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15.09.1989 - 

Unix und DOS-Extender-Anbieter profitieren von schwachem OS2-Geschäft

IBM und Microsoft: Rettungsaktion für OS/2

MÜNCHEN (CW) - Seit eineinhalb Jahren gibt es nun OS/2 und noch immer will es nicht so recht in Fahrt kommen. Vor allen Dingen fehlt es weiter an passender Anwendungssoftware. Microsoft setzt auf unabhängige Softwarehersteller. IBM rührt die Werbetrommel. Währenddessen machen die Anbieter von Unix- und DOS-Extender-Produkten gute Geschäfte.

Daß die Kunden nicht gerade die Läden stürmen, um OS/2 zu kaufen, das pfeifen die Spatzen mittlerweile von den Dächern. IBM und Microsoft geben sich trotzdem gelassen und sind überzeugt, daß der Erfolg langfristig doch noch kommen wird. "Bis jetzt weicht die OS/2-Entwicklung nicht so enorm von unseren Erwartungen ab", behauptet Cameron D.

Myhrvold, Marketingleiter von Microsofts Advanced OS/2 System Group. "Wir wissen, was es braucht, um OS/2 zu einem Erfolg zu machen", fügt er hinzu, "und wir werden erfolgreich sein."

Was es braucht, sind Anwendungen. Die jedoch lassen, 18 Monate nach der Vorstellung des eigentlich als DOS-Ablösung geplanten Betriebssystems, noch immer auf sich warten. Zu groß ist offenbar für die meisten Anwender der Sprung von das zu OS/2. Es scheint ein Teufelskreis zu sein: Weil die Nachfrage so gering ist, schieben die Hersteller geplante OS/2-Software erst einmal auf die lange Bank. Und weil es kaum Software gibt, zeigen die Kunden nur wenig Interesse an OS/2.

Kunden treffen ihre Kaufentscheidungen aufgrund von Anwendungen und nicht von Betriebssystemen, weiß Myhrvold. Deshalb will Microsoft sich jetzt verstärkt um die Unterstützung unabhängiger Softwarehäuser bemühen. Ende des Jahres, prophezeit er, wird es endlich richtig losgehen. Vierzig bis fünfzig Anwendungen, leistungsfähiger und schneller als die entsprechenden DOS-Versionen, würden auf der Herbst-Comdex präsentiert und ausreichend Grund bieten, auf OS/2 umzusteigen.

Bis es soweit ist, will Microsoft selbst daran arbeiten, die DOS-Kompatibilität von OS/2 zu verbessern. Erste Ergebnisse dieser Bemühungen verspricht Myhrvold bereits für die Version 1.2 der Standardedition, die angeblich noch in diesem Quartal erscheinen soll.

Nicht alle teilen Microsofts Optimismus, was die Zukunft von OS/2 angeht. Microsofts Partner IBM, die OS/2 als das Standard-Betriebssystem für seine PS/2-Rechnerlinie sieht, hat in den USA eine massive Werbekampagne gestartet, um den schleppenden Absatz anzukurbeln.

Während sich die PS/2-Verkäufe recht gut entwickeln, ist man bei IBM von den OS/2-Zahlen eingestandenertmaßen ziemlich enttäuscht. Mit Serien von ganzseitigen Anzeigen, unterstützenden Artikeln in der Fachpresse, wo schon einmal ein Orden für die OS/2-Entwickler gefordert wird, und kräftigen Rabatten auf Hard- und Software für die OS/2-Käufer hofft man, die lustlosen Anwender zum Umstieg auf das neue System bewegen zu können.

Ob die Aktion Erfolg haben wird, scheint indes zweifelhaft. Denn die grundlegenden Probleme von OS/2 - zu groß, zu teuer, zu wenig Software - bleiben, zumindest vorerst, bestehen. OS/2, spottet der britische Newsletter Computergram, sei auf dem besten Weg, IBMs proprietäres System für seine Mainframe-Kunden zu werden, die PS/2-PCs als Super-3270-Terminals für ihre Softwareentwicklung anschaffen. Andere sehen Softwareanbieter wie Anwender vermehrt auf Alternativen setzen: auf DOS-Extender-Lösungen, die DOS-Anwendungen ohne viel Umstände 16 MByte adressieren lassen, und auf Unix. Sie tun das, darüber herrscht weitgehend Einigkeit, weniger aus Überzeugung, sondern weil sie damit ihre Probleme jetzt und ohne die Mehrkosten, die OS/2 erforderte, lösen können.

