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25.07.1975 - 

US-Gericht entscheidet: Haftung des Herstellers für Versprechungen der VB's

IBM soll Anwender 11,4 Mio Dollar zahlen

PROVIDENCE (Rl) - Das war die bisher bedeutsamste Gerichtsentscheidung, die zugunsten eines DV-Anwenders getroffen wurde: IBM wurde vom Erst-lnstanz-Gericht in Providence (Rl) verurteilt, an die Catamore Enterprises Inc. 11,4 Millionen Dollar Schadenersatz und entgangenem Gewinn zu zahlen weil ein Fertigungssteuerungsverfahren nicht ordnungsgemäß so wie bestellt funktionierte. Der Schmuckwarenhersteller, der sich mit IBM anlegte, machte vor Gericht ferner geltend, er sei ein Opfer des "Underselling" geworden - der Verkäufer habe ein kleineres System angeboten, als tatsächlich nötig war, um zum Abschluß zu kommen. Außerdem war die Firma Catamore 1969 davon ausgegangen, daß die Software mitgeliefert würde - den Übergang zum "Unbundling" bei IBM am 1. Januar 1970 empfand der Kunde als Betrug. Catamore Enterprises Inc., die 1969 weder eine EDV noch Angestellte mit DV-Erfahrung besaß, bestellte eine 360/20 mit 12 K, nachdem der Verkaufsbeauftragte, Maurice Davitt, erklärt hatte, das System reiche für Fertigungssteuerung und Auftragsbearbeitung. VB Davitt konnte schon bald den Auftrag dann auf ein 16-K-System aufstocken und 1971 mußte schließlich eine 360/25) installiert werden. Ärger beim Kunden verursachte auch die Empfehlung, zur \/orbereitung des Computer-Einsatzes auf neue Schlüssel überzugehen, nach denen sich dann die Waren schlechter finden und zusammenstellen ließen als mittels des alten Verfahrens.

Totales Chaos

Catamore Inc. hatte ein funktionsfähiges System bestellt - das war auch mündlich zugesagt worden. Der Schmuckwarenhersteller wollte sein Geschäft ausweiten - und machte nun vor Gericht geltend, er habe weniger umgesetzt und Kunden verloren, weil er nicht genügend produzieren und bestellte Ware nicht ausliefern konnte. Ursprünglich war das Ganze ein Fall IBM contra Catamore gewesen: der Hersteller hatte den Kunden auf Zahlung rückständiger Mieten verklagt. Der Kunde erhob daraufhin Widerklage und verlangte schließlich 26 Millionen Dollar Schadensersatz. Zugesprochen wurden Catamore 8 Millionen Dollar für Verlust von Kunden und 3,4 Millionen Dollar für entgangenen Gewinn.

IBM haftet für fahrlässige VBs

Catamore-Anwalt Thomas K. Christo nach dem Erfolg: "Das Urteil hat gezeigt, daß sich Kunden nicht hereinlegen lassen müssen. Wir haben durchgesetzt, daß eine mündliche Vereinbarung gilt und daraufhin auch Schadensersatz verlangt werden kann. Das Verfahren zeigte, daß ein Verkäufer auch für Fahrlässigkeit und nicht nur für grobe Fahrlässigkeit oder gar Betrug haften muß". IBM kündigte Berufung an.

Die Vorgänger waren kleine Fische

Die IBM-Tochter Service Bureau Corp. hatte schon 1969 eine halbe Million Dollar Schadensersatz an die US-Firma SM Auto Supply Co. zahlen müssen, weil sie die Möglichkeiten eines Inventur-Systems falsch dargestellt hatte. 1971 verlor IBM einen vom französischen Verlagshaus Flammarion angestrengten Prozeß; Flammarion hatte geklagt, weil eine vom IBM empfohlene Konfiguration den Bedürfnissen nicht entsprochen und zu Desorganisation führte. Auch Borroughs hat schon einmal einen solchen Prozeß verloren: 1972 mußten wegen Nichteinhaltung mündlicher Versprechungen eines VB 56 000 Dollar an die US-Firma Carl Beasley Ford gezahlt werden.