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28.07.2000 - 

Konflikte mit AIX und Monterey werden heruntergespielt

IBM setzt bei Servern zunehmend auf Linux und Open Source

BÖBLINGEN (CW) - Einen weiteren Schub erhält das Open-Source-Betriebssystem Linux durch das verstärkte Engagement von IBM auf diesem Sektor. Hochrangige Manager des Unternehmens haben für die nächsten vier Jahre Investitionen von 200 Millionen Dollar bekannt gegeben.

Bei der Vorstellung der strategischen Ausrichtung im Forschungs- und Entwicklungszentrum der IBM in Böblingen war die europäische Führungsriege des IT-Riesen vertreten. Mit den verkündeten Maßnahmen unterstreicht das US-Unternehmen, dass das Pinguin-System nun im Mittelpunkt des Betriebssystem-Geschehens steht. In mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Ungarn und Polen, soll in neuen Linux-Centern die Anwendungsentwicklung unterstützt werden. Dabei werden bis zu 600 spezialisierte Berater zum Einsatz kommen. Ab dem zweiten Halbjahr 2000 sollen laut Mike Lawrie, dem General Manager für Europa, "Anwendungen auf Linux-fähigen Servern aggressiv vermarktet werden". Die neuen Entwicklungszentren werden Anwendern wie Systemhäusern und Softwareherstellern die Möglichkeit bieten, Linux-Anwendungen eingehend unter realitätsnahen Bedingungen zu testen. Eine wichtige Rolle beim Open-Source-Engagement von Big Blue spielt der Distributor Suse. Mit Hilfe des Nürnberger Unternehmens wurde kürzlich eine Vorabversion der Linux-Distribution für IBMs S/390-Mainframes vorgestellt.

Bekenntnis auch zu AIX und MontereyNoch in diesem Jahr soll mit der fertigen Version zu rechnen sein. Eine Fokussierung auf einen Linux-Distributor möchte das Unternehmen allerdings ausdrücklich vermeiden. Es arbeitet weltweit projektbezogen mit verschiedenen Linux-Schmieden wie Red Hat, Suse, Mandrake oder Turbolinux zusammen.

Linux verspricht im Mainframe-Bereich neue Möglichkeiten der Konsolidierung und Rezentralisierung. Auch für IBM dürfte sich der breite Einsatz von Linux auf seiner gesamten Server-Palette lohnen, weil dadurch ein großer Teil der Entwicklungsaufgaben gebündelt werden kann.

Die IBM-Führungsmitglieder vermieden konkrete Angaben über die Auswirkungen auf die anderen Betriebssysteme des Unternehmens. Das IBM-eigene Unix-Derivat AIX beispielsweise ist nach Aussage von Irving Wladawsky-Berger, dem Vice President Technology and Enterprise Systems, keinesfalls durch Linux bedroht und hat weiterhin strategische Bedeutung für das Unternehmen. Auch das Projekt Monterey, in dem IBM zusammen mit SCO die Portierung von AIX auf die 64-Bit-Intel-Plattform vorantreibt, ist laut Wladawsky-Berger nicht berührt. Der Mann, der bei IBM maßgeblich das Internet- und das Linux-Engagement forciert hatte, wies auch Spekulationen zurück, wonach der mögliche Verkauf der SCO-Betriebssystem-Sparte an Caldera einen Einfluss auf Monterey haben könnte. Zu den anderen Betriebssystemen hieß es von IBM, dass deren Überleben jeweils von der installierten Basis abhänge. Die Investitionen in OS/390 würden fortgeführt, die in OS/400 und AIX sollen sogar ausgeweitet werden. Dass das OS/2-Engagement allmählich heruntergefahren wird, ist bereits seit längerem beschlossen und hänge daher nicht mit der Linux-Strategie zusammen.

Entscheidend für die Überlebensfähigkeit eines Betriebssystems sei letzten Endes, ob es eine große installierte Basis und vor allem viele Anwendungen gebe. Immerhin unternimmt Big Blue große Anstrengungen, den Wildwuchs einzudämmen, indem es zukünftig Anwendungen verstärkt Linux-kompatibel sowie leicht portierbar gestaltet. Eines der vordringlichen Ziele ist es derzeit, AIX- und Linux-Anwendungen quellcodekompatibel zu machen.

Dirk Hohndel, Cheftechniker von Suse, wagte die Prognose, dass in vier bis sechs Jahren ein Großteil der jetzigen Betriebssysteme verschwunden sein wird. Gerade den kommerziellen Unix-Derivaten sagt er ein großes Sterben voraus - von den über zwanzig Varianten werde Linux zu den wenigen überlebenden gehören.

Befürchtungen, IBM könnte Linux für sich vereinnahmen, wurden zurückgewiesen. Laut Wladawsky-Berger garantiere der Open-Source-Status, dass kein Hersteller die Kontrolle übernehmen könne. Das Unternehmen gab überdies ein klares Bekenntnis zur Open-Source-Bewegung und zur Linux-Community ab. IBM beabsichtige, viele Programme unter der Gnu General Public Licence (GPL) zu veröffentlichen. Hier könnten unternehmensintern Konflikte programmiert sein, da zu den bisherigen Stärken der IBM die regelmäßigen vielen Patentanmeldungen gehören.