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12.01.1990 - 

Soft-Switch realisierte OIF-Funktion schneller als eigene Entwickler

IBM überläßt Fremdanbieter Risiko bei SAA-Komponente

FRAMINGHAM/STUTTGART (IDG/qua) - Ihr "Not-invented-here"-Vorurteil hat die IBM offensichtlich abgelegt. Um seine SAA-Ankündigungen in marktreife Produkte umzusetzen, nimmt der Branchenprimus neuerdings gern die Hilfe Dritter in Anspruch - sogar auf Kosten eigener Entwicklungen, wie jüngst im Fall Office Interconnect Facility. (OIF)

Big Blue hat ihr OIF-Projekt eingestellt: Länger als ein Jahr hatten die IBM-Entwickler an der als Teil der Officevision-Familie im Mai vergangenen Jahres angekündigten Connectivity-Software gearbeitet, bevor das Aus kam.

"Nach ausführlichen Tests kamen wir zu dem Schluß, daß die OIF innerhalb eines vertretbaren Zeitrahmens nicht den Bedürfnissen unserer Kunden entsprechen würde," äußerte ein IBM-Sprecher gegenüber der CW-Schwesterpublikation Computerworld. Ziel des Projekts war die Entwicklung einer Software, mit deren Hilfe die Office-vision-Produkte Verbindung zu Bürokommunikationssystemen anderer Hersteller aufnehmen sollten.

Software-David springt in die Bresche

Während der blaue Goliath mit seinem Vorhaben im Evaluierungsstadium steckenblieb, rühmt sich ein Software-David, die angestrebte Funktionalität bereits im Angebot zu haben. Der in Wayne/Pennsylvania ansässige Communications-Spezialist Soft-Switch Inc. bietet unter der Bezeichnung "Central" ein Produkt an, das die Kommunikation von Officevision/MVS beziehungsweise /VM mit Systemen einer Reihe von Fremdanbietern, darunter DEC, Wang, Hewlett-Packard, 3Com und Banyan, ermöglichen soll - und zwar in beiden Richtungen. Außerdem unterstützt die Software eine Reihe offener Protokolle wie X.400, SMTP und Snads.

Nun machte sich die IBM eine Maxime zu eigen, nach der bislang lediglich ihre Mitbewerber gehandelt hatten: If you can't beat'em, join'em! Statt die eigene Entwicklung voranzutreiben, nahm der DV-Riese im Rahmen seines "Cooperative Software Program" die Central-Produkte ins Angebot.

Marktbeobachter zeigen sich von der strategischen Kehrtwendung des Marktführers

überrascht. So der Ex-IBMer Sam Albert, der sich als Unternehmensberater in Syracuse/New York niedergelassen hat: "Ich erlebe zum ersten Mal, daß IBM am Markt eine bessere Mausefalle gefunden hat, als die, an der sie selbst bastelte".

Daß Mother Blue sich jetzt zu diesem Schritt entschloß, deutet auf einen Zugzwang in puncto Produktangebot hin. Amerikanische Analysten sprechen in diesem Zusammenhang von finanziellen Schwierigkeiten, die die mißglückte Marktfreigabe der 3390-Plattenlaufwerke nach sich gezogen hätten. Dazu paßt die Begründung, die die IBM-Zentrale in Armonk lieferte: "Wir wollten unseren Kunden so frühzeitig wie möglich ein Produkt zur Verfügung stellen."

Ein Sprecher der IBM Deutschland GmbH in Stuttgart nennt hingegen Aufwandseinsparungen als Motiv: "Immerhin bedeutet eine solche Entwicklung Arbeit."

Trotzdem will die IBM die Soft-Switch-Produkte nicht nur vertreiben, sondern ihnen auch ihren Stempel aufdrücken. "Möglicherweise", so verlautete von der deutschen Tochtergesellschaft, werde der Anbieter die Central-Familie auch unter seinem eigenen Logo vermarkten, was gegebenfalls gewisse Änderungen an den Programmen mit sich bringen könnte. O-Ton aus Stuttgart: "Bevor wir das als ein IBM-Produkt vertreiben, muß es noch eine ganze Reihe von Prüfkriterien durchlaufen."

Außerdem will IBM gemeinsam mit Soft-Switch eine Version für die auf OS/2 Extended Edition (EE) basierende Officevision-Ausführung entwickeln. Darüber hinaus haben die Softwerker aus dem Nordosten der USA ihre Absicht erklärt, auch Officevision/400 zu unterstützen. Die OS/400-Version wird voraussichtlich im Juni dieses Jahres auf den Markt kommen; mit der Produktvariante für OS/2 EE ist erst im kommenden Jahr zu rechnen. Officevision/2 ist das einzige Mitglied der Bürosoftwarefamilie, das bislang in Deutschland erhältlich ist. Ob und wann die Soft-Switch-Produkte hierzulande vermarktet werden, ließ sich noch nicht zweifelsfrei feststellen.

Falls denn in absehbarer Zeit auch die deutschen Anwender von den Vorteilen der Connectivity-Software profitieren werden, dürfte ein nicht zu unterschätzendes Problem auftauchen: Da Soft-Switch in Deutschland noch keine Niederlassung unterhält, bleibt zu klären, wer den Support bereitstellen wird. IBM sah sich nicht imstande, dazu Stellung zu nehmen. +