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17.06.1977

IBM setzt jetzt wirklich auf Distributed Processing

Distributed Processing kann sicherlich als Kompromiß zwischen zentralisierter DV und dezentralisierter DV betrachtet werden - und zweifellos sieht IBM das so. Mit den jüngsten, preislich sehr interessanten Ankündigungen des Marktführers (neue Datenstationen 3276 und 3278, neue Controller (3274 und Verbesserungen bei 3770 und 3790 und neue DP-Programmierhilfen) wird deutlich, daß Distributed Processing - für den Normalanwender seit langem richtungsweisendes Schlagwort und nicht mehr - jetzt doch machbar wird.

Denn IBM muß DP machbar machen. Angesichts der Verfügbarkeit extrem preisgünstiger Minicomputer - Systeme für die DV vor Ort in Fachabteilungen und Filialen (spektakuläres Beispiel: Citibank, New York) hieße Dezentralisierung der DV ein allgemeines Vordringen der Minimaker-Stand-alone-Systeme zu Lasten der großen Zentralen.

Wider die Insellösungen

Was für den Marktführer eine Katastrophe wäre, ist auch für den Anwender nicht wünschenswert, nämlich zunehmend dezentrale isolierte Insellösungen (ein organisatorischer Rückschritt, wenngleich kostensparend) statt integrierter Datenverarbeitung mit Verfügbarkeit der erforderlichen Informationen auch in den Zentralen. Nur, Letzteres muß machbar und dabei auch kostengünstig sein.

Dafür werden die Voraussetzungen immer besser. Nicht nur die Bildschirme wurden spektakulär billiger (von etwa 400 Mark pro Monat auf 187 Mark, wenngleich sich die Steuereinheiten verteuerten); auch wurden die Satellitenrechner (Controller) in der Speicherkapazität bis auf das Dreifache (30 K) erweitert und neue Software für sie angekündigt (DMS/3790), die ihre Programmierung erheblich vereinfacht.

Die neuen Ankündigungen und drastischen Verbesserungen des Preis/Leistungsverhältnisses waren mehr als ein Schuß vor den Bug der Konkurrenz, die es immerhin an der Peripherie sehr wohl gibt. Wie lange noch? Das war wohl eher ein direkter Angriff. Dabei vollzieht IBM nicht nur nach, was der Wettbewerb erzwingt.

Gesamtverantwortung durch Gesamtsteuerung

Vielmehr bestimmen eigene Konzepte für das Distributed Processing die Strategie. IBM versucht mit entsprechender Hardware und Software (SNA-Konzept) seine Kunden davon fernzuhalten, autonome, von der Zentrale unabhängige Subsysteme zu realisieren. SDLC in Verbindung mit NCP sorgen dafür, daß die zentralen 370-Systeme das ganze DP-Netz steuern. Ohne Host-Rechner läuft nichts und die Software erzwingt durch jeweils neueste Releases Abhängigkeiten auch an den entferntesten Netz-Vorposten. Steckerkompatible Konkurrenz kann deshalb bis auf weiteres bestenfalls einzelne Netzkomponenten ersetzen, aber nicht die Abhängigkeit des IBM-Anwenders vom IBM-Gesamt-System-Konzept bewirken, einige ganz große, wirklich mündige Anwender ausgenommen.

Und IBM-Gesamtsystem-Steuerung - also

Gesamtverantwortung - schafft erneut Argumente für die "reinrassige Lösung", wie sie von der Mixed-Hardware-Szene bekannt sind, denn offensichtlich denkt IBM seit längerem nicht mehr daran, den Markt der TP-Peripherie weitgehend der Konkurrenz zu überlassen. Das beweist allein die große Zahl der in jüngster Zeit angekündigten Satelliten- und Daten-Stationen, wobei Plasma-Display (Banken-Terminal-System 3600), Inkjet-Printer (Textverarbeitungs-System/6) und tastsensible Eingabefelder (Industrie-Terminal 5300) Vorreiter sind für das, was noch kommen wird.

Die Zeit der einsamen großen Zentralen mit bestenfalls einigen dummen Bildschirmen ist bald endgültig vorbei.