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19.03.1993 - 

Power-Open-Konsortium gegruendet und ABI praesentiert

IBM und Motorola scharen mit Apple RISC-Gemeinde um sich

Als Apple, Motorola und die IBM im Spaetherbst 1991 offiziell ihre Zusammenarbeit fuer die Entwicklung einer neuen RISC-Plattform - der Power-Open-Architektur - zementierten, aeusserten sich Marktbeobachter eher zurueckhaltend ueber die Aussichten des neuen Industriekonglomerates. Zu spaet schienen die beiden fuehrenden PC- Anbieter in den eher kleinen RISC-Markt einzusteigen.

Zu gesichert schien auch die Position von Sun als RISC- Marktfuehrer zu sein; Mips besass eine breite Basis in der Industrie, und HP hatte sich schon auf den Weg gemacht, mit geschickten PR-Massnahmen und guten Produkten sich als feste Groesse zu etablieren.

Das Triumvirat konnte allerdings schon vor der angekuendigten Zeit, naemlich bereits ein Jahr nach der Aufnahme der Kooperation, mit einer der Power-Open-Konzeption zugrundeliegenden Hardware- Implementation aufwarten: Ende September 1992 - und damit drei Monate frueher als geplant - stellten Motorola und Big Blue den "601"-RISC-Baustein vor.

Eher nebenbei liessen die Motorola-Manager damals die Bemerkung fallen: "Wir stehen in enger Kooperation mit Microsoft, um an dem Power-PC-Design zu arbeiten." Diese "Gespraeche" hatten die Ausgestaltung des Application Binary Interfaces (ABI) fuer die Power-Open-Architektur zum Gegenstand.

Power-PC-Plattform fuer Microsoft interessant

Dies ist insofern von Bedeutung, als beispielsweise DEC aeussert, dass die Gates-Company ihr kommendes Betriebssystem Windows NT auf drei Hardwareplattformen portieren wird: auf Mips, Alpha und Intel. Offensichtlich haben die Softwarekuenstler aus Redmond aber auch das Prozessordesign des Dreigestirns IBM, Motorola und Apple als lohnenswerte Plattform ausgemacht.

Ziel des Power-Open-Konsortiums ist, Software- Entwicklungswerkzeuge fuer Macintosh-, OSF/Motif- sowie zeichenorientierte Umgebungen bereitzustellen. Zu den Dienstleistungen, die die Industriegruppe Mitgliedern anbieten wird, gehoeren Testsuiten fuer Hard- und Softwaresysteme. Ausserdem sollen technologische Handreichungen geboten werden, die es erleichtern wuerden, zum Power-Open-ABI konforme Applikationen zu schreiben.

Das ABI soll es Software-Entwicklern ermoeglichen, unabhaengig von der zugrundeliegenden System-Hardware und deren I/O-Erweiterungen fuer unterschiedliche Power-Open-Architekturen zu entwickeln.

Ein Application Programming Interface (API) dagegen soll die Verbindung zwischen den diversen Anwendungen und dem Betriebssystem sowie Netzdiensten und Installationsprozeduren sicherstellen.

Big Blue wird das ABI in sein Unix-Derivat integrieren und es als AIX/6000-Betriebssystem vermarkten. Dabei soll nach Informationen aus IBM-Kreisen die aktuelle AIX/6000-Version 3.2 kompatibel sein zur ersten Power-Open-Variante.

Auch Bull will das AIX-basierte BOS/X-System auf Power-Open- Konformitaet ummodeln, gleiches gilt fuer Thomson CSF und deren UNI/XT. Bull aeusserte, dass bisherige BOS/X-Applikationen, die auf der DPX/20-Hardware laufen, ohne Portierung auch auf der Power- Open-Architektur gefahren werden koennten.

Apple plant ebenfalls, eine zum Power-Open-ABI konforme Variante des Mac-Betriebssystems herauszubringen.

Software-Entwicklern steht das neue Konsortium fuer ein Eintrittsgeld von 100 Dollar offen, sie gelten dann als assoziierte Mitglieder. Nach den vorliegenden Informationen haben bereits 40 Softwerker von dem Angebot Gebrauch gemacht.

Aus IBM-Kreisen wurde bekannt, dass die Spezifikationen fuer das Power-Open-ABI auf Nondisclosure-Basis bereits zugaenglich seien. Generell verfuegbar ist das ABI danach ab Sommer 1993. Weitere Softwarewerkzeuge seien noch vor Ende des Jahres erhaeltlich. Der britische Brancheninformationsdienst "Computergram" meldet ferner, dass mindestens eine Firma, die mehrere Millionen Systeme pro Jahr ausliefere, bereits ihre Mitgliedschaft per Unterschrift besiegelt habe. Innerhalb der naechsten zwei Monate werde sie ihr Incognito lueften. Anlaesslich der Vorstellung des 601-Prozessors heizte ein Motorola-Manager Spekulationen an, als er den Namen Compaq ins Spiel brachte: "Mit denen sind wir im Gespraech."

