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01.12.1989 - 

Mehrprozessorsysteme pushen Unix-Betriebssystem

IBM und Microsoft starten neue Rettungsaktion für OS/2

LAS VEGAS (CW) - Zwei Dinge ließen auf der Herbst-Comdex in Las Vegas aufhorchen: zum einen die Vorstellung von Mehrprozessor- und Unixsystemen auf PC-Basis. Zum anderen die Ankündigung von IBM und Microsoft, in Zukunft mit vereinten Kräften an einem Softwarestrang zu ziehen.

Beiden Ereignissen ist gemein, daß sie - unausgesprochen oder nicht - viel mit Unix zu tun haben. Schon vor der Condex hatte Compaq mit seinem Zwei-Prozessor-Rechner Systempro ausdrücklich eine Unix-Box angekündigt. Die nur noch dem Namen nach als PC zu bezeichnende Servermaschine läuft auf der SCO Unix System V 3.2-Version. Auf dieser setzt der binärkompatible Multiprozessorkernel smp (symmetrical multiprocessing) der Corollary lnc. auf.

Corollary - Hersteller sowohl von Hard- als auch Software für den Multiprocessing-Bereich - hatte schon der Zenith Data Systems bei ihrem 386-Mehrprozessor-Rechner

Z-1000 sowohl mit ihrem proprietären CPU-Board, ihrer Busarchitektur als auch einem 32-Bit-Speicher-Subsystem und ihrem Multiprocessing-Unixkernel unter die Arme gegriffen. Auf der Unix-Expo in .New York präsentierte das kalifornisch Spin-off-Unternehmen von Texas Instruments hardwareseits ihren 486/smp, eigenen Angaben zufolge das erste

Multiprozessor-Subsystem auf 486-Basis

Auf dessen Vorgänger, dem im Februar 1989 vorgestellten 386/smp, baut die American Mitac Corp. ihre Mehrprozessorfamilie Mitac Series 500 auf. Die erstmals auf der Comdex der Öffentlichkeit vorgestellten Rechner mit zwei bis, maximal sieben 386-Prozessoren laufen unter SCO Unix oder -Xenix, das um den Multiprocessing-Kernel von Corollary erweitert wurde. Das Unternehmen aus San Jose in Kalifornien gibt 25 MIPS als Leistungs-Obergrenze für seine "PCs" an. 16 bis 160 Benutzer sollen durch einen Mitac-Multiprozessor-Rechner unterstützt werden können.

Auch der Mitac-Rechner arbeitet wie Compaqs Systempro mit zwei Bus-Systemen, um einen höheren Datendurchsatz zu erzielen: Der proprietäre Corollary-32-Bit-Bus ist nur für den Datenaustausch zwischen CPUs und Arbeitsspeicher gedacht. Verbunden ist er mit dem Standard-AT-Bus. Auf diesem können auch weiterhin herkömmliche Peripherie-Erweiterungskarten Verwendung finden. Mitac will seine Series-500-Rechner im ersten Quartal 1990 durch eigene Distributoren, VARs und OEMs auf den Markt bringen .

Neben Mitac nahm auf der Comdex auch Advanced Logit Research (ALR) an der Unix "Party" teil. Sowohl das mit 25 MHz getaktete 486-EISA-Modell als auch die 33-MHz-Maschine auf Basis des 386-Prozessors laufen - wie der Mitac-Rechner -auf SCO Unix oder Xenix. ALR gab an, daß die Rechner mit dem optimalen Intellimux Multiusor-Subsystem bis zu 64 Benutzer unterstützen. Daß die Reise dieser extrem leistungsfähigen PC-Systeme in die Unix-Welt der Server geht, deutet die Ausstattung des 486-Rechners an: acht Megabyte Arbeitsspeicher, ein Hochleistungs-SCSI-Controller, sieben Einschubmöglichkeiten für volle und zwei für halbe Bauhöhe, ein 150-Megabate-Bandspeichergerät und acht

Erweiterungssteckplätze .

Unix auf Intel- und Motorola-Architektur

Das 386-Modell bietet ALR in drei Varianten an: Modell 100 unterstützt nur Terminals. ALR bietet es mit einem Intellimux Starter-Kit, SCO Unix/386 und drei Terminals an Modell 200 soll bei bereits existierenden PCs LAN-Server-Funktionen übernehmen. Beide Konfigurationen kosten etwa 19000 Dollar. Das Modell 300 hingegen unterstützt sowohl PCs als auch Terminals, sein Preis: 22 500 Dollar.

