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04.05.1990 - 

Fehler beim SCSI-Interface und Wirrwarr um Mikrokanal

IBM unterbricht Auslieferung der PS/2-Modelle 80 und 65 SX

MÜNCHEN (CW) - Unruhe um die neuen PS/2-Modelle: Wegen eines Fehlers in den eingebauten SCSI-Platinen hat die IBM die Auslieferung der Modelle 80 und 65 SX einstweilig gestoppt. Außerdem haben Vertreter von Big Blue eingestanden, daß der Mikrokanal-Bus bei neueren PS/2 Rechnern in den älteren Modellen geändert wurde.

Mit den serienmäßigen Small-Computer-System-Interface-

Karten (SCSI) wollten die Armonker die neuen PS/2-Modelle 80 und 65 SX für den File-Server-Einsatz tauglich machen. An jede einzelne SCSI-Karte können bis zu sieben Peripheriegeräte angeschlossen werden. Tests in den IBM-Labors haben ergeben, daß die Karten die Daten während der Übertragung an die Peripheriegeräte ändern, ohne eine Fehlermeldung auszugeben. Der Grund dafür liegt nach Herstellerangaben in der Hardware-Architektur der Karten.

Von diesem Fehler sind nicht nur PS/2-Rechner betroffen. Auch in den neueren Modellen 10, 12 und 14 der Serie 9371 werden die gleichen SCSI-Adapter verwendet. In der nächsten Tagen sollen die Karten laut

IBM durch neue, fehlerfreie Exemplare ersetzt werden. Dann wird auch die Auslieferung der Rechner mit neuen Karten wie der aufgenommen.

Am Rande eines Kongresses für Systementwickler in San Franzisko erklärten IBM-Vertreter erstmals öffentlich, daß die Mikrokanal-Architektur (MCA) der neuen PS/2-Modelle gegenüber den Vorläufermodellen geändert wurde. Bei den neuesten Versionen der Modelle 70, 80 und 65 SX können Datenübertragungsraten von 40 MB/s im 32-Bit-Modus und 80 MB/s beim 64-Bit-Multiplexing erreicht werden.

Besitzer älterer PS/2-Rechner können von diesen neuen Leistungen nicht profitieren Sie müssen sich weiterhin mit Übertragungsraten von 20 MB/s begnügen. Konkret heißt das, daß viele PS/2-Anwender der ersten Stunde in Zukunft nicht die volle Leistungsfähigkeit neuer MCA-Boards werden ausnützen können. Eine Möglichkeit, die Mutterplatinen älterer Rechner zu modifizieren, besteht nach Angaben von Ralph Sorrentino, Senior Planner der IBM Entry-Systems-Division, nicht. Wer die höhere Leistung haben will, der müsse sich ein neues System kaufen.

Im Herbst 1989 wurden auch noch verbesserte Fehlererkennungs-Mechanismen bei der Datenübertragung via Mikrokanal angekündigt. Diese Neuerungen finden sich bisher auf keinem PS/2-Modell, sondern nur bei den Workstations der Serie RS/6000.

Unter US-Anwendern und Software-Entwicklern sorgen diese Mikrokanal-Unterschiede zunehmend für Verunsicherung. Ihrer Ansicht nach kristallisiert sich jetzt allmählich folgendes heraus: Die IBM-Entwickler haben erkannt, daß sich die erweiterten Mikrokanal-Leistungen für PS/2-Rechner gar nicht lohnen. Deshalb setze man voll auf die neuen RISC-Workstations.

Andererseits müssen Entwickler von MCA-Boards ihre Produkte in Zukunft für drei verschiedene Anwendungen konzipieren: Für den Einsatz in älteren und neueren PS/2-Rechnern sowie im RS/6000. Diese zusätzlichen Kompatibilitätsprobleme dürften die Mikrokanal-Karten verteuern.

Mikrokanal nicht gleich Mikrokanal

PS/2-Käufer der ersten Modelle, die auf die Zukunftssicherheit des Mikrokanal-Busses gesetzt hatten, dürften sich jetzt verschaukelt fühlen. Von den Verbesserungen bei der Datenübertragungsrate werden sie nichts haben. Aber auch die Käufer neuerer PS/2-Rechner sollten ins Grübeln kommen. Denn es ist absehbar, daß die volle Leistungsfähigkeit des Mikrokanals in Zukunft nur den Anwendern des RISC-Systems 6000 zugute kommen wird. Wenn dann zusätzlich noch Hardwareprobleme wie jetzt in Sachen SCSI auftauchen, ist die PS/2-Verwirrung perfekt - was die Software und das Betriebssystem betrifft, weiß man schon jetzt nicht mehr, ob OS/2 oder Unix besser ist. Vor diesem Hintergrund konnte man den Mikrokanal-Wirrwarr auch so deuten, daß Big Blue sich allmählich auf den Weg in Richtung Unix begibt.