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12.07.1991 - 

Gemeinsame Produktion von 16-Mbit-DRAMs

IBM und Siemens intensivieren Zusammenarbeit bei Speichern

PARIS/STUTTGART (CW) - Die IBM Corp. und die Siemens AG rücken in Sachen Speicher-Chips noch enger zusammen. Nach der im vergangenen Jahr beschlossenen gemeinsamen Entwicklung des 64-Mbit-DRAMS wollen die Unternehmen nunmehr den Aufbau einer 16-Mbit-Chip-Produktion im französischen IBM-Werk Corbeil-Essones gemeinschaftlich finanzieren. Mit den ersten DRAMs aus der Fertigung ist Mitte 1992 zu rechnen. Sollte der Termin eingehalten werden können, hätte das deutsch-amerikanische Team gute Chancen, den Baustein noch vor den Japanern auf den Markt zu bringen.

Während Siemens die Höhe der notwendigen Investitionen zum Ausbau der Produktion in Essones mit "vielen 100 Millionen Mark" angibt, müssen die beiden Multis einem Bericht der "Financial Times" zufolge jeder rund 400 Millionen Dollar aufbringen. Der Grundsatz der Gleichberechtigung gilt offenbar nicht nur beim Bezahlen, auch bei der Verteilung der Chips hält man sich an das Pari-Pari-Prinzip. Allerdings wird die IBM ihre Hälfte des Produktionsausstoßes für den eigenen Bedarf verwenden, wohingegen der Münchner Elektronikkonzern die neuen Speicher auf dem Markt anbieten will.

Essones soll moderne Chip-Fertigung in der EG sichern

Die Partner versicherten, daß die Vereinbarung "für weitere Teilnehmer im Rahmen der zur Verfügung stehenden Produktionskapazität offen" sei. Die Einschränkung bezüglich der Produktionskapazität bedeutet allerdings, daß andere europäische Hersteller nur dann an der Fertigung partizipieren können, wenn Siemens und IBM die Kapazität des Werkes nicht allein ausnutzen.

Die Fertigung, die auf der in Essones bereits vorhandenen Prozeßtechnik aufsetzt, soll bereits Ende dieses Jahres anlaufen. Gestartet wird mit 600 Wafern pro Tag, eine Produktionsausweitung ist jedoch möglich. Einem Siemens-Sprecher zufolge werde in dem französischen Werk - gemessen in Speicher-Bits - mehr Memory produziert als im Siemens Halbleiter-Werk in Regensburg, wo 1- und 4Mbit-Bausteine gefertigt werden.

Nach Angaben der Unternehmen stelle das Werk in Essones auch die Basis für die künftige Produktion von anwendungsspezifischen Bausteinen (ASICs) sicher, deren kleinste in industrieller Massenfertigung realisierbaren Strukturen heute 0,5 Mikrometer betragen. Außerdem sieht das Abkommen vor, daß das Know-how auf andere Halbleiter-Fertigungsstätten beider Firmen übertragen werden kann.

Die neue 16-Mbit-Fertigung stellt in den Augen aller Beteiligten einen Meilenstein bei der Sicherstellung moderner Halbleiterproduktion in Europa dar. "Dies ist ein weiterer Schritt zur Stärkung einer eigenständigen europäischen Elektronikindustrie. Er ist darüber hinaus im Einklang mit den Zielen des Jessi-Programms", erklärte Karlheinz Kaske, Vorsitzender des Vorstandes der Siemens AG. Ins gleiche Horn blies IBM-Präsident Jack Kuehler: "Die Verankerung von 16-Mbit-Fertigungstechnologie in Europa wird zu einer besseren weltweiten Balance in der Halbleiter-Technik führen - und das mit einem ausgesprochen aggressiven Zeitplan. Es ist ein weiterer Schritt in IBMs Strategie, die auf eine Stärkung der, Tehnologiebasis in den USA und Europa abzielt.

Sollte der Zeitplan eingehalten werden können, wären Europäer und Amerikaner nach langer Zeit einmal die ersten, die eine neue Speichergeneration auf den Markt bringen. Von den drei großen japanischen Chip-Produzenten NEC, Hitachi und Toshiba erwartet man allerdings, daß sie die Aufforderung zum, Wettlauf annehmen. und alles tun werden, um den Speicherbaustein doch noch zuerst in Stückzahlen anbieten zu können.

Auch der. Vizepräsident der EG-Kommission, Martin Bangemann, begrüßte die Ankündigung als "industriepolitisch positiv". Er sieht darin einen vielversprechenden Ansatz für die von der Kommission gewünschte Vertiefung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Elektronik und Informatikindustrie. Angesichts der Kosten bei Entwicklung und Produktion von Halbleitern seien Kooperationen in dieser Branche besonders angebracht.

Nach Auskunft von Siemens-Sprecher Klaus Knapp hat die aktuelle Kooperationsvereinbarung allerdings keinerlei Einfluß auf das Entwicklungsabkommen, das die beiden Firmen im letzten Jahr bezüglich der Entwicklung des 64-Mbit-DRAMs geschlossen haben: "Das ist nicht Bestandteil des Abkommens."