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24.06.1983 - 

Der Marktführer setzt seine Beteiligungspolitik fort:

IBM sichert sich PBX-Know-how von Rolm

ARMONK/STUTTGART/MÜHLHEIM AM MAIN - Zwei Fliegen mit einer Klappe will die IBM Corp. offenbar mit ihrer jüngsten Beteiligungsofferte an Die Rolm Corp. schlagen: Rund 228 Millionen Dollar läßt sich Big Blue die fünfzehnprozentige Schachtel an einem Unternehmen kosten, das sowohl auf dem Markt für digitale Nebenstellenanlagen (PBX) als auch durch die Entwicklung seines Ada-Compilers als führend gilt.

Die kanadische Mitel, die seit 1982 mit IBM an der Entwicklung neuer Nebenstellenanlagen arbeitete, hat aus dem Announcement des Marktführers bereits Konsequenzen gezogen und ihrerseits die amerikanisch-kanadische Kooperation für beendet erklärt. Da Mitel erhebliche Probleme bei der Softwareentwicklung für ihre digitale Nebenstellenanlage SX 2000 hatte, sah sich IBM wohl nicht zuletzt deshalb nach einem neuen PBX-Partner um.

Das finanzielle Engagement bei Rolm deutet aber vor allem darauf hin, daß IBM seine Bemühungen, in den Office-Automation-Markt einzusteigen, offenbar noch mehr forciert. Wie von der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart zu erfahren war, beinhaltet das Abkommen der beiden Unternehmen nämlich auch das Ziel, die Entwicklung von Standards "für die Kommunikation von Zentralcomputern und Bürosystemen wie zum Beispiel digitale Nebenstellenanlagen, Telefone, Datenstationen und Personal Computer" voranzutreiben.

Seit geraumer Zeit verfolgt Rolm bereits das Konzept, Nebenstellenanlagen nicht nur als normale Telefonanlagen einzusetzen, sondern zusätzlich auch als "Local Area Network" für die Bürokommunikation insgesamt. Faßt Karlheinz Peters, Verkaufsleiter für Deutschland bei der Rolm GmbH, Mühlheim am Main, zusammen: "Unserer Philosophie entspricht es, daß wir Ethernet oder sonstige LANs nicht unbedingt als notwendig erachten, ausgenommen vielleicht für bestimmte Anwendungen mit höheren Übertragungsraten." Zweiadrige Telefonleitungen seien zur Koppelung digitaler Geräte im Büro zumeist ausreichend. Nachdem Rolm bereits über PBX-Anlagen Sichtgeräte und Rechner von Data General, DEC und Hewlett-Packard verbinde, habe man vor kurzem ein Ingenieurunternehmen in den USA beauftragt, eine Schnittstelle für IBM-Rechner zu entwickeln.

Die Vereinbarung der beiden Companies ist jedoch nicht nur für den amerikanischen Markt bedeutsam. Vorgesehen ist - so die Stuttgarter IBM - ausdrücklich, daß "Joint-ventures außerhalb der USA möglich" sind. Nach der PBX-Kooperation zwischen AT&T und Philips auf dem europäischen Markt dürfte wohl die Gründung einer entsprechenden Rolm-IBM-Tochter nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen, wenngleich die beiden deutschen Ableger derartige Überlegungen noch ins Reich der Spekulation verweisen.

Für die Armonker ist die Rolm-Beteiligung langfristig aus einem weiteren Grund höchst interessant: Rolm gilt, was den Einsatz von Minirechnern für militärische Spezifikationen anbelangt, weltweit als führend. Soeben hat das Ada Joint Program Once des US-Verteidigungsministeriums außerdem bekanntgegeben, daß der gemeinsam von Rolm und Data General entwickelte Ada-Compiler als erster die Validierung erhalten hat.

Im Unterschied zur derzeit herrschenden Meinung hierzulande sind Rolm und andere US-Unternehmen der Auffassung, daß Ada sich nicht nur im militärischen Bereich als einzige standardisierte Programmiersprache durchsetzen, sondern auch bei kommerziellen Anwendungen eine zunehmend wichtige Rolle spielen wird. IBM selbst - so besagen Spekulationen aus den Staaten - soll sogar beabsichtigen, Ada in Zukunft als System-Implementierungssprache einzusetzen. Die Rolm-Beteiligung würde Big Blue in die Lage versetzen, sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern.

Zunächst muß allerdings die amerikanische Kartellbehörde dem Deal der beiden Unternehmen zustimmen und prüfen, ob deren Kooperationsabsicht nicht den Antitrustgesetzen zuwiderläuft. In den USA geht man aber davon aus, daß die Regierung Reagan nichts dagegen einzuwenden hat. Auch weitere IBM-Minderheitsbeteiligungen werde man, so heißt es, wohlwollend zur Kenntnis nehmen, solange sich die Armonker - wie schon bei Intel im vergangenen Jahr und jetzt auch bei Rolm - eine Art stillschweigender Selbstbeschränkung unterwerfen.