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27.10.1978

IBM und die vierte Partei

Bei der CDU/CSU ist es jedenfalls so: Eine Ausweitung der "teilweise unwählbaren" Schwesterparteien auf die gesamte Bundesrepublik könnte die zum Regierungswechsel 1980 erforderliche absolute Mehrheit bringen.

Oder? Und wieso trifft diese Überlegung auch auf IBM zu?

Das marktbeherrschende Unternehmer ist so offensichtlich dabei, zwei vollkommen selbständige Geschäftszweige zu etablieren, die sich mit substituierenden Produkten gegenseitig Konkurrent machen (siehe auch Seite 13).

Bisher konnte man davon ausgehen, daß die Abtrennung der

" Basisdatenverarbeitung" (BDV) vom früheren Gesamtbereich "Datenverarbeitung" (DV) rein produktbezogene Gründe hatte. Klein- und Mittelbetriebe als BDV-Zielgruppe ist nun mal mit dem Data-Chinesisch der Groß-EDV-VBs nicht beizukommen.

So hatte alles bislang seine Ordnung: Die "Data Processing Division " war zuständig für Entwicklung, Vertrieb und Wartung der "anspruchsvollen" IBM-Produkte (Serien 370 und 303X); die "unkomplizierten" Kleincomputer 132 und /34 sowie der Dauerbrenner System /3 wurden von den IBM-Basisdatenverarbeitern vermarktet.

Zwar gab es Überschneidungen, doch die hielten sich in Grenzen (/3-15 versus 370/115).

An der ursprünglichen Produkt-Betreuung hat sich im Prinzip nichts geändert - doch nun wurden in den vergangenen zwei Jahren neue Produkte angekündigt, die die Rivalität zwischen DV und BDV sichtbar werden ließen.

Auslöser dieser Entwicklung ist eine DV-Betriebsform, zu der sich der Marktführer zunächst nicht bekennen mochte: Distributed Data Processing (DDP).

Von vielen Anwendern ,,Rückkehr ins Realtime-Paradies" begrüßt, setzte diese Verarbeitungsform trotz hinhaltender Gegenwehr der Zentralisten durch.

Insbesondere Minicomputer- und Terminal-Hersteller offerieren preiswerte Mehrfunktions-Systeme, die sowohl die autonome Verarbeitung von Ort als auch Netzsteuerungs-Funktionen übernehmen können: Die Übergänge vom Computer-Terminal zum Terminal-Computer - und umgekehrt - sind fließend geworden.

Ohne davon groß' Aufhebens zu machen ("was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an"), hat sich IBM das Konzept der "Verteilten Intelligenz" zu eigen gemacht und mit der Ankündigung der Serie/1-Minicomputer für dezentrale Aufgaben erstmals Flagge gezeigt. Nur: daß die Serie /1 ein BDV-Produkt wurde, das mußte die Fachwelt überraschen.

Doch das war erst der Anfang.

Der Bildschirm-Computer /34, ursprünglich als

Stand-Alone-System avisiert, wurde zunehmend mit Datenfernverarbeitungs-Fähigkeiten ausgestattet und somit zur 3790-Alternative aufgewertet.

Dann steht als neue BDV-Serie "Pacific" vor der Tür, mit (vermuteten) Hauptspeicher-Ausbaugrenzen, wie sie von der 370 her gewohnt sind - ergo können System/3-Anwender "aufsteigen", ohne die Fakultät wechseln zu müssen.

Seit wenigen Tagen forciert IBM's DV-Division Distributed Data Processing mit eigenen Produkten wie dem Informationssystem 8100, das - wen wundert's noch? - auch als "Low-Cost"-Einzelsystem angepriesen wird: Der zweite Anzug ist nahezu komplett.

Nun ließe sich einwenden, daß nicht klar sei, was IBM mit dem System 8100 bezwecke. Denn auf der einen Seite werden seine Qualitäten als Netzwerk-Baustein hervorgehoben, andererseits die DB-Fähigkeiten betont.

Frage: Ist das schon der dedizierte Datenbank-Prozessor, von dem seit längerem gemunkelt wird? Und wie reimt sich zusammen, daß IBM unverhohlen auf die Leistungsgleichheit mit der 370/138 hinweist?

Ist das etwa der Erlkönig einer neuen Serie, die einmal die 370 ablösen soll, wie US-Experten vermuten?

Als weiterer Schritt in Richtung "Vierparteiensystem Ó la IBM" ist die 8100-Ankündigung, in jedem Fall zu werten - ob's ein erfolgreicher Weg ist, muß sich noch erweisen.