"Unsere ersten Kunden waren verzweifelt", sagt Terence Colligan, Präsident des DOS-Extender-Anbieters Rational Systems. "Es gab keine andere Lösung für ihre Probleme. Alle drei Anbieter von DOS-Extender-Produkten - Eclipse, Phar Lap und Rational Systems - wurden vor etwa drei Jahren gegründet, um Entwicklern und Anwendern, die unter der 640-KByte-Grenze von DOS litten, über die Wartezeit auf das neue Betriebssystem zu helfen. Heute macht jede dieser Firmen zwischen ein und neun Millionen Dollar Umsatz jährlich. Vor einem Jahr, bemerkt Colligan, sei die Nachfrage sprunghaft in die Höhe gegangen. Da war OS/2 ein halbes Jahr auf dem Markt.

Das DOS-Geschäft wird wieder interessant

Inzwischen haben selbst Software-Giganten wie Lotus und Ashton-Tate aus dem lahmen OS/2-Geschäft die Konsequenz gezogen und beschlossen, sich mit Hilfe von Extendern weiterhin die DOS-Option offenzuhalten. Die ursprünglich als reine OS/2-Anwendungen geplanten Programme 1-2-3 Version 3.0 und dBase IV Version 1.1 werden nun auch für das erhältlich sein. Bis zum Jahresende, rechnet man, werden weitere große Softwareanbieter nachziehen.

Als unmittelbare Gefahr sehen die Extender-Anbieter deshalb OS/2 oder seinen Nachfolger - gegenwärtig nicht. "Anfangs", meint Phar Laps Präsident Richard Smith, "sahen wir das als ein Geschäft für sechs oder zwölf Monate." Heute plant er immerhin schon bis 1992.

OS/2 - was denn sonst?

Kommentar von CW-Mitarbeiter Gerhard Schmid

Allzu viele glauben offenbar noch immer, auch ohne OS/2 glücklich werden zu können. Mit einer groß angelegten Aufklärungskampagne versucht IBM den Irrenden zu helfen.

Da erfahren sie dann in einer Anzeige, daß man erst mit OS/2 die Vorzüge des PS/2-Mikrokanals von nutzen könne. Was aber sind die Vorzüge des Mikrokanals? In einer zweiten Anzeige erfährt man näheres: Nicht zuletzt, daß man erst damit die Vorzüge von OS/2 von nutzen kann. Ganz klar.

Ähnlich überzeugend geht es weiter. Beispielsweise kann man damit, behauptet die Anzeige, seine DOS-Programme laufen lassen plus "hunderte Programme, die es für das nicht gibt". Völlig richtig - vorausgesetzt, man setzt sich hin und programmiert sie selbst. Denn zu kaufen gibt es sie noch nirgends. Kein Wort auch davon, daß die gerühmte Multitaskingfähigkeit des Betriebssystems für DOS-Programme nicht gilt und daß ihnen immer nur 640 KByte zur Verfügung stehen, egal wie viele Megabyte im Rechner stecken. Mit Expanded Memory ist nichts unter OS/2.

Besonders apart schließlich ist die folgende Aussage: "Right now, when you choose OS/2, you can get from $100 to $1600 back on the kind of heavy duty memory that only OS/2 can handle." Das braucht schon eine besondere Chuzpe, erst OS/2 als das Standard-Betriebssystem für die PS/2-Rechner zu verkaufen, die standardmäßig alle zu wenig Speicher haben, um mit OS/2 arbeiten zu können, und dann aus den Rabatten auf die Speichererweiterungen, die ohne OS/2 gar nicht nötig wären, ein Kaufargument für OS/2 zu machen.

Der englische Branchendienst "Insight IBM" brachte die Sache mit einem schönen Vergleich auf den Punkt. Stellen Sie sich vor, jemand will Ihnen eine Heizungsanlage verkaufen, die so groß ist, daß sie Ihr ganzes Haus ausfüllt und zusätzlich noch einen Anbau erfordert. Stellen Sie sich weiter vor, daß der Verkäufer Ihnen (mit dem Gestus eines guten Onkels) großzügig einen Preisnachlaß auf den Anbau bietet. Und dann stellen Sie sich vor (wenn Sie noch können), wie er Sie leider darauf hinweisen muß, daß Ihr vorhandener Boiler zu klein ist, um Haus und Anbau zu heizen. Glücklicherweise könne er Ihnen jedoch einen verkaufen, der das kann." Wer könnte diesem Angebot noch widerstehen?