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11.10.2006

IBM und Novell über die Linux-Zukunft

Das quelloffene Betriebssystem und Open-Source-Anwendungen in seinem Gefolge sind keine Selbstläufer. Um den bisherigen Boom dieses Marktes fortzusetzen, bedarf es fördernder Maßnahmen.

Von CW-Redakteur Ludger Schmitz

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Keiner von ihnen habe eine derart schnelle Verbreitung von Linux erwartet, bekunden unisono Adam Jollans, der oberste Verantwortliche bei IBM für Open-Source- und Linux-Strategie, und Phil Zamani, bei Novell Emea-Chef für das Linux- und Open-Source-Business. Aber quelloffene Software sei insgesamt in zahlreichen Marktbereichen noch nicht über das Stadium hoffnungsvoller Pilotversuche hinausgekommen. Die Fortsetzung des bisherigen Booms, von der beide überzeugt sind, setze einige neue Entwicklungen voraus.

"Linux muss in weitere Bereiche hineinwachsen", erklärt Jollans, "in Rechenzentren, Desktops, kleine und mittelgroße Unternehmen, in vertikale Applikationen". Die meisten Hoffnungen sind mit dem Mittelstand verbunden - aber mit diesem Markt auch einige Mängel der bisherigen Entwicklung. "Linux muss einfacher zu verwenden sein; denn diese Firmen haben keine großen IT-Abteilungen", so Jollans. "Die wollen etwas, dass sich leicht installieren lässt, am Besten per Plug and Play, und danach einfach administriert werden kann."

Das habe nicht nur IBM erkannt, was sich daran zeige, wie schnell sich momentan das Segment der Administrations-Tools für Linux-Umgebungen entwickle. Open-Source-Management ist ein Toptrend, aber man darf darüber eins nicht vergessen, so Jollans: "Es geht außerdem um die Integration von Linux in Windows-, Unix und AS/400- beziehungsweise iSeries-Umgebungen. Linux muss dazu passen, ohne dass die Anwender weitere IT-Spezialisten benötigen."

Gegebenheiten berücksichtigen

Das sei eigentlich der zentrale Aspekt bei der Herangehensweise an die zahlreich vorhande-nen Admin-Werkzeuge aus der Open-Source-Welt. Für sie interessieren sich viele Anwender, weil sie sich möglichst Investitionen in die funktional umfangreichen, und entsprechend teuren, Tools von IBM, BMC, Hewlett-Packard und CA ersparen möchten. Entweder sind die Tools der "großen Vier" schon im Einsatz, oder sie kommen bei weiterem Wachstum eines Unternehmens ins Spiel, meint Novells Linux-Chef Zamani: "Das beste Open-Source-Management-Tool ist eins, das sich in die Highend-Werkzeuge integrieren lässt."

Kleine und mittelgroße Unternehmen (KMUs) sind es gleichzeitig, die in besonders hohem Maße ihre IT teilweise oder ganz an Dienstleister ausgelagert haben. Diese sind daher eine wichtige Adresse für Linux-interessierte Firmen wie IBM und Novell. Viele der Servicespezialisten sind branchenorientiert aufgestellt. Da reicht es nicht, den Kunden mit einem Software-Stack zu kommen, der sich wie der Klassiker "Lamp" auf Linux, Apache, MySQL und PHP, Perl oder Python beschränkt - vielleicht noch mit dem Zusatz einer Linux-fähigen brachenspezifischen ERP-Lösung. Lösungen für die Kundenpflege (CRM), für Content Management, Groupware etc. sollten auch noch dazu passen.

"Der springende Punkt ist, ob die Lösungen aggregiert sind oder jeder Anbieter bei jedem Anwender eine eigene Lösung zusammenbastelt", stellt Zamani fest. Die Ursache dafür, dass viele mögliche Linux-Lösungen - "davon gibt es mehr als für Unix" (Zamani) - nicht verbreitet seien, liege oft im Nichtwissen über das Angebot. Darunter dürften Perlen sein, so der Novell-Manager: "Oft beweist eine Anwendung seine Klasse erst in der Kombination mit anderen Programmen. Es geht also um ein Ökosystem."

IBM und Novell möchten sich als Vermittler anbieten. Notwendig sei allerdings, dass Linux-interessierte IT-Anbieter an sie herantreten. Zamani: "Wo kein Kontakt, da kein Kontrakt. Solange wir nicht wissen, dass eine bestimmte Lösung existiert, können wir sie nicht promoten." IBM-Manager Jollans äußert sich zu diesem Punkt selbstkritisch: "Wir müssen uns selbst noch mehr Gedanken machen, wie wir die unabhängigen Linux-orientierten IT-Anbieter fördern können. Das betrifft besonders jene auf dem Markt der KMUs."

Insbesondere suchen IBM und Novell anscheinend eine bessere Zusammenarbeit mit Linux-Dienstleistern, die hierzulande viel für die Verbreitung quelloffener Systeme getan haben. "Solche Firmen haben oft gute Lösungen", meint Zamani, "aber im Marketing sind sie nicht so gut." Die meisten seien zu klein, um mehrere größere Projekte gleichzeitig stemmen zu können. Daran ändere auch ihre lockere Zusammenarbeit nicht viel. Zamani: "Wenn die an IBM oder Novell herantreten würden, weil sie Hilfe oder Know-how benötigen, würden wir ihnen sehr offen entgegen kommen. Aber oft wissen wir nicht, woran sie arbeiten." Haben da einige eine historisch begründete Angst, die Umarmung könnte zu intensiv ausfallen?

Ein signifikantes Geschäft

Vielleicht sind solche Ängste unbegründet; denn diesmal brauchen Novell wie IBM unbedingt Partner, um dem Linux-Boom weiteren Schwung zu geben. Bei Novell reicht das Linux-Geschäft noch nicht, um die Verluste auf der Netware-Seite auszugleichen. Zahlen werden nicht genannt. "Linux ist ein schnell wachsendes Business, und es soll noch mehr werden", stellt IBM-Manager Jollans fest. "Es ist eine signifikante Geschäftsgröße, selbst in den Dimensionen von IBM. Wir sind schon lange weg von einem entstehenden Business."