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01.12.1989 - 

US-Kongreß untersucht Big Blues Praktiken

IBM soll Gebrauchtsysteme als neu deklariert haben

WASHINGTON (CW/vwd) - Ein Untersuchungsausschuß des Kongresses nimmt Computerverträge unter die Lupe, die die US-Marine mit der IBM im Wert von mehr als drei Milliarden Dollar abgeschlossen hat.

Dabei geht es um gebrauchtes Equipment für die Navy, das von IBM allem Anschein nach als neu deklariert worden ist, und um eine Verletzung der "Buy American"-Gesetze durch die Armonker.

Ermittlungsbeamte der General Service Administration (GSA), der zuständigen Bundesaufsichtsbehörde, untersuchen beide Fälle, um festzustellen, ob bei der IBM Betrugsabsicht vorgelegen hat. Neben dem Verkauf von gebrauchter, aber als neu deklarierter, DV-Ausrüstung geht es auch um den Vorwurf, Big Blue habe Komponenten fälschlicherweise als in den USA hergestellt angegeben und damit gegen das "Buy-American"-Gesetz verstoßen. Gegenüber der Financial Times sagte Edward Hefferon, stellvertretender Inspector-general der GSA: "Es scheint so, als wenn IBM die Bedingungen des Regierungsvertrages verletzt und gegen Bundesgesetze verstoßen habe."

Die IBM äußerte sich vorletzte Woche zu den Vorwürfen und bestätigte zwar, daß man in der vorgeworfenen Weise gehandelt habe, wies aber jede betrügerische Absicht scharf zurück. Dazu ein IBM-Sprecher: "Beide Fälle resultieren aus administrativen Fehlern, nicht aus der Absicht, die Regierung zu betrügen."

Nachdem die Probleme in internen Untersuchungen aufgedeckt worden seien, hätte das Unternehmen den "Gebraucht-für-Neu-Fall" bereits im Februar 1987 der Regierung gemeldet und den Verstoß gegen das "Buy-American"-Gesetz im Februar 1988 der GSA zur Kenntnis gebracht.

Die Vorwürfe wurden im Rahmen einer Untersuchung erhoben, die der US-Kongreß über die deutliche Bevorzugung der IBM bei Großaufträgen seitens der Navy angestrengt hat (siehe COMPUTERWOCHE Nr. 47 vom 17. November 1989, Seite 1). Wenn die Ergebnisse zivil-rechtliche oder strafrechtliche Maßnahmen rechtfertigen, werde der Fall an das Justizministerium weitergeleitet, erklärte ein Regierungssprecher.

Die Regierung kann eine Reihe von Strafen verhängen - bis hin zum Ausschluß der IBM von Auftragsausschreibungen. Insider wollen außerdem unter Kongreßmitgliedern den Trend beobachtet haben, IBM-Geschäfte mit der Regierung einzuschränken.

Um welchen Betrag es sich beim fraglichen Geschäft gehandelt hat, ist noch nicht eindeutig festgestellt worden. Allerdings berichtete die GSA, das Problem gehe auf jeden Fall über Navy-Verträge hinaus und scheine Ausrüstung im Wert von 700 bis 880 Millionen Dollar zu betreffen. Die IBM behauptet hingegen, sie habe weniger als zwei Prozent des Vertragswertes mit gebrauchtem Equipment realisiert.

Ein IBM-Sprecher versuchte abzuwiegeln: "Die betreffenden Systeme sind vorher inspiziert, getestet und - soweit notwendig - überholt worden". Außer dem habe man die gleiche Garantie wie auf neue Produkte gegeben.