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01.12.1989 - 

Auf der Comdex traten Meinungsverschiedenheiten offen zutage

IBM und Microsoft geraten sich über OS/2-Zukunft in die Haare

LAS VEGAS (CW) - Mit Experten-Meetings versuchte die Comdex in Las Vegas den PC-Freak-Geruch loszuwerden. Doch beherrschendes Thema auf der US-Händlermesse war der Streit zwischen IBM und Microsoft um OS/2 und Windows - bei dem beide, so sehen es jedenfalls Branchensider, eigentlich nur verlieren können.

Ein Sieger stand für Georg H. Conrades, IBM Senior Vice President und Comdex-Eröffnungsredner, schon vor Messebeginn fest: der Kunde. "Während wir ständig nach der nächsten technischen Explosion suchten", gestand er selbstkritisch Fehler in der Vergangenheit ein, "nahmen die wirklichen Bedürfnisse der Kunden immer mehr zu." Man habe sich zu einseitig an der Technik orientiert und zu wenig an ihre Anwendung gedacht - eine der Ursachen für die enttäuschenden Wachstumszahlen der letzten Zeit. "Soll das Geschäft wieder florieren", meint Conrades, "dann müssen vollständige Lösungen angeboten werden, und alles, was wir tun, muß von den Bedürfnissen der Kunden bestimmt sein."

Am selben Tag fand eine Pressekonferenz statt, bei der IBM und Microsoft erläuterten, wie sie sich die Zukunft von Windows und Presentation Manager, Microsofts Systemoberflächen für DOS und OS/2, vorstellen. Zwar gab die IBM Windows ihren Segen - unter der Voraussetzung, daß dieses lästige Programm, das die Leute von OS/2 abhält, auf dem Entwicklungsstand der kommende Version 3.0 eingefroren wird.

Der überraschende Windows-Boom der letzten Monate - Microsoft verkauft zur Zeit mehr Windows-Pakete als Apple Macintosh-Rechner, und regelmäßig kommen neue Windows-Applikationen auf den Markt - was Softwarehäusern, die wie Lotus, Borland oder Symantec auf OS/2 gesetzt haben, zunehmend zum Ärgernis geworden.

Sie fühlten sich bei ihrem OS/2-Engagement von Microsoft im Stich gelassen. Die für Frühjahr erwartete Version 3.0, mit Erweiterungen, die Windows OS/2 noch ähnlicher werden läßt, machte das Maß voll.

Um die Lage zu klären, baten Microsoft und IBM am Vorabend der Messe 80 Firmenbosse und Entwickler zu einem vertraulichen Treffen. Es wurde, wie man später hören konnte, eine stürmische und sehr emotionsgeladene Veranstaltung, bei der Microsoft-Chef Bill Gates, so ein Teilnehmer, "ziemlich durch die Mangel gedreht wurde". Doch auch IBM, vertreten durch James A. Cannavino, mußte Federn lassen.

Am Ende stand ein Kompromiß, über den die Meinungen noch auseinander gehen. Unter der "Plattform für die 90er", auf die sich IBM und Microsoft künftig konzentrieren wollen, stellen sich beide den PC für die Zukunft vor, mit 386- oder 486-Prozessoren, 4 Megabyte Arbeitsspeicher, einer 60-MB-Festplatte und OS/2 mit Presentation Manager als Betriebssystem. Im Lauf des nächsten Jahres soll es dazu endlich auch eine 386-Version von OS/2 geben.

Für Ärger bei der OS/2-Fraktion hatte IBMs Entscheidung gesorgt, Windows abzusegnen. Zum Ausgleich wird Windows explizit auf Low-end-Systeme (1 bis 2 Megabyte Speicher und 30-MB-Platte) beschränkt. Microsoft mußte versprechen, den Leistungsumfang von Windows nicht mehr über den Stand der Version 3.0 hinaus zu erweitern.

OS/2 wird auf Diät gesetzt

Tabu sind für Windows damit 32-Bit-Direktadressierung, Threads und das in OS/2 1.2 neu enthaltene High Performance File System (HPFS).

Um die zwei Megabyte große Lücke zwischen den beiden Systemen zu schließen, wird OS/2 auf Diät gesetzt. Noch 1989 soll eine Zwischenversion erscheinen, die mit drei Megabyte auskommt, und im nächsten Jahr hofft man den Speicherbedarf auf zwei Megabyte drücken zu können. Für diejenigen, die fürchten, mit OS/2 auf die Intel. 886-Hardware festgelegt zu sein, ist geplant, irgendwann in fernerer Zukunft OS/2 auch auf andere Prozessoren zu portieren.

PM-Lite als Windows-Killer

Lotus-Chef Jim Manzi freute sich denn auch unverhohlen, daß mit diesen Abmachungen Windows "neutralisiert" worden sei. Daß der Mainframe-Monopolist seinen Partner auch noch gezwungen hätte, den Leistungsumfang der Windows-Version

3.0 zu reduzieren dementierten dagegen Microsoft-Sprecher heftig. Aber auf die Frage, ob es bei dem bislang kolportierten Erscheinungstermin März '89 bleibe, hielten sie sich freilich bedeckt.

Begraben wurde mit der Abmachung auch das ominöse "PM-Lite", eine stark abgemagerte Version des OS/2 Presentation Managers, mit der PM-Anwendungen auch unter DOS laufen können. Nach Gerüchten, die angeblich von Lotus in Umlauf gebracht wurden, hatte IBM mit dem Gedanken gespielt, das Programm als Windows-Killer und als Lockvogel für OS/2 zu entwickeln.

Für eine Überraschung schließlich sorgten IBMs Erklärungen, künftig zum einen auf ihre proprietäre OS/2-Variante zu verzichten und die Extended Edition als Paket abzuschaffen.

Die Datenbank- und Kommunikationsmodule der Extended Edition sollen separat angeboten werden; in welcher Form, steht noch nicht fest.

Aus IBMs LAN Server und Microsofts LAN Manager soll zum anderen in der nächsten Zeit ein einziges Produkt werden.

Jim Manzi glaubt, daß Microsoft einen Dämpfer bekommen hat. Steve Ballmer von Microsoft scheint es ähnlich zu sehen, er meint, daß die IBM ihre Position gestärkt hat. Big Blue selbst hüllt sich in Schweigen. Nur Micrografx-Präsident Paul Grayson ist überzeugt, daß Bill Gates bekommen hat, was er wollte (siehe auch Seite 29).