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07.12.1984

IBM-User: Kopsrechnen schwach - Religion gut

07.12.1984

Wer wen behumst oder begünstigt hat bei den Rechnergeschäften im Rabattwasch-Dreieck "ICS-Uni-IBM" (CW Nr. 49 vom 30. November 1984), steht dahin. Man kann davon ausgehen, daß es außer der öffentlichen Hand, die schließlich die Hochschul-Datenverarbeitung aus Steuergeldern finanziert, keine Geschädigten gibt, sieht man einmal davon ab, daß die IBM personelle Konsequenzen ziehen mußte.

Kein Fall Kohn. Der geschabte bisherige IBM-Oberverkäufer war sicher nicht von dem Kaliber, sich im Leasing-Dschungel der Broker-Beziehungen wohl zu fühlen. Der Leiter des Geschäftsbereichs VI Vertrieb Informationssysteme der IBM Deutschland GmbH wurde geopfert, um Selbstreinigungskraft zu demonstrieren und jeglicher Spekulation in bezug auf einen möglichen "Sparberg-Effekt" (Wechsel auch in der Unternehmensleitung?) von vornherein die Spitze zu nehmen.

Auch kein Teil einer moralischen Anstalt. Zwar werden die Stuttgarter, wenn es erforderlich sein sollte, auf ihre hehren Geschäftsgrundsätze verweisen, daß gerade in schwierigen Situationen der "wahre IBM-Geist" wirksam sei (IBM-Sein ist eine Religion) - doch weiß jeder, was von derartigen Beteuerungen zu halten ist.

Statt über die Blauäugigkeit einiger RZ-Chefs aus dem Hochschulbereich zu lamentieren, um darauf hinzuweisen, die bösen Broker seien letztlich an allem schuld, sollten sich die Beteiligten einmal fragen: Wie kommt es, daß IBM-Kunden in, schöner Regelmäßigkeit größere Maschinen brauchen?

Eine läppische Frage? Ein Mehr an Anwendungen erfordere eben eine höhere Rechnerkapazität. Man wolle schließlich, im Interesse der eigenen Organisation - so sinngemäß etwa ICS-Abnehmer Hagen Hultzsch von der Darmstädter Gesellschaft für Schwer-Ionenforschung (GSI) - die Innovation vorantreiben. Gut. Doch schauen wir uns eine simple Rechnung an: In den vergangenen 20 Jahren ist der Preis für 1 MB IBM-Hauptspeicher um den Faktor 600 nach unten gegangen. Das heißt: Die IBM muß ihren Kunden heuer Rechner mit der 600fachen Prozessorleistung wie 1964 verkaufen, um auf das gleiche Geschäftsvolumen zu kommen. Kein Problem offensichtlich für den Marktführer, wie die Umsatz- und Gewinnzahlen zeigen. Der Erfolg beruht auf der schier unbegrenzten Aufnahmefähigkeit vieler Rechenzentren für IBM-Mainframe-Power.

Aber nun zu Teil zwei der Rechnung. Kam etwa das Betriebssystem OS/360 MFT noch mit 80 KB Hauptspeicherplatz aus, so benötigt MVS/XA auf einer 308X immerhin schon 4 bis 8 MB Hauptspeicher - eine Zunahme von 50 bis 100 Prozent. Der Betriebssystem-Overhead ist drastisch angestiegen. Unter dem Strich müßte es sich gleichwohl ausgehen.

Doch fragen wir Hagen Hultzsch, ob das nominell verfügbare Performance-Plus in Kops (Kilo Operationen pro Sekunde) auch zu einer entsprechenden Leistungssteigerung geführt hat, was seine Anwendungssysteme betrifft. Nur dies würde nämlich rechtfertigen, daß die DV- und RZ-Chefs jedes Migrations- und Upgrade-Angebot des , Marktführers annehmen. Wer käme denn auf den Gedanken, Big Blue könnte womöglich über geplante Performance-Gaps und die Ankündigung der "richtigen" Produkte zum jeweils "richtigen" Zeitpunkt die eigene Umsatz- und Ertragsentwicklung steuern?

Der Präsident der IBM-Benutzervereinigung SEAS wird für das "Wachstumsphänomen" zweifellos eine einleuchtende Erklärung parat haben. Oder fragen wir lieber die Benutzer oder - noch besser - das Top-Management?