Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Client-Server laufen Großrechnern den Rang ab


03.08.1990 - 

IBM sucht nach Neudefinition für General-Purpose-Mainframes

FRAMINGHAM (IDG/jm) - Die IBM sieht sich in einer ungewohnten Rolle: Sie kann eine Marktentwicklung nicht initiieren, sondern muß auf Anwenderbedürfnisse reagieren. Daß ihr dies ausgerechnet in ihrer ureigenen Domäne - dem Mainframe-Markt - widerfährt, hat Big Blue veranlaßt, sich zu ihren zukünftigen Großrechner-Plänen zu äußern.

Bei der British Petrol macht man Nägel mit Köpfen: Big Blues 3090-Mainframes bekommen die rote Karte, Unix-Systemen gehört die Zukunft. Dies ist das jüngste Beispiel eines Trends in Unternehmen, die Computer-Dinosaurier gegen kleinere Rechnereinheiten auszuwechseln. Client-Server-Konzepte sind hier das Schlagwort, das in der Branche hoch gehandelt wird.

Um den Flurschaden zu begrenzen und die Kunden bei der Stange zu halten, hat die IBM nun erstmals konzediert, daß es sinnvoll sei, immer mehr Prozessorleistung von Großrechnern abzuziehen und auf kleinere und preisgünstigere Systeme zu verlagern. Gleichzeitig müsse man das Aufgabenfeld von General-Purpose-Mainframes neu definieren.

Daß auch Big Mother Blue endlich ihren Segen zu dieser Entwicklung zu geben scheint, erfüllt anscheinend viele Anwender und Marktbeobachter mit Erleichterung. Nach Meinung etwa von James Matsey, IS-Direktor bei Reynolds Metals Corp., übersehen sie dabei allerdings, daß die IBM sich zu einer Kernproblematik des Anwenders gar nicht äußerte: Über Geld spricht sie nicht, weswegen Matsey in Zweifel zieht, ob Big Blue mit dem Zukunftsentwurf nicht lediglich die eigenen Mainframe-Pfründe weiterhin absichern will. Matsey erwartet deshalb einen Bumerang-Effekt: "Wenn die IBM fortfährt, so zu denken und zu handeln, werden die Anwender wegen wirtschaftlicher Zwänge aus der Mainframe-Welt abwandern."

Beim Mainframe-Monopolisten hofft man indes, nach der nun publik gewordenen Stellungnahme - ungeachtet geänderter Unternehmenskonzepte bei British Petrol oder auch der US-amerikanischen Versicherungsgruppe Consolidated Insurance Group - weiterhin auf die Stärken der Großrechner setzen zu können: Transaktionsverarbeitung, Data-Management, große Arbeitsspeicher-Kapazitäten und riesige Plattenkapazitäten sowie hohe Sicherheits-Gewährleistungen sprächen einerseits auch weiterhin für die Mainframe-Nutzung, Anwendungen und interaktive Jobs ließen sich andererseits auf kleinere Plattformen wie "inteligente" Workstations verlagern.

Nach Meinung von Analysten wird Big Blue ihre Mainframe-Strategie in mehreren Phasen über die nächsten Jahre entwickeln. Erster Schritt sei die Vorstellung der Summit noch in diesem Jahr.

Bernard Puckett, als IBM-Vice-President verantwortlich für die Data Systems Division, entfaltete das Szenario für Big Blues Großsysteme:

Danach will man - wie bei einer 3090-600-Testinstallation an der Cornell University geschehen - Mainframes zu einem einzigen Komplex zusammenschließen. Insider hatten solch eine lose Prozessorkoppelung, die sowohl Daten als auch Hardwareressourcen gemeinsam nutzen kann, bereits erwartet.

Eine weitere Möglichkeit, Systeme effizienter zu nutzen, verspricht man sich von Prozessoren, die dediziert Aufgaben wahrnehmen sollen. Dabei sei an Datenbank-Management, Transaktionsprozesse, Bild- und Dokumentenverarbeitung sowie Sicherungsaufgaben zu denken. Die Prozessoren können sowohl als Module im Mainframe als auch in abgetrennten und mit dem Host verbundenen Boxen zum Einsatz kommen.

Ein weiterer Trumpf im IBM-Konzept soll die Parallelverarbeitung werden. Der Prototyp eines /370-basierten Parallelsystems mit 32 CPUs soll bis Ende 1991 zur Verfügung stehen.

Geht es nach Puckett, so wird die IBM schon in Kürze dem Anwender 500-MIPS-Systeme bieten können, die in Clustern auf mehrere Tausend MIPS erweiterbar sind.

Bislang äußern sich Insider jedoch eher zweifelnd zu den Zukunftsvisionen der Armonker. William Bluestein, Analyst bei der Forrester Research Inc., gibt ihnen nur dann eine Chance, wenn der Anwender mitzieht: "Wenn Mother Blue jeden dazu brächte, weiterhin die eigenen Mainframes zu kaufen, dann verfolgt sie ihr Konzept auch. Bislang versucht sie jedoch vor allem, der Entwicklung weg vom Mainframe hin zu kleineren Einheiten Herr zu werden."

Auch Matsey bleibt skeptisch: Solange die Kosten für Mainframes auf dem gegenwärtig hohen Stand blieben - die wohl zu 50 Prozent Anlaß seien für das Abdriften der Anwender in Richtung Minis und Mikros - sieht er nicht, daß sich IBMs Pläne verwirklichen könnten. "Ich glaube zwar nicht, daß die 3090er in den nächsten fünf Jahren von der Bildfläche verschwinden, aber der User muß nicht jedes Jahr Upgrades durchführen. Über kurz oder lang wird es hier zu keinem Zuwachs mehr kommen und letztendlich wird sich sogar eine negative Kurve einstellen", so das Fazit des IS-Managers. Für diesen Fall aber sei der Mainframe-Marktführer schlecht gerüstet.