Bei dem 601-Prozessor handelt es sich um eine Modifikation der Power-RISC-Architektur, wie sie schon bei den Prozessoren von IBMs RS/6000-Workstations zum Einsatz kommt. Die wesentlichste Aenderung des Power-PC-Konzeptes gegenueber der erstmals 1991 praesentierten Power-RISC-Architektur - auch unter dem Namen Rios bekannt - stellt die Erweiterung auf eine 64-Bit-Architektur dar.

Allerdings handelt es sich - betrachtet man lediglich die ALU (Arithmetic and Logic Unit) - erst bei der fuer das kommende Jahr zu erwartenden Top-Version "620" um eine 64-Bit-Struktur. Bezueglich der zugrundeliegenden Bussysteme kann man allerdings auch bei dem 601-Chip und den Folgeprozessoren von einem 64-Bit- Konzept sprechen.

Dieses unterstuetzt einerseits eine 64-Bit-Integer-Wortlaenge und einen 64-Bit langen Adresszeiger. Andererseits werden 64-Bit- Implementationen einen 32/64-Bit-"Schaltmodus" besitzen. Das ermoeglicht es, 32-Bit-Applikationen auf 64-Bit-Implementationen ablaufen zu lassen, denen ein ebensolcher Betriebssystem-Kernel unterliegt. Ausserdem werden fuer den Power-PC-Chip geschriebene neue 64-Bit-Anwendungen auf 32-Bit-Bibliotheken zugreifen koennen.

Ausserdem will man den Power-PC-Prozessor als Ein-Chip-Variante produzieren. Das soll gegenueber IBMs jetziger Implementation mit drei Chips eine erheblich preisguenstigere Produktion in hohen Stueckzahlen gewaehrleisten.

Anlaesslich der Praesentation des 601-Prozessors offenbarte Motorola auch gleich weitere Plaene: Danach sollen im kommenden Jahr drei weitere Mitglieder dieser Chip-Familie auf den Markt kommen: Der "603" sei als Low-cost-Variante zum Einsatz in tragbaren Rechnern sowie fuer Embedded-Anwendungen gedacht. Dreimal leistungsfaehiger als der 601 - in Schaetzungen wurde etwas ungenau von 60 bis 70 Specmarks gesprochen - sei die "604"-Variante, fuenfmal schneller gar die "620"-CPU. Systeme mit diesen Prozessoren liessen sich, so der Motorola-Manager weiter, untereinander skalierbar ausbauen.

Um den Power-PC-Chip fuer Multiprozessor-Systeme tauglich zu machen, nutzte die Arbeitsgemeinschaft IBM-Motorola die Bus- Schnittstelle von Motorolas 88110-RISC-CPU, die einen 32-Bit- Adress- sowie einen 64-Bit-Datenbus umfasst. Allerdings erweiterten die Entwickler das Interface um einige Funktionen fuer "intelligente" I/O-Operationen.

Wer paktiert mit wem?

Das Power-Open-Lager

- IBM

- Apple

- Bull HN Information Systems Inc.

- Harris Corp.

- Motorola

- Tadpole Technology

- Thomson CSF

Das Digital-Lager

- DEC

- Kubota

- Olivetti

- Raytheon

- Encore Computer

- Advanced Computer Research International

- Carrera Computers

- Cray Research

Das HP-PRO-Lager

- HP

- Hitachi

- Mitsubishi

- Hughes

- Oki

- Yokogawa

- Prime

- Convex

- Sequoia

Das Sparc-Lager (unter anderem)

- Sun Microsystems

- Amdahl

- Cray

- Fujitsu

- ICL

- Solbourne

- Toshiba

- Xerox

- Matsushita

- Tadpole Technology

- Compuadd

- Goldstar

- Hyundai

- Tatung

- Twinhead

- Fujitsu

- Thinking Machines

- Meiko Scientific

Das Mips-Lager (unter anderem)

- Silicon Graphics (Mips)

- DEC

- Pyramid

- SNI

- Siemens

- Olivetti

- Tandem

- NEC

- Sony

- AT&T

- Sumitomo

- Control Data

- Microsoft

- LSI Logic

- Integrated Device Technology

- Toshiba

- Acer

- Carrera Computers

Das Motorola-Lager (88-Open unter anderem)

- Motorola

- Data General

- Omron

- Encore Computer

- Dolphin Server Technology

- Sanyo/Icon International Inc.

- Cetia (Thomson CSF)

- Harris Computer Systems Division

- McDonnell Douglas Information Systems

- Micro Focus

- Philips Information Systems

- SAS Institute

- Tadpole Technology

- Unify

- Wordperfect

- Oracle

- Unix International