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13.01.1978

IBM und Co. umwerben den Erstanwender

MÜNCHEN - It's (NM)Tea-Time: Die meisten EDV-Hersteller zielen mit leichtem Kaliber (Anlagen mit einem Kaufpreis unter 250000 Mark) auf neue Anwendergruppen. Denn der Mittelklasse- und Großrechner-Absatz stagniert, während Marktforscher einen Kleincomputer-Boom voraussagen. Ob die Benutzer allerdings bereit sind, mitzuspielen, wird nicht gefragt.

Strammen Installations-Zuwachs erwarten Branchenkenner durch. die "Distributed Processing-Welle", die wie es so schön heißt - "Computerleistung an den Arbeitsplatz bringt". Allerdings: Im Sinne von "Distributed Intelligence" kann nur verteilt werden, was bereits vorhanden ist. Insofern ist Distributed Data Processing" (DDP) ausschließlich im Umfeld größerer EDV-Installationen möglich.

Man darf erwarten, daß dieser Bereich in den nächsten Jahren überdurchschnittlich wachsen wird.

Aber auch der Erstanwender-Markt dürfte eine enorme Ausweitung erfahren.

So prognostizieren die Marktforscher der Diebold Deutschland GmbH, daß 1985 in der Bundesrepublik 240000 Bürocomputer installiert sein werden, wobei nicht unterschieden wird, ob diese Anlagen für "eigenständige" Datenverarbeitung (stand-alone) oder im Rechnerverbund eingesetzt erden. Zum Vergleich- Anfang 1977 lag der Bestand "kleiner Rechner für direkte Datenverarbeitung in Büro oder Verwaltung" - so die Dieboldsche Bürocomputer-Definition - bei rund 66000.

Den SYSTEMS-Slogan "Computer auf dem Weg zum Endbenutzer" auf der Gebetsmühle, sollen die noch weißen Flecken in der EDV-Landschaft missioniert werden. Dabei haben die Marketing-Strategen das riesige Potential mittelländischer Unternehmen im Auge und konzentrieren deshalb ihre Aktivitäten auf Firmen, die die Durchschreibe-Buchhaltung noch als neuesten Stand der Abrechnungstechnik ansehen.

Unterschiedlich die Ausgangspositionen der einzelnen Hersteller: Hat IBM mit dem "Mickymaus-Computer" System /32 einen großangelegten Markttest seines Geschäftsbereiches Basisdatenverarbeitung einigermaßen unbeschadet überstanden, so sitzen Beispielsweise Univac und Siemens noch in den Startlöchern. Beide IBM-Konkurrenten haben dem Vernehmen nach Schwierigkeiten, geeignete Vertriebs- und Systemspezialisten für die Erstanwender-Betreuung zu finden, wie Oberhaupt in diesem Markt eher das Marketing-Konzept entscheidet als das Hardware-Angebot.

Beruhigend, daß Spätstarter wie Univac und Siemens zumindest das Rad nicht noch einmal erfinden wollen: Zwar zögern die Münchner, ihrem kurz vor der Ankündigung stehenden Baby einen Namen zu geben, doch von Univac weiß man bereits, daß der neue Vertriebsbereich

(IBM-like) "Basisdatenverarbeitung" heißen wird.

Klar erkennbar, welche Produktphilosophie dahintersteht: Dem kleinen und mittleren Anwender soll das Gefühl gegeben werden, einen EDV-Partner zu haben, der alle Probleme der Benutzer kennt und sie zu lösen versteht. Die Gefahr, bei Erstanwendern nicht anzukommen, besteht zweifellos. So hat Honeywell Bull auch heute noch gegen das Image anzugehen, Hersteller ausschließlich großer Anlagen zu sein - obwohl das eigentlich nie stimmte. Leichter tun sich in dieser Hinsicht Häuser wie Nixdorf, Kienzle oder Philips, die mit kleinen (und kleinsten) Abrechnungssystemen in diesem Markt seit langem gut eingeführt sind. Demgegenüber können die Minicomputer-Hersteller zwar auf einen treuen Kundenstamm im technisch-wissenschaftlichen Bereich verweisen, jedoch bislang nicht verhindern, daß ihren auf "kommerziell' getrimmten Systemen Softwareschwächen nachgesagt werden.

Um das goldene Kalb "Erstanwender" tanzen sie alle.

Die Diebold-Zahlen zeigen freilich, daß verstärkter Akquisitionseinsatz nicht in allen Wirtschaftszweigen gleich lohnend ist. Haben vor altern der Handel und der Dienstleistungssektor ein überdurchschnittliches Kleincomputer-Wachstum zu verzeichnen, so wird es mit Bürocomputer-Installationen in der Öffentlichen Verwaltung und bei Banken und Versicherungen langsamer vorangehen vorausgesetzt, die Anwender verhalten sich so, wie es den Marktforschern und diesen hörigen Herstellern in den Plan paßt.