Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Entwicklung und Partnerschaften sollen ausgebaut werden


22.12.2000 - 

IBM steckt Milliarden in Linux und ASP-Geschäft

MÜNCHEN (CW) - IBM plant, im nächsten Jahr eine Milliarde Dollar in die Entwicklung von Linux-Produkten und -Services zu investieren. Weitere vier Milliarden Dollar will der Konzern in den Ausbau seines Service-Provider-Geschäfts stecken.

Die Linux-Milliarde soll laut IBM-Chef Louis Gerstner in die Entwicklungslabors sowie den Aufbau von Partnerschaften und Vertrieb fließen. Im Linux Technology Center arbeiten momentan zirka 1500 Entwickler daran, IBM-eigene Softwaretechniken auf die Linux-Plattform zu portieren. So wurden dort beispielsweise bereits das Journaling File System und der Logical Volume Manager des Unix-Derivats AIX für das Open-Source-System modifiziert. Welche Produkte 2001 folgen sollen, haben die Verantwortlichen von Big Blue noch nicht entschieden. Linux soll jedoch in Zukunft auf allen IBM-Server-Plattformen funktionieren: den Intel-basierten Servern (X-Serie), der Risc-Reihe (P-Serie) sowie auf den I-Servern (ehemals AS/400) und den Mainframes.

In so genannten Competency Centers will IBM mit Independent-Software-Providern zusammenarbeiten, um deren Applikationen auf Linux zu portieren. Wie diese Softwarezentren ausgestattet sein werden, steht allerdings noch nicht fest. Auch die Art der künftigen Partnerschaften mit den Linux-Companies vermochte Gerstner nicht näher zu beschreiben.

Auch wenn die Einzelheiten von Big Blues Linux-Strategie noch im Nebel liegen, die Marschrichtung, die Gerstner dem Computerpionier vorgibt, ist eindeutig. Mit der Milliardeninvestition unterstreicht IBM sein Bekenntnis zu Linux. Bis 2004 werde den IBM-Strategen zufolge das Open-Source-System die Windows-Konkurrenz von Microsoft überrundet haben.

Die Entwicklung hin zu Standardplattformen sei unaufhaltsam. Proprietäre Architekturen, wie sie beispielsweise Sun, EMC oder Microsoft vertreten, haben auf lange Sicht keine Chance, prognostiziert Gerstner.

Mit dieser Einschätzung schießt der IBM-Boss etwas über das Ziel hinaus, glaubt Ed Giglio, Manager einer New Yorker Web-Hosting-Company. Sun und Microsoft würden auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Beide Unternehmen würden es genauso verstehen, mit ihren Produkten auf der Open-Source-Welle mitzureiten.

Ein zweites wichtiges Standbein von IBM wird in Zukunft das Service-Provider-Geschäft sein. Dazu gehören laut Gerstner die Application-Service-Provider-(ASP-)und Internet-Service-Provider(ISP-)Aktivitäten sowie Dienstleistungen rund um Speicher- und Sicherheitsaspekte. Gerstner erwartet hier ein Milliarden-Business. Nach seiner Ansicht wird IT in Zukunft wie ein Werkzeug über das Internet angeboten werden. Mit E-Sourcing könnten 2003 bereits 55 Milliarden Dollar weltweit umgesetzt werden.

Doch bevor sich Big Blue seinen Anteil vom Kuchen sichern kann, müssen die Armonker erst einmal kräftig investieren. Mit vier Milliarden Dollar sollen innerhalb der nächsten drei Jahre weltweit 50 neue E-Business-Datenzentren entstehen. Bislang betrieben die Armonker 175 solcher Zentren. Davon adressieren 25 speziell das E-Business. Beim Aufbau der neuen Knotenpunkte für das Dienstleistungsgeschäft will IBM mit Firmen wie AT&T, NTT, Quest und Nokia zusammenarbeiten.

Allerdings hat Big Blue diesen Markt nicht für sich allein gepachtet. Firmen wie EDS, Oracle, Sun und Hewlett-Packard versuchen ebenfalls, sich hier zu etablieren. Nach Ansicht vieler Analysten werden sich in diesem Umfeld die Anbieter durchsetzen, die das Vertrauen der Anwender gewinnen können. Da die IT für fast alle Unternehmen mittlerweile zum kritischen Faktor geworden ist, muss ein Service-Provider in erster Linie Sicherheitsbedenken ausräumen und hohe Verfügbarkeitsansprüche erfüllen. Unter diesem Gesichtspunkt habe IBM durchaus gute Chancen, so der Tenor der Marktforscher.

Mit ihrer Ankündigung verstärkt IBM die Anstrengungen im Servicegeschäft. Bislang macht dieses Segment etwa 30 Milliarden Dollar aus. Das entspricht einem Drittel des Gesamtumsatzes. Weltweit arbeiten 143000 Beschäftigte in der Global Services Unit. Für sie könnte sich in Zukunft allerdings einiges ändern. Ging es in der Vergangenheit hauptsächlich darum, eigene Produkte zu verkaufen, müssen zukünftig auch Independent Software Vendors (ISVs) dazu bewegt werden, ihre Applikationen für den Internet-Einsatz bereitzustellen.

Doch angesichts des jüngsten Dotcom-Sterbens schlägt Gerstner auch kritische Töne an. Das B-to-B-Geschäftsmodell funktioniere nicht so einfach, wie sich das viele junge Unternehmen vorgestellt hätten. Die Implementierung eines Marktplatzes klappe nicht über Nacht und erfordere große Anstrengungen. So müssten viele verschiedene Geschäftssysteme wie Supply-Chain-Management (SCM), Procurement, Customer-Relationship-Management (CRM) oder Knowledge-Management miteinander verbunden werden. Gerstners Resümee: "Das ist sehr harte Arbeit."