Auch Bull NH Information Systems Inc. wartete mit neuen Unix-Systemen auf: Unterstützt werden sowohl der Intel-386Prozessor in den DPX/2-Maschinen als auch - bei den Series 200- und 300-Modellen - das 68030-Pendant von Motorola. Alle Rechner arbeiten mit dem Bull Open Software Betriebssystem - einer Version des AT&T-Unix V - und sollen ferner binärkompatibel sein zu Bulls XPS-100-Computern, die ebenfalls mit dem 68030-Prozessor unter Unix arbeiten. Mit 18 (DPX/2) bis zu 384 Benutzern (Modell 300) und drei LAN-Netzwerken (Modell 340) können es die dlversen Maschinen aufnehmen

Auch durch die technologische Entwicklung auf dem Hardware-Markt erhält das Multiuser-Betriebssystem Unix somit einen Schub. Eben nun. da Unix über neue

Mehrprozessor-Architekturen erneut ins Rampenlicht geriet, setzten IBM und Microsoft einen Kontrapunkt. Wohl nicht gewollt, doch trotzdem zur gleichen Zeit, stellten sie Hand in Hand ihre neue Strategie vor, mit der das erfolglose OS/2 nun endlich ins Bewußtsein der Benutzer gehämmert werden soll. Grundsätzlich sieht die gemeinsame Ankündigung vor, daß in Zukunft das Hauptaugenmerk OS/2 gelten wird. Um dies zu unterstreichen, versicherte James A. Cannavino, Vice-President und General Manager von IBMs Personal Systems Group, ab Ende kommenden Jahres würden alle grafisch orientierten Applikationen zuerst auf OS/2 und dann erst auf DOS herausgebracht - was ein Schuß gegen Windows wäre.

Allerdings konzedierte die IBM erstmals, daß duch Windows eine Alternative sei - jedoch nur für Benutzer, deren Hard- und Softwareaufwand kleiner ist. Doch hier scheiden sich bereits die Geister: Die Trennung in Kleinbenutzer mit bis zu zwei Megabyte Arbeitsspeicher und sogenannte Power-User schien nicht jeder in Las Vegas zu akzeptieren Hinzu kommt, daß IBM und Microsoft in Zukunft für OS/2 auf eine auf zwei Megabyte abgespeckte Version hinarbeiten wollen. Diè gemeinsame Diät führte bislang zu einer 3-MB-Version, bei der die DOS-Compatibility-Box solange aus dem Hauptspeicher geswappt wird, wie keine DOS-Applikation läuft. Hiermit spart man über 512 Kilobyte Speicher, durch Code-Verbesserungen bei OS/2 weitere 500 Kilobyte ein.

Microsoft mußte IBMs Windows-Zugeständnis insofern entgegenkommen, als man sich selber darauf verpflichtete, die DOS-gestützte grafische Oberfläche über Windows 3.0 hinaus in seinen Fähigkeiten nicht weiter auszubauen beziehungsweise eine klare Grenzziehung für zukünftige Erweiterungen vorzunehmen. Windows wird danach beispielsweise weder Serverfunktionen übernehmen können noch über verteilte Prozeßfähigkeiten oder Threads und lange Dateinamen verfügen, wie dies bei OS/2 der Fall sein wird.

IBM und Microsoft werden nach der erfolgten Ankündigung zukünftig auch nicht mehr in Konkurrenz mit einem OS/2 LAN Server respektive LAN Manager auftreten, sondern beide Produkte zu einem identischen zusammenschmelzen. Außerdem sollen sowohl der Database Manager, der CommunicationsManager als auch der LAN Requester aus IBMs Extended Edition herausgelöst und allen OS/2-Benutzern zur Verfügung gestellt werden. Genaue Angaben hierüber wurden jedoch noch nicht gemacht.

Allerdings mehrten sich schon kurz nach der gemeinsamen Ankündigung bei

Microsoft Stimmen, die am Sinn der OS/2 verordneten Schlankheitskur zweifelten: Steve Ballmer Microsofts Vice-President der Systemsoftwareabteilung, gestand ein, die angestrebte 2-MB-Version werde ohne Kompromisse nicht machbar sein.

Peter M. Neupert, Senior General Manager bei Microsoft, meinte, OS/ 2 mit weniger als drei Megabyte konnte auf jedem Fall nur sehr beschränkte Funktionen bieten.

"Als Server wird man unter dieser Grenze nichts laufen lassen können."

Im Zuge der Übelegungen, wie OS/2 für den Benutzer attraktiver gemacht werden könne - und ein entscheidender Fortschritt wäre ein weniger speicherintensives Betriebssystem - bestätigte man bei Microsoft auch erstmals, daß es Gedanken gegeben haben ein sogenanntes"Presentation Manager Lite"-Interface für DOS zu entwickeln.

Diese Pläne seien allerdings fallengelassen worden Sie hätten gegebenenfalls helfen sollen, den für die PM-Oberfläche von OS/2 ebenfalls erhebliche Speicherbedarf beim Anwender besser "verkaufen" zu können.

Die konzertierte Aktion von IBM und Microsoft brachte jedoch an klaren Aussagen zu Auslieferungen von Produkten nur zweierlei: Zum Ende des Jahres sollen beide identische 32-Bit-Development-Kits zur Verfügung stellen.

Außerdem teilte die IBM mit daß ihr für diesen Monat vorgesehenes OS/2 Extended Edition 1,2 nicht ausgeliefert, sondern erst kommenden März auf den Markt kommen wird. +