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17.08.2015 - 

LinuxOne

IBM setzt beim Mainframe noch stärker auf Linux

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Linux auf IBM-Großrechnern gibt es schon seit 15 Jahren. Heute feuert der Konzern eine weitere mächtige Breitseite in Richtung der nächsten Developer-Generation.

IBM kündigt heute anlässlich der LinuxCon North America 2015 unter der neuen Dachmarke "LinuxOne" zwei neue Großrechner für reinen Linux-Betrieb an. Das größere System wurde nach dem Kaiserpinguin "Emperor" getauft und läuft auf der Hardware des aktuellen z13-Großrechners. Die kleinere Maschine, "Rockhopper" nach dem Felsenpinguin, soll eher mittelständische Anwender adressieren. Außerdem macht IBM deutlich mehr wichtige Open-Source-Software auf dem Mainframe verfügbar, stiftet selbst eine Menge weiteren Mainframe-Code an die Open-Source-Community und beteiligt sich last, but not least am neuen Projekt "Open Mainframe" der Linux Foundation.

Der IBM LinuxOne Emperor basiert auf dem aktuellen z13-Großrechner.
Der IBM LinuxOne Emperor basiert auf dem aktuellen z13-Großrechner.
Foto: IBM

Für den LinuxOne Emperor reklamiert IBM eindrucksvolle Leistungswerte: Mit dem schnellsten Prozessor der Industrie, der dicksten I/O-Pipe, 10 Terabyte Hauptspeicher und vier Cache-Levels schaffe der Bolide 8000 virtuelle Server oder zehntausende Container in einem System, 30 Milliarden RESTful Web-Interaktionen mit über 350.000 Lese- und Schreibvorgängen auf die Datenbank pro Sekunde sowie Support für zehntausende simultane Nutzer und gleichzeitigen Betrieb von Dev, Test und Production in einem System. Emperor und Rockhopper sind ab sofort verfügbar und kommen mit erweiterten Verschlüsselungsfunktionen in Hard- und Software.

"Vor fünfzehn Jahren überraschte IBM die Branche mit dem Schritt, Linux auf dem Mainframe einzuführen. Heute nutzen mehr als ein Drittel der IBM-Großrechnerkunden Linux", sagt Tom Rosamilia, Senior Vice President, IBM Systems. "Wir vertiefen unser Engagement mit der Open-Source-Community und kombinieren das Beste aus der offenen Welt mit dem derzeit fortschrittlichsten Computersystem in der Welt. Damit verschieben wir die Grenzen des Möglichen weiter - weit jenseits der Fähigkeiten von x86-Commodity-Systemen, die nicht für extrem hohe Sicherheits- und Leistungsanforderungen entwickelt worden sind."

Den LinuxOne Rockhopper positioniert IBM für mittelständische Anwender.
Den LinuxOne Rockhopper positioniert IBM für mittelständische Anwender.
Foto: IBM

Das Ganze bekommen Kunden auf Wunsch auch ohne jegliche Anfangskosten im Abonnement mit monatlicher oder vierteljährlicher Grundgebühr und variablen, sprich entweder höheren oder niedrigeren Kosten je nach Nutzung. Den IBM-Software-Stack für Linux können Anwender auf monatlicher Basis in einem Per-Core-Modell mieten. Mainframe-Linux-Anwender bekommen viel Wahlfreiheit und können etwa die Distribution (Red Hat, Suse, ...), den Hypervisor (PR/SM, z/VM und neu auch das dafür in Böblingen entwickelte KVM), Sprachen (Python, Pearl, Cobol, Java, Node.js), Management-Werkzeuge (Wave, IBM Cloud Manager, OpenStack, Docker, Chef, Puppet, VMware vRealize Automation), Datenbank (Oracle, DB2LUW, MariaDB, MongoDB, PostgreSQL) sowie Analytics (Hadoop, Big Insights, DB2BLU, Spark) al gusto bestimmen.

Als Linux-Distribution steht zukünftig für LinuxOne und überhaupt System z auch Ubuntu zur Verfügung, dessen Sponsor Canonical "Big Blue" für eine entsprechende Zusammenarbeit gewinnen konnte. Ubuntu war anders als Red Hat und Suse zunächst primär auf dem Desktop populär, gewinnt seit geraumer Zeit aber auch auf dem Server an Bedeutung. Deswegen habe IBM auch Canonical wegen einer Großrechner-Distribution angesprochen, sagte John Zannos von Canonical dem Branchendienst "TechCrunch". Beide Unternehmen arbeiteten in der Vergangenheit bereits beim Projekt OpenPower zusammen. Charles King, Principal Analyst bei Pund-IT, glaubt, dass beide Seiten von der Kooperation profitieren werden. "IBM sollte das die Tür bei Kunden öffnen, wo Canonical besonders stark ist", sagt der Experte. "Canonical dürfte noch mehr davon haben, indem es mit den großen Konzernen zusammenkommt, die IBMs traditionelle Mainframe-Kundenbasis bilden."

Als "neutralere" Anlaufstelle für Linux und Open Source auf dem IBM-Mainframe soll das neue Open-Mainframe-Projekt unter dem Dach der Linux Foundation dienen, das laut Jim Zemlin, Executive Director der Stiftung, die gestiegene Nachfrage nach FOSS-Lösungen für die Großrechner widerspiegelt. "Das Open Mainframe Project gibt Kunden, Herstellern und Dienstleistern einen Ort, wo sie zusammenkommen können", kommentiert Ross Mauri, IBMs General Manager z Systems. Bislang sind aber abgesehen von IBM vor allem "übliche Mainframe-Verdächtige" wie BMC, CA Technologies oder das Marist College mit von der Partie.

Open Mainframe wird mit 250.000 Zeilen Code nicht unerheblich von IBM angeschoben. Ein wesentlicher Teil ist laut Ankündigung vorhersagende Analytiksoftware, die ständig Ausschau nach ungewöhnlichem Systemverhalten hält und rechtzeitig verhindert, dass Softwareprobleme sich zu Systemausfällen auswachsen. Mit dem Code lassen sich nach Einschätzung von IBM ähnliche Analyse- und Reaktionssysteme auch auf anderen Plattformen realisieren.

Die Stärken des Großrechners - dynamische Verteilung von Ressourcen, nicht-disruptive Skalierbarkeit, kontinuierliche Verfügbarkeit, operationale Effizienz, Sicherheit für Daten und Transaktionen - sind immerhin legendär. Developer ohne direkten Zugriff sollen sich davon über das kostenlose neue Simulations-Tool "LinuxOne Developer Cloud" überzeugen können, mit dem man Linux-Applikationen für den Mainframe entwickeln, testen und pilotieren kann. Außerdem lässt sich mit der LinuxOne Cloud ausprobieren, wie gut solche Anwendungen mit mobilen Apps und in Hybrid-Cloud-Szenarien funktionieren. Für Mainframe-Softwareanbieter will IBM selbst eine spezielle und dedizierte Cloud an drei Standorten (einer davon Böblingen) hosten.

Für sowohl die IBM als auch ihre ISV-Partner ist der Schritt ein ziemliches Wagnis, weil sie damit lange Zeit geschützte (und hoch profitable!) Pfründe ein gutes Stück weit dreingeben. Alle Beteiligten wissen aber auch, dass der schon so oft totgesagte Mainframe längerfristig nur dann überleben kann, wenn es gelingt, auch die nächste Generation Entwickler und Anwender dafür zu gewinnen.

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