kg). Die Rechengeschwindigkeit im Vergleich zur früher eingesetzten 5100 ist etwa mit dem Faktor 1 : 1000 darzustellen. Durch geschickte Programmierung wird sofort nach dem Programmierung wird sofort nach dem Programmaufruf der Überschriftteil ausgedruckt. Nach dieser Druckzeit ist die Rechenzeit bereits beendet, so daß ohne Wahrnehmen einer Verzögerung weiter ausgedruckt wird.

Eine vollständige Optimierung besteht aus zwei übersichtlichen Blättern. Zuerst werden die in die neue Rezeptur eingesetzten Komponenten, mit ihren optimierten Mengen, daneben die geforderten Restriktionen und dann der vorgegebene Komponentenpreis gedruckt. Für Komponenten, deren eingesetzte Mengen an einer Restriktionsgrenze liegen, wird neben dem tatsächlichen Preis der Grenzpreis (die Preiswürdigkeit) angegeben sowie der Betrag, der die Gesamtkosten der Mischung verändern, würde, wenn eine Einheit mehr eingesetzt wird. Danach werden die Inhaltsstoffe wiederum mit den geforderten Min- und Maxwerten angegeben. Alsdann folgen die nicht eingesetzten Komponenten mit ihren Restriktionen, dem vorgegebenen Preis und dem Grenzpreis.

Optimale Restriktionen

Auf dem zweiten Blatt erscheint die Mischanweisung nur dann, wenn im dritten Aufruf-Parameter eine Chargenmenge angegeben wurde und die Aufgabenstellung lösbar ist, also keine "Schranke" gemeldet wurde.

Die Mengen für die einzelnen Komponenten sind in Kilogramm angegeben. In der Mischanweisung rechnet das Programm die Mengen auf die vorgegebene Chargengröße der jeweiligen Produktionsanlage um. Dabei werden automatisch produktionsbedingte Rundungen vorgenommen. Da sich das auf den Preis und auf die Inhaltsstoffe auswirkt, wird der sich nach der Rundung ergebende neue Preis in der Mischanweisung wieder mit ausgegeben. Desgleichen werden die veränderten Inhaltsstoffe noch einmal aufgeführt.

Die bereits erwähnte relative Dateneingabe, in Verbindung mit der Befehlssteuerung über Diskette, macht es möglich, mit einem Aufruf mehrere verschiedene Versionen desselben Futters zu errechnen.

Grundsätzlich wurde darauf verzichtet, die Optimierungsergebnisse am Bildschirm anzeigen zu lassen, um dann, vor dem Ausdruck, noch zu ändern. Dieses würde die Anlage unrationell belasten Das Ergebnis wird gedruckt, und die Fachabteilung ändert gegebenenfalls die Restriktionen. Hierbei sind die Forderungen, einer leistungsfähigen Veredlungswirtschaft zu berücksichtigen, daneben aber auch Marktgegebenheiten, enge gesetzliche Bestimmungen und nicht zuletzt die Schmackhaftigkeit des Futters; denn beste Rezeptur ist schlecht, wenn das Futter vom Tier nicht aufgenommen wird.

*Gerhard Beuermann ist Prokurist und EDV-Leiter der Hemo Mohr KG